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Atomfonds Die 24-Milliarden-Euro-Überweisung

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Überweisung ist für Banken eine Herausforderung

Wie finanzieren die Energiekonzerne das?

Die Unternehmen hätten die Einlage auch in Raten bezahlen können. Alle Unternehmen entschieden sich aber, die Summe in einem Schlag zu bezahlen. Ansonsten wären hohe Zinsen fällig gewesen. Sie selbst hatten bei ihren Rückstellungen mit einer Verzinsung von rund 4,6 Prozent gerechnet. Trotz der aktuellen Niedrigzinsphase fällt das den Konzernen aber nicht leicht und sie mussten zusätzliches Geld mobilisieren. Eon hat deshalb eine Kapitalerhöhung durchgeführt. RWE nutzt einen Teil der Einnahmen des erfolgreichen Börsengangs von Innogy.

Wie funktioniert das technisch?

Die Überweisung der 24 Milliarden Euro ist für die Unternehmen und Banken eine Herausforderung. Die Milliardenbeträge werden jeweils von den zuständigen Tochtergesellschaften überwiesen, also den Kernkraftwerksgesellschaften. Die Überweisungen werden dabei gestückelt. Das ist alleine technisch nicht anders möglich. Das Sepa-Überweisungssystem erlaubt beispielsweise nur elfstellige Summen einschließlich der Cent-Angaben ¬ also maximal 999 Millionen Euro.

EnBW berichtete, der Zahlungsweg sei vorab getestet worden, damit die Riesensumme beim richtigen Adressaten lande. Wie ein RWE-Sprecher sagte, wird die Summe ganz konventionell am Rechner eingetippt - aber natürlich unter wachsamer Kontrolle im Vier-Augen-Prinzip. Das Geld wird dann per Eil-Überweisung transferiert – es soll damit noch am selben Tag eintreffen. Die Summe wäre eigentlich schon am 1. Juli fällig gewesen. Weil das ein Samstag war, einigte man sich aber auf den ersten folgenden Werktag. Der Bund sammelt das Geld dann auf 20 Konten der Bundesbank ein.

Was macht der Bund mit dem Geld?

Der Bund benötigt die Milliarden erst in vielen Jahren und dann auch nicht auf einen Schlag. Noch sind die meisten Brennelemente in den Reaktoren an den Kraftwerkstandorten. Sie müssen jahrelang im Abklingbecken bleiben, ehe sie entsorgt werden können. Noch gibt es ja auch keine Endlager. Der Fonds muss sicherstellen, dass das Endlager eingerichtet werden kann – und dann vor allem auch dauerhaft den Betrieb finanzieren.

Dazu müsste der Fonds im Idealfall die Einlage vermehren. Das ist angesichts der aktuellen Niedrigzinsphase aber gar nicht leicht. Im Gegenteil, die Bundesbank erhebt aktuell Strafzinsen von 0,4 Prozent. Täglich wird das rund 260.000 Euro kosten. Der Fonds muss also schauen, die Summe möglichst zügig zu investieren – zum Beispiel in Aktien und Anleihen.

Wie ist der Atomfonds organisiert?

Für die sichere und möglichst gewinnbringende Anlage der Einlagen ist ein Vorstand zuständig. Dieser wird von einer ehemaligen Fondsmanagerin von Union Investment, Anja Mikus, geleitet. Sie sitzt auch im Aufsichtsrat der Commerzbank. Der Vorstand muss dabei aber auch auf politische Befindlichkeiten Rücksicht nehmen. Die Arbeit des Vorstands wird von einem Kuratorium überwacht, in dem neben Vertretern von Wirtschafts-, Finanz- und Umweltministerium auch Abgesandte der im Bundestag vertreten Fraktionen sitzen. Diese werden unter anderem drängen, dass die Aktien, in die das Geld investiert wird, auch politisch opportun sind.

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