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Währungskonten Devisenwetten versprechen trügerische Sicherheit

Wer aus Angst vor der Euro-Schwäche sein Geld umtauscht, geht eine riskante Wette ein. Die Schwankungen von Wechselkursen sind für Privatanleger kaum vorhersehbar. Doch auch die Profis sind auf der Hut. Die beste Zeit für Währungswetten ist nicht, wenn der Euro bereits deutlich verloren hat, sondern wenn er zu teuer erscheint.

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Mit Währungskonten versuchen Banken, die Angst der Anleger vor einer Euro-Schwäche zu nutzen. Quelle: dpa

FRANKFURT. Der Euro hat sich wieder gefangen. Doch nicht alle scheinen den Aufschwung der vergangenen Wochen bemerkt zu haben - auch manche Banken nicht. Sie werben im Internet um besorgte Kunden, die Angst vor einem Euro-Crash haben. Auf der Internetseite der Comdirect Bank heißt es etwa: "Vorteil Devisen! Fremdwährungen kaufen und Euro-Schwäche ausgleichen!" Die Bank empfiehlt, Geld auf ein Währungskonto zu packen. Einfach und transparent soll das sein. Der Haken: Wer Sicherheit sucht, ist damit falsch beraten.

"Währungsspekulationen sind riskant. Sie sind nicht für Anleger geeignet, die wegen der Euro-Krise nach Sicherheit suchen", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die Zeit für solche Angebote scheint günstig. Die Schuldenkrise in Europa weckt ungeahnte Ängste. Steht mit Griechenland ein Mitglied der Euro-Zone vor der Staatspleite? Werden andere Länder mitgerissen? Selbst in Deutschland hat die Verschuldung ein ungesundes Maß erreicht. All diese Sorgen haben den Euro belastet. Mancher fragt sich, ob die Gemeinschaftswährung überhaupt noch Zukunft hat.

Raus aus dem Euro?

Wäre es in dieser Situation nicht schlau, sein Geld raus aus dem Euro-Raum in eine andere, stabile Währung zu tauschen? Statt über die Grenze zu fahren und ein Konto in der Schweiz zu eröffnen, klingt ein Währungskonto bei einer deutschen Bank nach einer guten Alternative. Das Geld lässt sich schnell auf ein solches verschieben, ähnlich wie bei Tagesgeldkonten, nur eben in einer anderen Währung.

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    Neben der möglichen Aussicht auf Wechselkursgewinne lockt bei manchen Angeboten zusätzlich ein fester Zins. Rüdiger von Nitzsch, Professor an der RWTH Aachen, hält davon aber wenig: "Privatanleger sollten die Finger von Währungskonten lassen. Das Risiko wird nicht angemessen entschädigt; die Renditen sind meist gering."

    Die Comdirect hält mit einem Rechenbeispiel dagegen: Für einen Euro habe man vor zwei Jahren 1,60 Franken bekommen, für 500 Euro also 800 Franken. Heute sei ein Franken 0,75 Euro wert, 800 Franken also 600 Euro. Das entspreche einer Rendite von 20 Prozent, heißt es auf der Homepage der Bank.

    Und nicht nur das. Geht es nach der Comdirect, kann der Kunde eigentlich gar nichts falsch machen: Egal ob Franken, norwegische Krone, Yen oder US-Dollar - die Aussichten seien im Gegensatz zum Euro bestens. Ganz ähnlich steht es auf der Homepage geschrieben.

    Die Auswahl der Direktbank kann sich sehen lassen. Neben den zuvor genannten Währungen haben Kunden die Möglichkeit, ihr Geld auch auf mexikanische Peso oder polnische Zloty lautende Konten zu packen. Je nach Devise kassiert der Anleger sogar Zinsen. Die Faustregel dabei lautet: Je schwankungsanfälliger eine Währung, je größer also das Risiko ist, desto höher fällt das Schmerzensgeld für die Anleger aus. Ein Konto mit türkischer Lira etwa wirft im Jahr fünf Prozent Zinsen ab, die mexikanischen Peso immerhin zwei Prozent; für die vergleichbar stabilen Dollar- oder Yen-Anlagen gibt es dagegen gar nichts.

