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Welchs Welt Was Top-Manager auszeichnet

Suzy und Jack Welch Quelle: Getty Images

Die richtigen Leute für einen Führungsjob zu finden ist nicht einfach. Jack und Suzy Welch nennen die vier wichtigsten Charaktermerkmale, auf die Sie bei der Suche nach guten Führungskräften achten sollten.

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Gute Leute einzustellen ist immer schwer. Und nichts hat mehr Einfluss auf ihren unternehmerischen Erfolg, als die richtigen Positionen mit den besten Leuten zu besetzen. Die cleversten Strategien und die fortschrittlichsten Technologien stiften nirgendwo effektiveren Nutzen als in den Händen großartiger Mitarbeiter. Bevor Sie jedoch Ihre Schlüsselpositionen besetzen, sollten Sie die Kandidaten auf folgende vier Charaktereigenschaften abklopfen, die sich in der Praxis immer wieder bewährt haben: 

1. Umfeld Jedes Mal, wenn es bei General Electric zu einer Krise kam, versammelte ich so schnell wie möglich eine Gruppe der smartesten Leute, die ich auf allen Ebenen finden konnte. Manchmal kamen sogar Externe dazu. Das alles diente nur einem Zweck: von dem Wissen dieser Leute möglichst viel zu lernen. Deshalb achtete ich auch genau darauf, dass jeder in diesem Raum das Problem von einer anderen Warte sah und bereit war, mit seinen Informationen und Erfahrungen zur Lösung unserer Krise beizutragen.

Führungskräfte brauchen Mut

Diese Sitzungen waren nahezu immer hitzig, und die Optionen, die dort debattiert wurden, variierten enorm. Und trotzdem: Aus den schärfsten Diskussionen dort sind meine besten Entscheidungen erwachsen. Die Kontroverse hat jedes Mal wirklich wichtige Fragen ans Licht gebracht und uns zum Umdenken herausgefordert. Jeder, der aus diesen Runden gekommen ist, fühlte sich danach besser informiert und besser vorbereitet, um der nächsten Krise zu trotzen.

Was wir damit sagen wollen: Eine gute Führungskraft erkennen Sie immer daran, dass sie den Mut aufbringt, ein Team von erstklassigen Leuten um sich zu versammeln, die sie im ersten Moment aussehen lassen wie die dümmste Person im Raum. Wir wissen, das wird vielen Managern nicht schmecken, weil sie lieber die cleverste Person am Tisch sein wollen. Aber wenn sie sich so verhalten, dann werden sie nicht mal halb so viele Rückmeldungen erhalten, um die wirklich besten Entscheidungen zu treffen.

2. Authentizität Ein strapazierter Begriff, zugegeben. Aber kein Mensch kann harte Entscheidungen treffen, unpopuläre Positionen beziehen oder sich aufrecht vor seine Mannschaft stellen und sie von seinen Werten überzeugen, solange derjenige nicht selber weiß, wer er ist und damit zufrieden ist. Ich spreche von Selbstbewusstsein und innerer Überzeugung. Erst diese Eigenschaften machen eine Führungskraft kühn. Zudem macht Authentizität glaubwürdig. Sie erhöht das Vertrauen in ihre Worte und erreicht die Menschen auf einer emotionalen Ebene.

Als ich noch bei General Electric war, hatten wir gelegentlich Auseinandersetzungen mit Führungskräften, die wir einfach nicht befördern konnten. Diese Manager demonstrierten die richtigen Werte, sie brachten die richtigen Zahlen, aber sie hatten einfach keine Verbindung zu ihren Leuten, denn sie versuchten etwas zu sein, das sie nicht waren. Sie schwitzten nie, zeigten nie Emotionen und wanden sich in einer Rolle, die sie sich selbst zugeschrieben hatten. Führungskräfte können sich aber kein Jota an Falschheit erlauben. Sonst können sie ihre Mitarbeiter nicht mit natürlicher Autorität anspornen und anleiten.

3. Weitsicht Jede Führungskraft sollte die Fähigkeit besitzen, die Zukunft zu antizipieren. Aber exzellente Führungskräfte rechnen dabei stets mit dem Unerwarteten. Die besten Entscheider haben eine Art sechsten Sinn dafür, dass der Markt umschwenkt, dass alte Wettbewerber zu einem Coup ausholen oder neue zu einer gefährlichen Position aufsteigen.

Der frühere Vize-Chairman von General Electric, Paolo Fresco, ist ein begnadeter Schachspieler. Und er hat dieses Talent damals auf jeden globalen Deal übertragen, den er abgeschlossen hat. Seine Intuition und Gerissenheit versetzten ihn in die Lage, an jedem Verhandlungstisch dieser Welt vorauszusagen, was als Nächstes passieren würde. Diese Fähigkeit, vorauszudenken und um die Ecke zu blicken, ist wesentlich für den Erfolg.

4. Resilienz Jede Führungskraft macht Fehler, jeder, der eine Gruppe anführt, stolpert auch mal oder stürzt. Die Kernfrage dabei ist jedoch stets: Lernt derjenige was daraus und steht er wieder auf, um danach mit forschem Schritt noch entschlossener und überzeugter weiterzumarschieren. Der Name dieser Eigenschaft ist Resilienz, und sie ist für Manager deshalb so wichtig, weil man sie nicht erst lernen kann, wenn die Krise kommt. Dann ist es zu spät dafür.

Das ist auch der Grund dafür, dass ich mich bei Neubesetzungen stets nach Kandidaten umgeschaut habe, die bereits eine, besser noch zwei niederschmetternde Erfahrungen gemacht haben.

Die Wirtschaftswelt wird rauer, und früher oder später haut es jeden Manager vom Sattel. Entsprechend sollten Sie dafür Talente aussuchen, die auch wissen, wie sie wieder zurück aufs Pferd steigen können.

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