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Banken-Studie warnt vor Rendite-Halbierung Digitalisieren, um zu überleben

Banken müssen den Kampf gegen neue Anbieter forcieren, sonst kann sich ihre Rendite fast halbieren, warnen McKinsey-Experten. Vor allem deutsche Institute müssen Gas geben, um den Anschluss nicht zu verlieren.

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Neue Anbieter bedrohen das Geschäftsmodell etablierter BAnken. Quelle: dpa

Frankfurt Wenn Banken im Zuge der digitalen Revolution den Anschluss verlieren, können sie zu Grunde gehen wie viele Weltmarktführer von einst – etwa der Kamerahersteller Kodak. Schon in fünf Jahren könnten die Geldhäuser ihren „Kodak-Moment“ erleben, warnte jüngst Antony Jenkins, Ex-Chef der britischen Großbank Barclays. Die etablierten Institute würden unnötig, sobald Kunden erkennen, dass es bessere Wege gebe, Geldgeschäfte zu erledigen.

Experten der Unternehmensberatung McKinsey untermauern dies jetzt mit Zahlen. Es könnte Banken rund vier Prozentpunkte Eigenkapitalrendite kosten, wenn diese ihren Kampf gegen neue Anbieter nicht forcierten. Die Kennzahl könne bis 2025 auf 5,2 Prozent sinken, heißt es in Studie, die McKinsey an diesem Mittwoch veröffentlicht und die dem Handelsblatt vorab vorliegt. Ansonsten könnte die durchschnittliche Rendite 9,3 Prozent erreichen.

Die McKinsey-Bankenexperten haben Daten von Banken in mehr als 90 Ländern ausgewertet und von 3.000 Neugründungen in der Branche, den sogenannten Fintechs. Die Berater kommen zu einem eindeutigen Schluss: Die etablierten Banken können es sich nicht mehr leisten, noch länger mit der Umsetzung der Möglichkeiten zu warten, die die Digitalisierung biete.

„Gerade deutsche Banken müssen etwa im Vergleich mit ihren angelsächsischen Konkurrenten mehr Gas geben, um die Kundenerfahrung durch digitale Möglichkeiten zu verbessern und ihre Kosten zu senken“, sagt Philipp Koch von McKinsey, da ihre Renditen traditionsgemäß eher niedrig seien. „Der Umgang mit der Digitalisierung wird ein zentraler Hebel deutscher Banken sein, um die Überlebensfähigkeit ihres Geschäftsmodells abzusichern“, so Koch.

Zuletzt lag die Eigenkapitalrendite im Bankensektor nach McKinsey-Angaben bei 8,6 Prozent – und damit einen Prozentpunkt unter dem Wert von 2015. Es ist das siebte Jahr in Folge, dass die Kennzahl in einem schmalen Korridor zwischen acht und zehn Prozent schwankt und damit auf einem Niveau, das Branchenexperten zufolge gerade so reicht, um die Kapitalkosten zu decken. Diese neue Normalität zeigt McKinsey zufolge, dass die Branche die Folgen der Finanzkrise zwar gemeistert habe. Der Erholungsmodus aber wenig inspirierend ausfalle und farblos daherkomme.

Zwar hätten sich einige wichtige Kennzahlen deutlich verbessert. So sei das Verhältnis von Kundenkrediten zu Einlagen seit Ausbruch der Finanzkrise von 120 auf inzwischen 93 Prozent gefallen. Gleichzeitig hätten die Banken ihre Kapitalreserven deutlich ausgebaut. „Ein Optimist kann daher sagen, das Glas sei halb voll“, heißt es in der McKinsey-Studie. Doch es gebe auch Indizien für eine pessimistischere Ansicht, da beispielsweise das Kurs-Buchwert-Verhältnis auf einem historischen Tief verharre und die Margen unter Druck stünden – unter anderem durch die neuen digitalen Konkurrenten.

Das könnte dazu führen, dass Banken bis zu 40 Prozent ihrer Umsätze wegbrechen und bis zu 60 Prozent ihrer Gewinne, sagen die Experten der Unternehmensberatung voraus. „Die Bedrohung ist tatsächlich da“, heißt es in der Studie. Die Banken müssten reagieren und ihr Geschäftsmodell überdenken – und zwar schneller als zunächst erwartet, denn den Digitalisierungstrend beschleunige sich.

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