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Unternehmensführung Warum viele Frauen gegen die Quote sind

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Rita Forst Quelle: Axel Wirdemann

Das Einschreiten der Kanzlerin kommt spät, ist aber ganz im Sinne der Wirtschaft. Vor allem im Sinne der Frauen.

Als die Personalberatung Odgers Berndtson Ende vergangenen Jahres Managerinnen auf Vorstands- und Geschäftsfüh-rungsebene in den 500 umsatzstärksten deutschen Unternehmen dazu befragte, lehnten 56 Prozent von ihnen die Frauenquote strikt ab. Eine Umfrage der Düsseldorfer Personalberatung LAB kam zu einem vergleichbaren Ergebnis: Hier bewerteten 77 Prozent die Quote als „sinnlos“. Zwar beurteilten die Managerinnen Frauenquoten erwartungsgemäß positiver als Männer. Dennoch wollten nur 37,8 Prozent der Frauen so etwas in ihrem Unternehmen sehen, bei den Männern waren es nur 10,7 Prozent.

Denselben Tenor hat auch eine Umfrage, die die WirtschaftsWoche in der vergangenen Woche unter allen 160 börsennotierten Unternehmen aus Dax, MDax, TecDax und SDax durchführte: Fast alle sprachen sich gegen die Quote aus. Das einzige Unternehmen, das dafür war, wollte explizit nicht genannt werden.

Eine Quote hätte es früher geben müssen

„Was soll eine Quote jetzt auch bringen? Wenn, dann wäre so etwas vor 10 oder 20 Jahren sinnvoll gewesen“, sagt Frank Appel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post, im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. Es müsse darum gehen, die besten Köpfe für das Unternehmen zu gewinnen. Kriterien dafür seien aber eben auch Alter und Internationalität und nicht nur das Geschlecht.

Dass sich etwas verändern muss, bezweifelt indes niemand. Nach wie vor sind gerade einmal 3,2 Prozent der Vorstandsposten der 200 größten Unternehmen hierzulande von Frauen besetzt, so eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. In den 30 Dax-Unternehmen sind sogar nur 4 von 182 Vorständen weiblich – oder 2 ,2 Prozent. Im mittleren Management der Dax-Unternehmen sieht es etwas besser aus, hier liegt der Frauenanteil bei 12,5 Prozent. Lediglich die Familienunternehmen kommen laut einer Intes-Umfrage auf 25 Prozent Managerinnen.

Keine Frage, gemessen am Frauenanteil in der Bevölkerung, ist das viel zu wenig.

Kritikern geht eine freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft deshalb nicht weit genug. „Viel zu unverbindlich“ sei diese, findet etwa Sieglinde Schneider, EU-Botschafterin für Unternehmerinnen. „Der nötige Druck, den dieses Thema jetzt braucht, ginge verloren.“ Außerdem gebe es diese Selbstverpflichtung schon seit 2001. Die vergangenen zehn Jahre aber hätten kaum Veränderungen gebracht. Auch deshalb pocht EU-Justizkommissarin Viviane Reding auf ein Gesetz. Gewiss, das sogenannte Leistungsprinzip, also das Besetzen einer Position mit dem jeweils besten Kandidaten, ist nicht fehlerfrei. Bei Einstellungen wurde und wird gemauschelt. Dann zählen mitunter Kontakte mehr als Leistungen, Sympathien mehr als intellektuelle Impulse, Machterhalt mehr als Markterfordernisse. Doch würde das eine Frauenquote ändern? Oder erzeugt sie am Ende doch nur die gleichen Ineffizienzen, allerdings mit anderen Mitteln?

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