    Von Dollar über Peso bis Zloty ist alles dabei

    Wer ein Währungskonto bei der Comdirect eröffnen will, muss mindestens 500 Euro mitbringen. Die Kosten für den Währungstausch betragen ein Prozent auf den Geld- beziehungsweise Briefkurs.

    Ein ähnlich üppiges Angebot an verschiedenen Währungskonten haben die Sparkassen zu bieten (S-Broker). Allerdings ist ihr Angebot wie bei vielen anderen Anbietern, bei Cortal Consors oder der DAB Bank, an ein Depotkonto gebunden; das heißt, wer ein Währungskonto eröffnen will, braucht zunächst einmal ein Wertpapierdepot.

    Die Kosten für das Währungskonto sind beim S-Broker in den Depotgebühren (1,95 Euro pro Monat) enthalten. Sie entfallen, sobald der Kunde eine Order pro Monat aufgibt oder insgesamt - also auf Währungskonto und Depotkonto zusammen - mindestens 10 000 Euro anlegt. Außer den zuvor genannten Anbietern haben noch Nordnet Bank, Brokerjet oder ViTrade Währungskonten im Angebot.

    Das Geld auf dem Währungskonto gewinnt für den Anleger an Wert, wenn der Euro verliert. Aber was passiert, wenn sich die Währungen einmal nicht wie gewünscht entwickeln? Inzwischen gehen immer mehr Experten davon aus, dass die europäische Währung das Schlimmste hinter sich hat. "Das Weltuntergangsszenario ist vorerst aus den Köpfen, was vor allem dem zuletzt geprügelten Euro hilft", sagt Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. Bisher hat die Welt auf die Schulden der Europäer geschaut. Dabei sieht es in manchem US-Bundesstaat nicht viel besser aus. So bald sich die Märkte darauf konzentrieren, könnte der Dollar unter Druck geraten. In den vergangenen Tagen hat sich der Euro gegenüber dem Dollar bereits erholt; er stieg zeitweise über 1,30 Dollar.

    Auch der Schweizer Franken, der zuletzt gegen den Euro einen Höchststand nach dem anderen markiert hat, muss irgendwann an seine Grenzen stoßen. Zwar plagt die Schweizer kein so großes Schuldenproblem. Aber gerade weil so viel Kapital aus Furcht vor der Krise über die Alpen gewandert ist, ist der Franken stärker als er eigentlich sein sollte. "Der Schweizer Franken ist aus fundamentaler Sicht mittlerweile stark überbewertet", sagt Christian Apelt, Devisenspezialist der Helaba. Eine solche Überbewertung werde in der Regel im Laufe einiger Jahre wieder korrigiert. "Mittelfristig, also mit Blick auf 2011, hellen sich die Perspektiven aus Sicht des Euro wieder auf", sagt Apelt. Wenn er recht behielte, wären alle schlecht beraten, die sich am heutigen Tag entscheiden, ihr Geld in Franken zu tauschen. Eher müsste man den Schweizern empfehlen, jetzt Euro zu horten.

    Unvorhersehbare Risiken

    Schon die künftige Entwicklung von Euro, Franken oder Dollar lässt sich nur schwer abschätzen. Noch schwieriger wird es, Vorhersagen über kleinere Währungen zu treffen. Devisenkurse schwanken für gewöhnlich stark. Außerdem spielen politische Entscheidungen immer wieder in den Devisenmarkt hinein. Auch das birgt unvorhersehbare Risiken.

    Für Privatanleger aus dem Euroraum heißt das: Wer mit Währungen spekulieren will, dem steht mit einem Währungskonto ein einfaches Instrument zur Verfügung. Allerdings muss er sich über die Risiken im Klaren sein. Und die beste Zeit dafür ist nicht, wenn der Euro bereits deutlich verloren hat, sondern wenn er zu teuer erscheint.

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