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Banken in Schwierigkeiten US-Investoren sollen Zypern vor neuer Finanzkrise bewahren

Die Bank Cyprus Cooperative steckt weiter in Schwierigkeiten. Um eine Bankenkrise abzuwenden, die auf Griechenland und Italien übergreifen könnte, sollen US-Investoren helfen.

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Zypern: US-Investoren sollen neue Finanzkrise abwenden Quelle: AP

Athen, Nikosia Die Cyprus Cooperative Bank in Zypern hat Mühe liquide zu bleiben: Kunden ziehen ihre Einlagen ab und die Kapitalausstattung ist zu gering. In den Büchern steht eine Summe von 6,2 Milliarden Euro an notleidenden Krediten, was etwa einem Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes entspricht.

Deswegen startete das Geldhaus eine Ausschreibung, um einen Investor zu finden, der entweder das gesamte Unternehmen über eine Kapitalerhöhung erwirbt oder den rentablen Teil der Bank kauft.

Dieser Plan, die rentablen Vermögenswerte von Cyprus herauszutrennen und zu verkaufen, stößt auf Interesse von US-Investmentfonds sagt Nicholas Hadjiyiannis, Chief Executive Officer des in Schwierigkeiten geratenen Kreditinstituts in Nikosia.

„Drei US-Fonds gehören zu den Investoren, die Interesse gezeigt haben, den rentablen Teil von Cyprus Coop zu erwerben“, sagte Hadjiyiannis in einem Interview mit Bloomberg in Nikosia am 18. April. Während er es aus Gründen der Vertraulichkeit ablehnte, die Fonds zu benennen, haben zyprische Medien über Interesse von Lone Star Fonds, Atlas Merchant Capital und J.C. Flowers berichtet.

Dem Plan zufolge, der die Genehmigung der EU-Wettbewerbshüter erfordert, werden die meisten notleidenden Vermögenswerte auf eine staatlich gesicherte Vermögensverwaltungsgesellschaft übertragen. Wenn es nicht gelingen sollte, die Zustimmung der Aufsichtsbehörden zu erhalten und Investoren an Bord zu holen, könnte die Finanzkrise, die die Wirtschaft der Insel im Jahr 2013 erschüttert hat, wieder aufflammen.

Die Schockwellen könnten sich auch auf das benachbarte Griechenland und Italien ausdehnen, deren Banken ebenfalls mit einem Berg von Problemkrediten zu kämpfen haben – kurz bevor die offiziellen Ergebnisse eines EU-weiten Stresstests veröffentlicht werden.

Angesichts von Gerüchten über einen Schuldenschnitt auf die Einlagen von Cyprus, was in den ersten drei Monaten des Jahres 2018 zu Abflüssen von 1,9 Milliarden Euro führte, hat die zyprische Regierung Anfang April 2,5 Milliarden Euro in das angeschlagene Kreditinstitut gepumpt, um eine Liquiditätskrise zu verhindern. Nach diesem Schritt hätten Kunden weniger Geld abgezogen, so Hadjiyiannis.

Zur Finanzierung der Kapitalspritze hat Zypern Anleihen im Volumen von 2,35 Milliarden Euro mit 15 bis 20 Jahren Laufzeit ausgegeben und erhielt als Sicherheit die notleidenden Kredite und Immobilienportfolios sowie Aktien des Kreditinstituts im Gesamtwert von rund 7,6 Milliarden Euro. Die Cyprus-Bank selbst hat die Anleihen gekauft und durch diese Maßnahme die Verschuldung Zyperns um etwa zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöht.

Der Cyprus-Sanierungsplan sieht eine Kapitalerhöhung der Hellenic Bank  vor – Zyperns drittgrößter Bank – mit Unterstützung der interessierten US-Fonds, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Nach der Kapitalerhöhung würde Hellenic die rentablen Vermögenswerte von Cyprus kaufen und die faulen Kredite einer Vermögensverwaltungsgesellschaft äh, ähnlich der irischen National Asset Management Agency, überlassen.

„Investmentfonds haben ihr Interesse an Hellenic bekundet, wenn sich die Bank den rentablen Teil von Cyprus sichert“, so Vertreter der Hellenic Bank, die anonym bleiben wollen. Schließlich sind diese Gespräche vertraulich sind. Hellenic hat formell erklärt, dass sie an der Ausschreibung von Cyprus teilnimmt.

Finanzminister Harris Georgiades hat am 18. April gegenüber Parlamentariern geäußert, die Option, den guten Teil von Cyprus mit einer anderen Bank zu verschmelzen, habe die Unterstützung der EZB. Die Europäische Kommission sagte, sie befinde sich in Gesprächen mit den zyprischen Behörden und lehnte es ab, näher darauf einzugehen.

Apollo Global Management sei am Erwerb eines Anteils an der Asset Management Gesellschaft interessiert, sagte ein Vertreter von Cyprus. Apollo ist mit 85 Prozent an der spanischen Altamira Asset Management beteiligt, die wiederum 51 Prozent an einem Joint Venture mit Cyprus hält, das die notleidenden Kredite und Immobilien-Vermögenswerte des Kreditinstituts verwaltet. Apollo lehnte eine Stellungnahme ab.

Zwar muss die Europäische Kommission noch darüber entscheiden, ob der Plan zur Aufspaltung von Cyprus eine rechtswidrige Staatshilfe darstellt. Es wird jedoch erwartet, dass die Kommission Verständnis zeigen und den Abschluss des Verkaufs zulassen wird, solange der Staat keine Rolle in der Verwaltung der Vermögensverwaltungsgesellschaft spielt. Das sagte Regierungsvertreter aus Zypern.

Der Staat Zypern hatte Cyprus im Jahr 2014 mit einer Geldspritze in Höhe von 1,5 Milliarden Euro gerettet. Das Geld stammte von den zehn Milliarden Euro an Notkrediten, die das Land von seinen europäischen Partnern und dem Internationalen Währungsfonds erhalten hatte. 2015 schoss die Regierung weitere 175 Millionen Euro nach, um das Kapital von Cyprus zu stärken. Der Staat ist Hauptaktionär des Kreditinstituts.

Verbindliche Angebote für Cyprus werden bis Ende April erwartet, die Transaktion soll im Mai abgeschlossen werden. Das Kreditinstitut hat die Finanzergebnisse für das Gesamtjahr 2017 bislang nicht veröffentlicht, wartet auf das Ergebnis des Prozesses.

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