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Ausgabefreudige Investmentbanker Reisespesen bei der Deutschen Bank in London explodieren

Mehr als 40 Prozent sind die Reisekosten bei der Deutschen Bank in London gestiegen. Eine Standpauke des Investmentbankchefs sorgt für Verstimmung.

Die Reisekosten der Mitarbeiter der Deutschen Bank in London sind um mehr als 40 Prozent gestiegen. Quelle: Reuters

LondonAls die Deutsche Bank vergangene Woche ihre Zahlen vorlegte, reagierten Anleger und Analysten entsetzt. Besonders beunruhigend fanden sie, dass die Kosten dieses Jahr von 22 auf 23 Milliarden Euro steigen sollen. Es war der deutlichste Beweis, dass der Sanierungskurs von Vorstandschef John Cryan nicht nach Plan läuft.

Die Reaktion des Managements ließ nicht lange auf sich warten. In London trat am Montag Alasdair Warren, der Chef des Investmentbankings in Europa, Mittlerem Osten und Afrika, vor seine Mannschaft. Die Reisespesen seien im vergangenen Jahr um 40 Prozent auf 22 Millionen Euro explodiert, rechnete er ihnen vor. Auf einem Powerpoint-Slide hatte er alles genau aufgelistet: Demnach haben 3.700 Flüge und 8.100 Übernachtungen gegen die hausinternen Spesenregeln verstoßen.

Allein die Taxirechnung seiner Abteilung belief sich auf mehr als eine Million Euro. Einzelne Banker, so Warren, hätten mehr als 30.000 Euro im Jahr für Taxifahrten ausgegeben.

Die Standpauke kam bei manchem Adressaten schlecht an. Warrens Aufstellung wurde prompt an das Finanzportal Dealbreaker geleakt, komplett mit der Beschwerde, was dem Investmentbank-Chef eigentlich einfalle.

Besonders sauer stieß den Bankern auf, dass Warren eine stärkere Kostenkontrolle ankündigte. So werde man künftig bei Dienstreisen an Freitagen genau darauf achten, dass auch der Rückflug am Freitag erfolge und nicht erst am Wochenende. Auch sollten alle Mitarbeiter in Vertragspartner-Hotels absteigen und nur die Fahrdienste benutzen, mit denen die Bank günstige Firmenkundenverträge hat. „Keine Limousinen erlaubt“, hatte Warren extra festgehalten.

Auch wenn das Wort „Limousinen“ aufhorchen lässt, geht es hier nicht um die ganz großen Exzesse. Denn gemeint sind nicht etwa extravagante Stretch-Limousinen, mit denen Banker vielleicht in Hollywood-Filmen herumfahren, sondern in der Regel schwarze E-Klasse-Mercedes für den Weg zum Flughafen.

Ein Teil der Kostensteigerung lässt sich damit erklären, dass Warren seine 1.200 Mitarbeiter in der Corporate-Finance-Abteilung zu mehr Reisen angehalten hat, um näher am Kunden zu sein. Viele sind vier von fünf Tagen pro Woche unterwegs. Wie Unternehmensberater reisen sie von Stadt zu Stadt. Mancher gestresste Vielflieger fühlt sich deshalb nun zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Insider sagen, es habe keine extremen Regelverstöße gegeben. Es war nur ein allgemeiner Appell an mehr Kostendisziplin im Alltag. Das Reisebuchungssystem der Bank schreibt vor, wie viel ein Hotel in welcher Stadt kosten darf. Es gibt Partnerhotelketten mit günstigen Konditionen, die bevorzugt gebucht werden sollen. Bei Fluglinien wird in der Regel Lufthansa oder British Airways gebucht, bei Inlandsflügen ist Economy vorgeschrieben. An diese Regeln wurden die Banker erinnert.

Ryanair wird aber auch in Zukunft bei der Deutschen Bank niemand fliegen müssen. Auch nicht mit der U-Bahn fahren. „Aber vielleicht mal den Toyota zum Flughafen nehmen, nicht den Mercedes“, hieß es.

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