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Banken L-Bank erwägt Vergabe von Krediten mit negativen Zinsen

Die Bank denkt darüber nach, bei bestimmten Krediten negative Zinsen zu erheben. Förderbank-Chef Nawrath zufolge werden eine Reihe von Wegen diskutiert.

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Die L-Bank kam zuletzt auf eine Bilanzsumme von rund 70 Milliarden Euro bei einem Jahresüberschuss von etwa 50 Millionen Euro. Quelle: dpa

Nach der staatlichen KfW denkt auch die Karlsruher L-Bank über die Einführung von negativen Zinsen bei bestimmten Krediten nach. Das deutete Axel Nawrath, der Chef der baden-württembergischen Förderbank, in einem Interview mit Bloomberg an.

„Für die Art und Weise, wie Niedrigst- und Negativzinsen an die Finanzierungs-Partner der L-Bank wie Hausbanken oder an die Förderkunden weitergegeben werden können, werden derzeit eine Reihe von Wegen diskutiert. Negative Zinssätze bei Förderkrediten sind hier nur eine denkbare Stoßrichtung“, sagte er. Die Bank räume Projekten, die auf den Umgang mit dem Zinsumfeld abzielen, derzeit eine sehr hohe Priorität ein.

Nawrath: „Natürlich ist das extrem niedrige Zinsniveau herausfordernd für das Geschäftsmodell auch einer Förderbank“.

Vergangenen Monat hatte bereits die KfW für das kommende Jahr negative Zinsen für ihre Finanzierungs-Partner im Fördergeschäft in Aussicht gestellt. Allerdings muss dazu erst noch die IT umgestellt werden.

Ob die negative Zinsen bei Mittelständlern und Wohnungskäufern tatsächlich ankommen, bleibt abzuwarten. Denn viele Fördergelder werden nicht direkt, sondern über Hausbanken vergeben, die noch eine eigene Marge für ihre Dienste draufschlagen. Dadurch kann aus einem anfänglichen Negativzins am Ende ein positiver Zinssatz werden.

Die L-Bank kam zuletzt auf eine Bilanzsumme von rund 70 Milliarden Euro bei einem Jahresüberschuss von etwa 50 Millionen Euro. Ihre Aufgabe ist es, die Wirtschaft in Baden-Württemberg zu fördern, beispielsweise durch die Vergabe günstiger Kredite. Alleiniger Eigner ist das Bundesland.

Kredit-Standards unverändert

Neben dem Negativzinsumfeld beschäftigen Nawrath, der Anfang des Jahres seinen Vorstandsposten aufgrund des altersbedingten Auslaufens seines Vertrags an die bisherige Commerzbank-AG-Bankerin Edith Weymayr abgeben wird, auch die Umbrüche im Automobilsektor vor der eigenen Haustür. Dazu würden außenpolitische Risiken wie Handelskonflikte und der Strukturwandel rund um Digitalisierung und klimafreundliche Mobilität zählen.

„Viele der kleinen mittelständischen Unternehmen, die die L-Bank mit Förderdarlehen unterstützt, bewegen sich in direkter oder indirekter Abhängigkeit vom Automobilsektor“, sagte Nawrath. „Die Automobilindustrie erfährt Stress aus zwei Richtungen: konjunkturell und strukturell – das ist schon ein nicht alltägliches Druckszenario.“

Nawrath betonte, dass sein Unternehmen als Förderbank die Standards für Kredite nicht verschärfen wolle. Die L-Bank werde Firmen in guten wie in schlechten Zeiten unterstützen.

„Sollte sich ein Trend zu einer restriktiveren Kreditvergabe der Geschäftsbanken aufgrund steigenden Ausfallrisiken abzeichnen oder eine mögliche Rezession eine erhöhte Zahl von Insolvenzen und Kreditausfällen nach sich ziehen, sind wir in enger Abstimmung mit unserem Eigentümer, um geeignete Anpassungen in unseren Programmen vorzunehmen oder auch ergänzende Hilfsangebote zu entwickeln“, sagte Nawrath.

Andere Banken hatten zuletzt Vorsicht signalisiert. „Wir schauen bei Krediten an die Autobranche genauer hin“, sagte Henrich Maaß, Leiter Vertriebsstrategie bei der Helaba, in einem Interview mit Bloomberg im Oktober. Und Manfred Lochner, Firmenkundenvorstand der LBBW, erklärte gegenüber der Börsen-Zeitung, dass sein Institut die Engagements im Automobilsektor „leicht reduzieren“ wolle.

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