WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Bankenlandschaft Russische Raiffeisen-Tochter plant Wachstum trotz Sanktionen

Die Wiener Raiffeisen Bank trotzt den Sanktionen in Russland. Die Eigenkapitalrendite ihrer russischen Tochter liegt deutlich über der im Heimatmarkt.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Die Bank hat sich frühzeitig auf Sparten konzentriert, die nicht von Sanktionen betroffen sind. Quelle: Bloomberg/Getty Images

Moskau Die russische Tochterbank der Wiener Raiffeisen Bank International (RBI) erhofft sich im laufenden Jahr trotz der Sanktionen gegen das Land ein stärkeres Wachstum als vieler ihrer Konkurrenten.

Während die westlichen Strafmaßnahmen die russischen Finanzmärkte seit Jahren lähmen, könnten sie für die Raiffeisenbank möglicherweise sogar unterstützend wirken, wie der für Investitionen in der Bank zuständige Vorstand Nikita Patrakhin in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview sagte. „Es ist möglich, dass der Hintergrund der Sanktionen uns dabei hilft, einige unserer Dienstleistungen zu verkaufen“, sagte er. Welche das wären, ließ Patrakhin jedoch offen.

Grundsätzlich stehen Banken in Russland seit den Sanktionen gegen das Land wegen der Annexion der Krim unter Druck. In den vergangenen Jahren haben sich auch immer mehr ausländische Geldhäuser zurückgezogen. Neben der Krimkrise und den westlichen Strafmaßnahmen gegen das Land ist dies auch auf ein schwächeres Wirtschaftswachstum sowie diverse Skandale zurückzuführen.

Einige Institute haben es aber geschafft, sich an die neuen Umstände anzupassen und sind in Sparten gewechselt, die von den Strafmaßnahmen nicht betroffen sind. Darüber hinaus haben die Sanktionen dazu geführt, dass einige Bankkunden staatliche Kreditgeber verlassen haben und zu private Banken gewechselt sind.

Die RBI, die 1996 in den russischen Markt eingestiegen war, zählt heute zu den größten westlichen Banken des Landes. Sie steht im harten Wettbewerb mit staatlichen Kreditgebern, die den Markt dominieren.

Gemessen an den vergebenen Krediten ist die russische Tochter die zehntgrößte Bank des Landes und heute der wichtigste Ertragsbringer für den Konzern. Per Jahresende 2018 zählte die Bank dort 191 Geschäftsstellen und rund 2,8 Millionen Kunden.

Laut Raiffeisenbank lag die Eigenkapitalrendite in den vergangenen fünf Jahren im Durchschnitt bei 26 Prozent. Für den Konzern nannte die RBI zuletzt eine Rendite von 12,6 Prozent. Aber auch die Österreicher bekamen die Sanktionen zu spüren. Etwa vor einem Jahr warfen Anleger die RBI-Papiere scharenweise aus dem Depot, nachdem die USA eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland angekündigt hatte.

„Anfang 2017 oder Ende 2016 haben die Aktionäre verstanden, dass die Sanktionen ernst und langfristig sind“, sagte Patrakhin. „Aber sie haben auch verstanden, dass die russische Wirtschaft insgesamt recht groß und in sich stabil ist. Wir können arbeiten und verdienen, auch unter diesen Bedingungen“, betonte er. Das Kreditportfolio der Raiffeisenbank stieg im vergangenen Jahr um 21,6 Prozent, der Nettogewinn erhöhte sich um fast 16 Prozent auf 526,4 Millionen Dollar.

Russlands größte Bank Sberbank schätzt, dass das Kreditgeschäft der Unternehmen in Russland zwischen fünf und sieben Prozent wachsen werde, während das Privatkundengeschäft in diesem Jahr zwischen 15 und 18 Prozent zulegen dürfte.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%