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Ausblick EZB-Ratssitzung Drückt Draghi den Euro-Kurs?

Mario Draghi Quelle: dpa

Kurz vor der Ratssitzung der EZB ist die Gemeinschaftswährung auf ein Drei-Jahres-Hoch gestiegen. Der Anstieg bereitet manchen Notenbankern Sorge. EZB-Chef Draghi könnte versuchen, den Wechselkurs zu dämpfen.

Mario Draghi dürfte den jüngsten Anstieg des Euro-Wechselkurses sehr genau verfolgt haben. Am Mittwoch stieg die Gemeinschaftswährung auf ein Drei-Jahres-Hoch. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) hat in der Vergangenheit bereits mehrfach eingegriffen, wenn die Gemeinschaftswährung aus seiner Sicht zu stark aufgewertet hat. „Die jüngsten Schwankungen des Wechselkurses sind eine Quelle der Unsicherheit“, sagte er etwa auf seiner Pressekonferenz im September.

Investoren werden deshalb sehr genau hinhören, wie sich der EZB-Präsident am heutigen Donnerstag zum Wechselkurs und zum weiteren geldpolitischen Kurs der Notenbank äußert. Die Ratsmitglieder haben sich im Vorfeld der Sitzung unterschiedlich geäußert. EZB-Vizepräsident Constancio sagte, plötzliche Kursbewegungen würden der EZB Sorgen bereiten, „soweit sie keine Änderung der fundamentalen Lage widerspiegeln.“

Der österreichische Notenbankchef Nowotny bezeichnete den Kursanstieg des Euro als „nicht hilfreich.“ Dagegen führte das estnische Ratsmitglied Hansson die Stärke des Euro auf die starke Wirtschaftsentwicklung im Euroraum zurück und warnte, man solle dies „nicht überdramatisieren.“

Ökonomen sehen einen anderen wichtigen Grund für den jüngsten Anstieg des Euro: Das Protokoll der Ratssitzung im Dezember habe deutliche Hinweise enthalten, dass die Notenbank bald ihre Kommunikation anpassen könnte. „Die Formulierungen hinsichtlich der Ausrichtung der Geldpolitik und des geldpolitischen Ausblicks könnten Anfang des kommenden Jahres angepasst werden“, hieß es im Protokoll. Manche Investoren spekulieren daher auf eine baldige Zinserhöhung der EZB.

Auch wegen dieser Spekulationen könnten sich allerdings die Ratsmitglieder mit der Anpassung der Kommunikation etwas Zeit lassen. Selbst Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, der als Verfechter einer strafferen Geldpolitik gilt, hatte jüngst die Erwartung geäußert, dass die EZB nach heutigem Stand frühestens Mitte 2019 die Zinsen erhöht.

„Wir erwarten, dass Draghi die Erwartungen dämpfen wird“, sagt Michel Martinez, Chefökonom für den Euroraum von Société Générale. Seiner Meinung nach steckt die EZB in einem Dilemma: Die Wirtschaft im Euroraum läuft gut und die Kreditvergabe zieht an. Auf der anderen Seite sieht er keine Anzeichen für ein Steigen der Inflation in den nächsten zwei bis drei Jahren.

Auch Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer erwartet keine baldige Zinserhöhung. Die EZB „dürfte kaum von ihrer Absicht abrücken, die Leitzinsen erst weit nach dem Ende des Anleihekaufprogramms anzuheben, so dass vor der Jahresmitte 2019 mit keinem Zinsschritt zu rechnen ist“, schreibt er in einer Analyse.

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