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Autofinanzierung Profi-Anleger bestrafen Volkswagen

Volkswagen sammelt häufig Geld an den Kapitalmärkten für sein Finanzsparte ein. Jetzt hat der Konzern zum ersten Mal seit dem Ausbruch des Emissionsskandal die Märkte angezapft. Und musste mehr Zahlen als die Konkurrenz.

Über Verbriefungen beschafft sich Volkswagen regelmäßig Geld für seine Finanzsparte. Quelle: AFP

FrankfurtZum ersten Mal seit Bekanntwerden vom Skandal um manipulierte Abgaswerte in den USA hat sich Volkswagen an den Kapitalmarkt gewagt. Über verbriefte Wertpapiere (Asset Backed Securities – ABS) holte sich die VW-Tochter Volkswagen Financial Services knapp 860 Milliarden Euro. Das Papier war gefragt, aber dafür muss VW den Investoren im Vergleich zur Konkurrenz auch einiges bieten. Die mit den besten Bonitätsnoten ausgestattete Risikoklasse der Verbriefung, die den Löwenanteil der Transaktion ausmacht, verzinst sich mit gut einem halben Prozent. Die voraussichtliche Laufzeit der ABS liegt bei gut einem Jahr.

Die Zinsen bei Verbriefungen sind stets variabel und bieten eine Aufschlag zum Interbankensatz Euribor. Der einmonatige Euribor liegt aktuell bei minus 0,1 Prozent. Der Aufschlag der VW ABS beträgt 0,62 Prozentpunkte über Euribor. Einen so hohen Zuschlag musste VW für eine Verbriefung seit dem Jahr 2011 nicht mehr bezahlen. Bei ABS von anderen Auto-Konzernen liegt der Aufschlag bei 0,4 Prozentpunkten. „Der Preis ist schockierend“, sagt Ruben Van Leuwen, Analyst bei der niederländischen Rabobank.

ABS sind Anleihen, bei denen Unternehmen Forderungen aus ihrer Bilanz ausgliedern und als Sicherheit für Anleihen hinterlegen. Sie werden in verschiedenen Risikoklassen aufgelegt. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 ist diese Art der Refinanzierung eingebrochen. Viele Investoren haben sich aus dem Markt zurückgezogen, weil sie mit Verbriefungen, die mit schwachen US-Hypothekenkrediten unterlegt waren, die dann reihenweise ausfielen, Schiffbruch erlitten. In Europa sind jedoch nur sehr wenige ABS tatsächlich ausgefallen. Von daher verlangen Investoren prinzipiell für Verbriefungen nur niedrige Risikoaufschläge. Verbriefungen sind somit für Unternehmen die günstigste Art, um an Geld zu kommen.

VW galt im Markt  bislang als absoluter Premiumanbieter mit sehr transparent strukturierten Verbriefungen, der nur sehr wenig Rendite bieten musste. Bei einer ganz ähnlich strukturierten Transaktion wie jetzt kam VW im April mit einem Aufschlag von nur 0,2 Prozentpunkten davon. VW hat insgesamt ABS im Umfang von 23 Milliarden Euro ausstehen und ist damit der größte ABS-Anbieter in Deutschland. Auch die aktuelle Transaktion trägt das Gütesiegel von der deutschen Verbriefungsinitiative TSI.


Jeder fünfte Wagen mit „Schummelmotor“

Um Investoren zu gewinnen, hatte VW die Verbriefung mit noch mehr Sicherheitspuffern als die ausstehenden Transaktionen ausgestattet. Besichert sind die neuen Anleihen mit Forderungen von  fast 72.000 Leasing-Verträgen. Der Anteil an Leasing-Verträge für Fahrzeuge, die mit dem „Schummelmotor“ EA 189 ausgestattet sind  liegt nach Angaben der DZ Bank bei 20,8 Prozent. VW hatte vergangene Woche erklärt, dass von den ausstehenden ABS über 23 Milliarden Euro 2,6 Milliarden Euro mit Krediten oder Leasing-Verträge für Fahrzeuge mit der manipulierten Emissions-Software besichert sind.

Anfang Oktober hat VW erklärt, alle betroffenen Fahrzeuge zurück zu rufen und reparieren zu lassen. Laut Emissionsprospekt der Verbriefung ist noch nicht bekannt, ob diese Reparaturen den Verbrauch und die Leistung der Fahrzeuge beeinflussen. Zudem sei es möglich, dass die Preise für die betroffenen Autos sinken könnten. Das wird für die Besitzer der Verbriefungen dann zum Problem, wenn die Kreditnehmer ihre Leasingverträge nicht mehr bezahlen und VW die Autos verkaufen muss.

Frank Fiedler, Finanzchef von Volkswagen Financial Services ist mit der Transaktion „sehr zufrieden“ – trotz des relativ hohen Preises, den VW dafür zahlt. Nachvollziehbar ist das. Für herkömmliche unbesicherte Anleihen von VW sind die Kurse im Zuge des Skandals deutlich gefallen und die Renditen im Umkehrschluss gestiegen.

Eine in zwei Jahren fällige VW-Anleihe (ISIN XS1050916649)  rentiert mit 1,3 Prozent und damit einen ganzen Prozentpunkte höher als Mitte September. Bei einer in fünf Jahren fälligen Anleihe ist die Rendite auf 1,7 von 0,9 Prozent gestiegen. Allerdings hat sich auch am Anleihemarkt die erste Panik der Investoren gelegt. Ende September lagen die Renditen der Bonds mit 2,1 und 2,8 Prozent noch deutlich höher als jetzt. 

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