Banco-Popular-Anleihen: Investoren wetten auf Schrottpapiere

Banco-Popular-Anleihen: Investoren wetten auf Schrottpapiere

, aktualisiert 19. Juni 2017, 17:12 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Die Banco Popular war die erste europäische Bank, die auf rein privatem Weg gerettet wurde. Trotzdem kaufen Investoren die riskantesten Papiere der Bank. Sie hoffen auf eine Sensation vor Gericht und satte Gewinne.

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Investoren spekulieren auf eine erfolgreiche Auseinandersetzung vor Gericht.

New YorkDer europäische Anleihemarkt bietet derzeit so etwas wie ein Lotterielos: Es handelt sich dabei um abgeschriebene Wertpapiere von Banco Popular Espanol. Diese versprechen einen massiven Wertgewinn, falls den Besitzern eine rechtliche Sensation gelingen sollte.

Die Chancen auf eine Kurserholung der Papiere stehen schlecht, da die Anleihen unter aufsichtsrechtlichem Zwang abgeschrieben wurden. Trotzdem kaufen einige Händler die riskantesten Papiere der Bank, sogenannte CoCos, für die derzeit Preise von einem Cent je einem Euro Nominalwert angegeben werden, sowie die höher im Rang stehenden Tier-2-Bonds, die bei vier Cent je einem Euro Nominalwert liegen. Das erfuhr die Nachrichteagentur Bloomberg von Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind. Die Investoren spekulieren auf eine erfolgreiche Auseinandersetzung vor Gericht.

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Die Krise um die einst sechstgrößte Bank Spaniens hatte in der vorletzten Woche ihren Höhepunkt erreicht. Sie wurde die erste europäische Bank, deren Verkauf im Rahmen des Einheitlichen Abwicklungsmechanismus’ der EU erzwungen wurde – der Steuerzahler wird so davor geschützt, die Bank selbst retten zu müssen. Erworben hat das Kreditinstitut die Banco Santander.

Doch jetzt sprechen mehrere Anwaltskanzleien Anleihebesitzer an und versuchen, die Transaktion infrage zu stellen, wie es aus den Kreisen weiter hieß. „Wenn Papiere so niedrig gehandelt werden wie in diesem Fall, dann ist es geradezu eine freie Option“, sagt Mark Holman, CEO von Twenty Four Asset Management in London. Der Vermögensverwalter besitzt keine der Anleihen und hat auch nicht vor, Papiere zu kaufen. „Es könnte sich die Möglichkeit ergeben, das Management zu verklagen oder Santander ins Visier zu nehmen.“

Die Anlageberatung Cairn Capital hatte Investoren mitgeteilt, dass durch die Bestände an Banco-Popular-Papieren bei einem 130 Millionen Euro schweren Fonds, der auf nachrangige Anleihen ausgerichtet ist, Verluste entstanden seien. Die Gesellschaft erwäge nun rechtliche Schritte. Vertreter von Cairn wollten auf Nachfrage keinen Kommentar zu Beständen oder zu den weiteren Plänen abgeben.

Allerdings werden eventuellen Gerichtsverfahren keine großen Erfolgsaussichten zugesprochen. Denn wenn eine Aufsichtsbehörde entscheidet, dass eine Bank wohl in die Pleite rutschen wird, wird der Anleihe-Gläubigerschutz geschwächt. Genau das machte die Europäische Zentralbank im Fall der Banco Popular, bevor sie die Aktionäre die Verluste mittragen ließ, erklärt Carlo Mareels, Stratege bei Mitsubishi UFJ Financial Group in London. „Ich glaube nicht, dass Gerichtsverfahren hier erfolgreich sein können“, sagt er. Die Aufsicht verfüge über „breite Macht, um das zu machen, was sie will“.

Noch im April wurden die rund zwei Milliarden Euro an nachrangigen Papieren, die von der Aufsicht abgeschrieben worden sind, zum Nominalwert gehandelt. Die Anleihen von Banco Popular hatten ihren Wert verloren, nachdem drei Kapitalerhöhungen in den vergangenen fünf Jahren nicht ausreichten, die sich aufhäufenden faulen Kredite im Zusammenhang mit dem Immobilien-Crash des Landes auszugleichen. Die Papiere würden möglicherweise mit einem kleinen Aufschlag gehandelt, in der Hoffnung, dass sich ein Teil des Wertes im Rahmen von Gerichtsverfahren zurückholen lasse, sagt Tom Kinmonth, Anleihe-Stratege bei ABN Amro Group in Amsterdam. Seiner Meinung nach war das Tempo der Bankenauflösung und der Notverkauf an Santander ein „Schock“. Vor allem vor dem Hintergrund schwacher italienischer Banken. Denen wurde es im Gegensatz zur Banco Popular erlaubt, staatlich garantierte Bonds zu begeben, um Einlagenabflüsse von Kunden aufzufangen.

„Banken in Italien bekamen die Chance, Liquidität zu sichern. Anleihegläubiger in Spanien hatten diese Chance nicht“, sagt Kinmonth. Besitzer der Tier-2-Bonds könnten seiner Meinung nach auch argumentieren, dass sie jetzt schlechter dastehen würden, als bei einer hypothetischen Liqudidierung der Bank, was gegen EU-Bankenregeln verstoße. „Wir wurden bereits von mehreren Kanzleien kontaktiert. Jetzt überlegen wir uns, welchen Weg wir verfolgen sollen“, sagt Luis Arenzana, Manager beim Londoner Hedgefonds Ronit Capital. Die Firma besaß einige der 1,25 Milliarden Euro an AT1-Papieren der Bank.

Quelle:  Handelsblatt Online
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