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UBS-Skandal II Ratingagenturen senken die Daumen

Vertrauen ist das Wichtigste für Banken – und das spiegelt sich in der Bönitäts-Ratingnote wider. Nach dem Händler-Skandal haben nun bereits zwei der drei großen Ratingagenturen angekündigt, die Note zu überprüfen.

Keine unangenehmen Fragen bitte: Ein Polizist vor der Londoner UBS-Dependance, wo der Händler die Milliarden verzockte. Quelle: handelsblatt.com

Der Schweizer Großbank UBS droht wegen der von einem Händler verzockten Milliarden die Abstufung durch die Ratingagenturen Moody's und Standard and Poor's. Das Langfrist-Rating „A+“ stehe nach dem von der Bank bekanntgegebenen milliardenschweren Handelsverlust durch einen Mitarbeiter des Investmentbankings zur Disposition, teilte S&P am Freitag mit. Das Ereignis sei ein Rückschlag für die Bemühungen der UBS, ihre Reputation wiederzuerlangen und ein verstärktes Risikomanagement vorzuweisen, hieß es.

In der Nacht auf Freitag hatte bereits Moody's eine Überprüfung des UBS-Rating angekündigt. Im Fokus der Überprüfung stehe Moody's zufolge der anhaltende Nachholbedarf der größten Schweizer Bank im Risikomanagement und bei der Kontrolle spekulativer Geschäfte. Hier sei die Bank schon seit längerem schwach aufgestellt. Der am Donnerstag bekanntgegebene Verlust in Höhe von zwei Milliarden US-Dollar aus unerlaubten Geschäften eines einzigen Händlers habe dies deutlich aufgezeigt.

Die Bank habe zwar seit der Finanzkrise einige Fortschritte in diesem Bereich gemacht, sei hier aber immer noch deutlich hinter der Konkurrenz. Derzeit wird die Bonität der UBS noch mit der Note „Aa3“ und die Finanzkraft der Bank mit der Einstufung „C/A3“ bewertet. Eine Abstufung um mehr als eine Stufe sei unwahrscheinlich, hieß es in der Mitteilung. Die Deutsche Bank hat im Langfrist-Rating beispielsweise nach eigenen Angaben ebenfalls „Aa3“.

Die Einstufung der Bonität ist für Banken von besonderer Bedeutung, da sie ein mitentscheidender Faktor bei der für die Geldhäuser wichtigen Refinanzierung ist. Gerade erst in dieser Woche sorgte die Abstufung der französischen Banken Crédit Agricole und Société Générale für heftige Kursverluste bei den Aktien.

UBS hatte am Donnerstagmorgen mitgeteilt, dass nicht genehmigte Transaktionen eines Händlers der Bank einen Verlust von zwei Milliarden Dollar eingebrockt haben. Es sei daher möglich, dass die Bank deshalb im dritten Quartal wieder einmal rote Zahlen schreibe. Der Kurs der Aktie fiel daraufhin in einem sehr festen Markt um mehr als zehn Prozent auf 9,75 Franken und kostete damit erstmals seit dem Frühjahr 2009 wieder weniger als zehn Franken.

Einstufung von zentraler Bedeutung

Der Händler-Skandal trifft die UBS zur denkbar ungünstigsten Zeit, da sie sich gerade erst von ihrem Fast-Zusammenbruch in der Finanzkrise etwas erholt hatte. Die Schweizer Großbank, an deren Verwaltungsratsspitze ab 2013 Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber stehen soll, ist in der Finanzkrise durch schwere Zeiten gegangen. Sie häufte in den Jahren 2007 und 2008 knapp 28 Milliarden Franken an Verlusten an und musste vom Staat gerettet werden.

Nun will die Großbank will offenbar mehrere Tausend Stellen im Investment-Banking streichen. Wie der schweizerische „Tagesanzeiger“ am Freitag unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtete, sollen die genauen Pläne auf einem Investorentag am 17. November vorgestellt werden. Die UBS-Aktionäre könnten nun nicht mehr mit Kosmetik abgespeist werden, zitierte die Zeitung einen UBS-Insider. UBS wollte den Artikel nicht kommentieren.

