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Zertifikate "Bonuszertifikate sind in hektischen Phasen günstig"

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Bei Discounts und Bonuspapieren sind lange Laufzeiten riskant. Warum haben Sie dann so viel langlaufende Expresszertifikate in Ihren Depots?

Weil hier mit der Laufzeit nicht die Risiken zunehmen, sondern die Chancen. Kein Mensch, der heute ein Bonuszertifikat mit fünf Jahren Restlaufzeit kauft, kann abschätzen, ob die Barriere bis zur Fälligkeit hält oder nicht. Das ist Roulette. Bei einem Expresszertifikat hingegen gibt es in jedem Jahr eine neue Chance, dass der Anleger seinen Einsatz wiederbekommt und dazu die angepeilte Rendite. Wir setzen auf Expresszertifikate mit Laufzeiten bis zu acht Jahren und tiefen Barrieren, die bei etwa 50 Prozent des anfänglichen Startwerts liegt.

Die haben Anleger aber kaum. Stattdessen steckt das meiste Geld der Zertifikate-Käufer in Garantiepapieren. 

Nun, Garantiezertifikate sind emotionale Produkte, die sich gut verkaufen lassen. Wer hätte das nicht gern: Einerseits die Sicherheit, dass man seinen Einsatz wiederbekommt; andererseits die Chance auf eine überdurchschnittliche Rendite. Wenn man aber genauer hinsieht, so gibt es hier nur wenige sinnvolle Produkte.

Wenn Garantiezertifikate schon zu wenig bringen, sind sie dann wenigstens sicher?

Das hängt von der Rückzahlungsfähigkeit der Emissionsbank ab. Die Lehman-Pleite im Herbst 2008 hat gezeigt, dass man die Sicherheit einer Emissionsbank nicht hoch genug einschätzen kann. Wir überwachen laufend die Kreditausfallprämien der Emittenten. Sie sollten in der Regel unter dem Durchschnitt von derzeit 1,3 Prozent liegen.

Worauf achten Sie noch?

Sie müssen Ihren Einsatz auf Papiere verschiedener Banken verteilen. Kommen Zweifel an der Sicherheit einer Bank auf, schnell die Konsequenzen ziehen und verkaufen. Diese Chance hatten Anleger selbst mit Lehman-Zertifikaten. Schon vor der Pleite gingen die Kreditausfallprämien hoch. Es war genügend Zeit, um auszusteigen.

Viele Anleger haben dieses Risiko aber gar nicht bemerkt, oder sie wussten schlicht nicht, dass sie Lehman-Zertifikate hatten.

Ja, aber der Bankberater hätte das merken und den Kunden anrufen müssen, um zu sagen: Der Emittent wackelt. Das aber ist nicht geschehen.

Schaffen neue Vorschriften wie das Beratungsprotokoll und der Beipackzettel für Finanzprodukte hier Abhilfe? 

Die Idee des Beratungsprotokolls ist gut, in der Praxis aber wenig hilfreich. Weil jetzt ein Protokoll geschrieben werden muss, wird Beratung aufwendiger. Die Folgen sind Standardisierungen bei den Banken, die dazu führen können, dass die individuelle Situation des Anlegers nicht ausreichend berücksichtigt wird.

Und der Beipackzettel?

Der ist ein Fortschritt. Er zwingt die Banken, die wichtigsten Informationen zu einem Zertifikat zusammenzufassen.

Eine Nachsorgepflicht, die in einem Fall wie Lehman greifen würde, gibt es aber immer noch nicht.

Nein. Und solange der Gesetzgeber diese Lücke offen lässt, müssen Zertifikate-Anleger die Entwicklung ihrer Papiere und die der ausgebenden Bank genau verfolgen. Wer dazu nicht in der Lage ist, sollte sich einen geeigneten Berater suchen – oder von Zertifikaten die Finger lassen. 

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