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Bankchefs vorgeladen Sewing und Zielke sollen vor Wirecard-Untersuchungsausschuss aussagen

Die Chefs der Deutschen Bank und der Commerzbank sollen bis Mitte Januar als Zeugen aussagen. Dabei geht es vor allem um die Rolle von Analysten.

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Der ehemalige Commerzbank-Chef und der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank müssen am Donnerstag im Wirecard-Untersuchungsausschuss aussagen. Quelle: Reuters

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing und andere Top-Banker sollen bei der politischen Aufarbeitung des Wirecard-Bilanzskandals helfen. Sewing, der Noch-Chef der Commerzbank, Martin Zielke, LBBW-Boss Rainer Neske, Goldman-Sachs-Deutschlandchef Wolfgang Fink sowie BayernLB-Risikochef Marcus Kramer und der Geschäftsführer der KfW-Tochter Ipex, Klaus Michalak, sollen für Mitte Januar vor den Untersuchungsausschuss nach Berlin geladen werden, wie aus einer Zeugenliste hervorging, die der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch vorlag.

Bei der Befragung gehe es unter anderem um Kredite, die Banken Wirecard gegeben haben. Die Institute lehnten einen Kommentar ab.

Der parlamentarische Untersuchungsausschuss will aufklären, wie es zu der Insolvenz des ehemaligen Dax-Konzerns kommen konnte und welche politischen Kontakte Ex-Wirecard-Chef Markus Braun hatte. Die Banken haben durch die Pleite des Zahlungsabwicklers selbst Geld verloren, Kredite mussten teilweise abgeschrieben werden.

Die Commerzbank-Analystin Heike Pauls habe dem „Financial Times“-Journalisten Dan McCrum, der über Jahre immer wieder über Bilanzungereimtheiten bei Wirecard berichtet hatte, kriminelle Handlungen unterstellt und Wirecard aggressiv vermarktet, sagte Linken-Politiker Fabio De Masi zu Reuters. „Die Commerzbank ist eine teilstaatliche Bank. Das ist keine Privatsache.“ Es müsse geklärt werden, ob es Interessenkonflikte gegeben habe und in welcher Beziehung die Analystin zu Wirecard gestanden habe.

FDP-Politiker Florian Toncar kritisierte, dass es rund um die Pleite von Wirecard im Juni auffällig viele Telefonate zwischen Vertretern der Commerzbank und Finanzstaatssekretär Jörg Kukies gegeben habe. „Dabei ging es unmittelbar um das Thema Wirecard und die Kreditvergabe der Commerzbank an das Unternehmen. Wir wollen wissen, ob die Commerzbank hier bevorzugt informiert worden ist.“

Grünen-Politiker Danyal Bayaz fügte hinzu, es sei unerklärlich, weshalb einzelne Journalisten sauberer gearbeitet hätten als Kreditabteilungen und Analysten der meisten Großbanken. „Wie es dazu kommen konnte und welche Rolle behördliche Entscheidungen wie das Leerverkaufsverbot für die Bankenkonsortien spielten, wollen wir klären.“

Wirecard kollabierte im Juni, nachdem in der Bilanz ein Loch von mehr als 1,9 Milliarden Euro aufgeklafft war. In Medien waren zuvor immer wieder Vorwürfe wegen Bilanzungereimtheiten aufgekommen. Die Staatsanwaltschaft wirft Braun und weiteren Managern unter anderem gewerbsmäßigen Bandenbetrug vor. Das Unternehmen soll sich jahrelang schöngerechnet und damit Anlegern und Banken Milliardenschäden zugefügt haben.

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