Die Sparte werde sich in Zukunft wohl auf die Aktivitäten beschränken, die zur Unterstützung der Vermögensverwaltung und des Asset Managements für institutionelle Kunden nötig seien, hieß es am Freitag in einer Studie von JP Morgan. Mit dem Ambitionen, in diesem Bereich weltweit ganz vorne mitzuspielen, sei die Bank nun endgültig gescheitert. Bereits im August hatte die Bank angekündigt, bis 2013 insgesamt rund 3.500 Stellen zu streichen, um die jährlichen Kosten um 1,7 Milliarden Euro zu senken.

Einige Fachleute sehen in der Krise dementsprechend auch eine Chance für die UBS – so die Analysten des Brokers JP Morgan Cazenove: „Dieser Handelsverlust dürfte der finale Schlag sein und zu einer materiellen Restrukturierung führen“, schreiben die Experten in einem Kurzkommentar. Sprich, das UBS seine Investmentbankingsparte radikal zusammen streichen wird. "Wir glauben, dass UBS unter erheblichen Druck der Finanzaufsicht Finma und von seinen Aktionären kommen wird, das Investment-Banking zu überdenken." Und das sei eine gute Nachricht.

"Wir sehen die new UBS als eine Privatbank und Vermögensverwalter mit einem kleineren Investment-Banking", heißt es weiter. Das Investment-Banking würde zwei Drittel des Kapitals der Bank binden, und wiederum davon zwei drittel würden vom wenig erfolgreichen Geschäft mit Anleihen und Devisen (genannt FIIC) gebunden. In Zukunft würde diese Sparte wohl ausschließlich darauf zurück gestutzt werden, das Privatbank-Geschäft zu unterstützen.

Mit kleineren Korrekturen dürfte es jetzt kaum getan sein. Denn auch in der Schweizer Politik ist der Frust mit UBS groß. Nach Verlusten von fast 55 Milliarden Franken im US-Hypothekengeschäft in den Krisenjahren musste die Bank vom Staat mit Milliardenbeträgen gestützt werden. Und nun, wenige Jahre später, machen schon wieder die Investmentbanker Ärger. "Solange man an den grossen Ambitionen mit dem Investmentbanking festhält, wiederholt sich solches", zitiert der "Tages-Anzeiger" den grünen Abgeordneten Daniel Fischer.

Wie kam es zum Mega-Verlust?

Glück für UBS: Die neue Banken-Regulierung der Schweiz, genannt "Too big to fail", befindet sich bereits im Endstadium der parlamentarischen Beratungen. Sie sieht deutlich höhere Eigenkapitalanforderungen vor, die über die Basel III-Regeln hinausgehen. Die rechtskonservative SVP-Fraktion scheiterte mit dem Antrag, das Gesetzespaket noch einmal aufzuschnüren, und wie in Großbritannien eine klare Trennung des Investment-Bankings vom klassischen Bank-Geschäft einzuführen. Aber die Debatte dürfte noch nicht vorbei sein.

Wie genau Skandal-Händler Kweku Adoboli die zwei Milliarden Dollar versenkt hat, war auch Freitagmorgen noch recht unklar. UBS hüllt sich dazu in Schweigen und verweist auf die laufenden Untersuchungen.

Bekannt ist, dass der 31-Jährige am Delta-One-Desk der UBS in London arbeite. An diesem Handelstisch wird mit Derivaten gehandelt und Kundentransaktionen mit Liquidität versorgt. Sprich, ein Kunde wettet auf das fallen des Daxes mittels eines Derivats, die Bank nimmt die Wette ab, und sichert sich mit einem Gegengeschäft ab.  Dieses Geschäft stellt also quasi ein Zwitter-Modell zwischem reinen Kundengeschäft und dem Eigenhandel da. Da die Bank Mini-Eigenpositionen eingeht, können dabei Gewinne anfallen, neben den Handelsprovisionen.

