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Basel IV Deutsche Bank bittet Investoren um Geduld

Ein neues Reformpaket wird viele europäische Banken dazu zwingen, ihre Kapitaldecke zu stärken. Der Deutschen Bank werde das gelingen, sagt Regulierungschefin Sylvie Matherat – doch das braucht Zeit.

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„Wir haben da keine Emotionen. Wie auch immer die Regeln ausfallen, wir müssen uns anpassen“, sagt Sylvie Matherat zur Eigenkapitalreform für Banken („Basel IV“). Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Frankfurt Die internationale Eigenkapitalreform für Banken, im Fachjargon „Basel IV“ genannt, bringt viele Bankmanager in Europa in Wallung. Für Sylvie Matherat, Regulierungschefin der Deutschen Bank, gilt das nicht. „Wir haben da keine Emotionen. Wie auch immer die Regeln ausfallen, wir müssen uns anpassen“, sagte sie am Freitag auf der Handelsblatt-Jahrestagung „European Banking Regulation“ (EBR) in Frankfurt. Was die Reform für die Deutsche Bank in Zahlen bedeutet, wie viel frisches Eigenkapital das Institut benötigen wird, das weiß die Französin zwar, verraten will sie die Zahlen aber nicht.

Lange haben deutsche und französische Banken die internationale Bankenreform bekämpft, die schärfere Eigenkapitalregeln für die Branche mit sich bringt. Am 7. Dezember wollen sich die internationalen Notenbank- und Bankenaufsichtschefs auf das neue Regelwerk einigen, eine Pressekonferenz dazu wurde bereits anberaumt.

Für europäische Banken enthält der Kompromiss eine dicke Kröte: Die Freiheiten, die Banken bei der Kalkulation ihrer Risiken und damit ihres Kapitalbedarfs ermitteln, sollen beschnitten werden. Aus diesem Grund rechnen vor allem deutsche und französische Institute mit einem deutlich höheren Kapitalbedarf. „Ich weiß, dass uns dieser Wandel gelingt. Wir managen unsere Risiken ziemlich effizient“, sagt Matherat. Sie setzt außerdem darauf, dass die Regulierer der Branche viel Zeit geben, bis die Regeln in Gänze in Kraft treten.

Auch Helaba-Finanzchef Detlef Hosemann geht von „einer sehr langen Übergangsfrist“ aus. Die Risiken in den Büchern der Bank würden durch die neuen Vorgaben zwar steigen, „aber das stellt sich für uns als machbar dar, insbesondere vor dem Hintergrund der langen Übergangsfrist“, sagt er.


Deutsche Bank will internationale Kooperation

Ein Thema treibt viele Banker jedoch um: Die mögliche Ungeduld der Investoren. Die scheren sich selten um Übergangsfristen und beurteilen Banken häufig sofort danach, ob sie die Vorschriften erfüllen. Ganz gleich welche Übergangszeiten den Instituten eingeräumt würden. Die Branche wolle versuchen den Investoren zu erklären, dass Banken sich an Regeln, die erst in drei oder vier Jahren eingeführt würden, erst anpassen müssten, erklärt Matherat.

Helaba-Vorstand Hosemann sieht das ähnlich. Bislang hat die Helaba ihre Geschäftssteuerung nämlich angesichts der Unsicherheiten über das Ergebnis und die Dauer des Übergangs noch gar nicht nach den neuen Vorgaben ausgerichtet. „Das wäre aus meiner Sicht auch nicht vertretbar gewesen. Jetzt will ich erst mal den definitiven Beschluss abwarten, die definitiven Prozentsätze, die definitiven Übergangsfristen“, sagt er. Erst dann werde die Helaba prüfen, „wie wir uns mit unserem Geschäft da annähern“. Er ist sich aber sicher, „dass wir diese Anforderungen erfüllen können.“

Matherats unterkühlte Reaktion hebt sich deutlich ab von der Aufregung, die in der deutschen Finanzbranche wegen „Basel IV“ geherrscht hatte. „Kein Kompromiss ist besser als ein schlechter Kompromiss“, hatten viele deutsche Bankmanager in den vergangenen Monaten immer wieder betont. Die Deutsche Bank-Vorständin sieht das anders. „Die internationale Kooperation hat während der Finanzkrise sehr gut funktioniert. Es ist wichtig, dass wir das nicht über Bord werfen und dass Regulierer weiter grenzüberschreitend kooperieren“, sagt sie.

Denn Matherats heimlicher Alptraum sind weniger höhere Kapitalanforderungen, sondern der regulatorische Flickenteppich, den es in anderen Feldern gibt. Vorgaben zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung seien noch immer national geregelt, klagt sie. Für eine Bank, die in so vielen unterschiedlichen Ländern aktiv sei wie die Deutsche Bank, ist das ein großes Problem. „Die Regeln unterscheiden sich nicht nur von Land zu Land, sondern sie sind manchmal sogar widersprüchlich.“

Doch trotz aller Regularien verspürt die Deutsche Bank keinen Drang, etwas völlig Neues auszuprobieren – etwa eine Fusion mit einem Technologiegiganten. Ein Zusammenschluss mit Apple oder Google wäre aktuell zwar vielleicht in Mode, „aber ich bin nicht sicher, ob das aus operationeller Sicht Sinn machen würde für unsere Kunden, unsere Mitarbeiter und unsere Aktionäre“, sagt Matherat. „Da muss man vorsichtig sein.“

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