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Autobauer Die Suche nach dem Geschäftsmodell der Zukunft

Mit zunehmender Bedeutung alternativer Antriebe stellt sich für Autobauer die Frage nach dem Geschäftsmodell. Denn noch sind Batterien für Elektroautos sehr teuer. Doch es gibt Lösungen - auf die jetzt auch VW setzt.

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Der VW-Kleinwagen Up (im Bild mit Konzernchef Martin Winterkorn) soll im kommenden Jahr auch mit Elektroantrieb angeboten werden. Der VW-Konzern erwägt dabei, dem Trend zu Leasingbatterien zu folgen. Quelle: ap

Düsseldorf Auch Volkswagen erwägt nun, Elektroautos mit Leasingbatterien anbieten. „Wir denken derzeit darüber nach, wie wir den Markteintritt gestalten. Dabei könnte es auch ein Leasingkonzept geben“, sagte Rudolf Krebs, Elektroauto-Chef des VW-Konzerns, jetzt bei der Vorstellung eines Kongresses des Magazins „Auto, Motor und Sport“. „Wir wissen, dass die Batterie das problematischste Bauteil ist und man ein Preisproblem hat.“ Darauf werde VW reagieren. Die ersten reinen Elektroautos von VW sollen 2013 auf den Markt kommen.

Die Batterie ist noch das teuerste Bauteil von Elektroautos. Für eine Batteriezelle mit einer Speicherkapazität von einer Kilowattstunde werden rund 500 Euro verlangt. Eine Batterie mit einer Kapazität von 20 Kilowattstunden, die eine durchschnittliche Reichweite von 150 Kilometern ermöglicht, kostet also rund 10.000 Euro.

Der Renault-Nissan-Konzern setzt unter den großen Autobauern am entschiedensten auf den reinen Elektroantrieb und bringt in diesen Tagen den Nissan Leaf auf den deutschen Markt, der sich im vergangenen Jahr weltweit 25.000-mal und damit öfter als jedes andere Elektroauto verkauft hat. Der Konzern bietet die Batterien ausschließlich zum Leasen an. Seit vergangenem Oktober gibt es von Renault den Lieferwagen Kangoo emissionsfrei, seit Dezember die Limousine Fluence, beide zu einem Einstiegspreis von rund 25.000 Euro, zu dem eine monatliche Batteriemiete von etwa 100 Euro hinzukommt. Beim City-Mobil Twizy, dessen Verkauf für 7000 Euro in den nächsten Tagen beginnt, beträgt die Leasingrate für die Batterie 50 Euro.

Auch Renault-Nissans strategischer Partner Daimler orientiert sich an diesem Modell, das im Trend liegt. Wenn von Jahresmitte an jeder den rein elektrisch angetriebenen Smart kaufen kann, wird der Anschaffungspreis bei 16.000 Euro liegen. Hinzu kommt eine Monatsmiete von 60 Euro für die Batterie. Allerdings wird der Konzern auch den Kauf von Auto inklusive Batterie anbieten.


Das Kalkül der Autobauer und die daraus folgenden Risiken

Mit dem Leasingmodell versuchen die Autobauer nach Ansicht von Stefan Bratzel die Einstiegshürden für die Käufer zu senken. Das geschieht laut dem Leiter des Centers of Automotive an der Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch Gladbach in dreierlei Hinsicht. Zum einen dürfte der wesentlich geringere Anschaffungspreis die Vermarktung von Elektroautos erleichtern. Zum anderen ließen sich Bedenken von Interessenten so zerstreuen: „Man muss den Kunden die Angst nehmen, für etwas zu zahlen, das nach kurzer Zeit kaputt gehen könnte.“ Da auch den Autobauern die Erfahrungswerte mit den Batterien fehlten, ermöglichten ihnen Leasingbatterien „das bessere Managen möglicher Imageschäden“.

Doch gerade das letzte Argument hat einen gewaltigen Haken. Denn indem die Autobauer Eigentümer der Batterie bleibt, trägt er auch das Risiko. Und dessen Dimension hängt von den Stückzahlen ab. „Wenn sie, wie etwa von Renault-Nissan geplant, in den sechsstelligen Bereich gehen, ist das finanzielle Risiko gewaltig“, sagt Bratzel. Ein weiterer Nachteil ist aus Sicht des Autoexperten die gesteigerte Komplexität des Angebots durch den Kauf eines Autos und das zusätzliche Leasen der Batterie sowie den möglichen Erwerb von Ladestrommengen.

Das veränderte Geschäftsmodell bietet den Autobauern die Chance, ihre Aktivitäten zu erweitern. So denken Renault-Nissan oder Mitsubishi laut Bratzel bereits in „Auto-Strom-Haus-Dimensionen“. Und der VW-Konzern investiert in erneuerbare Energien.

Gleichzeitig können aber auch neue Spieler auf den Plan treten und zu Konkurrenten werden. Das Batterieleasingmodell etwa stammt vom US-Start-up-Unternehmen Better Place, welches das ehemalige SAP-Vorstandsmitglied Shai Agassi gegründet hat und führt. Es kooperiert mit Renault-Nissan und bietet beispielsweise in Israel ein flächendeckendes System von Batteriewechselstationen an. Better Place ist Eigentümer der Batterien, die Kunden erwerben ein Mobilitätspaket.

Obwohl es eine deutliche Tendenz zum Leasingmodell gibt, setzen nicht alle Autobauer darauf. So verkauft US-Elektroautopionier Tesla seine Fahrzeuge komplett mit Batterie und auch BMW will das so machen. Bratzel hält das Modell ebenfalls für eine „Übergangsvariante“.

Diese Einschätzung wird wohl auch Volkswagen haben. Denn Konzernchef Martin Winterkorn hält es laut der „Wirtschaftswoche“ für möglich, schon in drei Jahren Elektroautos zu bauen, die günstiger sind als herkömmlich angetriebene Fahrzeuge. „Wir rechnen damit, dass die Kosten pro Kilowattstunde Kapazität beim Lithium-Ionen-Akku schnell auf eine Größenordnung von etwa 100 Euro sinken und dass diese Grenze 2015 oder spätestens kurz danach erreicht wird", sagt Elektroauto-Chef Krebs. Das wäre nur noch ein Fünftel der aktuellen Kosten. Bei diesem Preis, den die Branche bisher erst für das Jahr 2020 erwartet, lägen die Gesamtkosten für Anschaffung und Betrieb von Elektroautos unter dem von Wagen mit Verbrennungsmotor.

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