Ein Fehler im Handel scheint ausgeschlossen zu sein. Denn UBS bescheinigt dem Verdächtigen mit "beträchtlicher krimineller Energie" vorgegangen zu sein. Das nährt die These, der Händler könnte betrügerische Operationen ins System eingegeben haben, um seine Trades zu verschleiern. Genauo so handelte auch Jérôme Kerviel, der Betrugshändler der Société Générale, der mit seinen unerlaubten Aktienwetten der Großbank Anfang 2008 einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro eingebracht hatte. So schreibt auch der "Tages-Anzeiger" mit Bezug auf UBS-interne Quellen, dass Adoboli es verstanden haben "Absicherungen vorzutäuschen".

Sprich, der Betrugshändler ging auf Kosten der Bank mit Derivaten Wetten ein, dass sich der Markt in eine bestimmte Richtung entwickelt. Als dann die Märkte in die Gegenrichtung marschierten, flog ihm und der UBS die Wette um die Ohren. Da die Märkte in den letzten Wochen extrem volatil waren, kann in kurzer Zeit ein großer Verlust entstehen.

Noch sind aber bei weitem nicht alle Fakten auf den Tisch. Aber schon jetzt wird der Ruf nach persönlichen Konsequenzen lauter. Große Sorgen um seinen Job dürfte sich der Chef des Investment-Bankings, Carsten Kengeter machen müssen. Er wollte die UBS im Investment-Banking zurück in die Formel Eins führen. Jetzt sind er und sein Chef, UBS-CEO Oswald Grübel, mit lautem Knall in Leitplanke gedonnert.

CEO Grübel gerät unter Druck

Nun wird der Ruf nach einer Ablösung von UBS-Chef Oswald Grübel lauter. Er müsse „Platz machen“ forderte etwa das Wirtschaftsmagazin „Cash“ am Freitag. Hoffnungen werden auf Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber gesetzt, der 2012 in den Verwaltungsrat der UBS einziehen soll und 2013 dort das Ruder übernehmen soll.

Unverhohlen machte UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger seinem Unmut über den Vorfall Luft. Er sei „persönlich sehr enttäuscht“ sagte er und sprach am Donnerstagabend nach einem Bericht des Schweizer Fernsehens von einem „unseligen Ereignis“. Es sei „ein Jammer“, dass die UBS nach harter Arbeit während zwei Jahren und ganz enormen Fortschritten durch dieses Ereignis wieder sehr stark zurückgeworfen werde.

Neben Grübel sollte laut „Cash“ auch Villiger die Konsequenzen ziehen. Für Investoren wie Kunden müsse „es haarsträubend sein zu erfahren, dass in der Investment Bank noch immer eine Managementkultur verankert ist, welche es zulässt, dass ein einzelner Händler Milliarden vom Eigenkapital an der Börse verzocken kann“. Dafür seien Grübel und Villiger verantwortlich.

Ohne Namen zu nennen, warnt auch die „Neue Zürcher Zeitung“ vor den Folgen des Skandals für den Finanzplatz Schweiz. Leichtfertigkeit müssten sich jene Banker vorwerfen lassen, „die hierzulande weiterhin so tun, als sei 2008 nur ein kleiner Betriebsunfall gewesen und als sei die Welt vor und nach der Staatshilfe für die UBS im Grund die gleiche“, schreibt die Zeitung am Freitag. „Wer im Finanzplatz an die Sorgfalt appelliert und sich gegen zu strenge staatliche Bestimmungen zur Wehr setzt, muss selbst glaubwürdig aufzeigen, dass er die Lehren für sein Unternehmen gezogen hat und sie im Kontext der politischen und gesellschaftlichen Erwartungen ernst nimmt.“ Hier liege einiges im Argen, schreibt die Zeitung. Vor allem Grübel gilt als Gegner staatlicher Bevormundung von Banken nach der Krise.

Die auflagenstarke Zeitung „Blick“ schreibt von einer Grundproblematik im Geschäftsmodell des Investmentbankings. „Wer aggressiv Risiken eingeht, erhält hohe Boni.“ Der frühere Händler Oswald Grübel habe „diese Zockerkultur goutiert und gefördert. Dass die umstrittene Sparte vornehmlich Verluste schrieb, schien er bewusst in Kauf zu nehmen.“ Den Vertrauensverlust könne die Bank nun nicht mit einem Vorstand wettmachen, dem offenbar die Kontrolle über das Geschäft fehle, kommentiert die Zeitung.

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