Basisrenten im Vergleich Das Rürup-Rentchen

Der Steuer-Turbo macht Rürup-Renten vor allem für Selbstständige interessant. Trotzdem haben nur 1,9 Millionen eine Police. Eine Analyse zeigt, wie sich die staatlich geförderte Vorsorge im Zinstief schlägt.

Auch Rürup-Renten leiden unter den Niedrigzinsen. Quelle: imago

Bert Rürup ist ziemlich zufrieden damit, wie die Sache mit seiner Basisrente damals gelaufen ist: „Ich habe noch nie erlebt, dass ein Kommissionsvorschlag derart eins zu eins umgesetzt worden ist“, offenbart der Ökonom im Interview mit Handelsblatt Online. Das Ziel, eine Vollversicherung für Selbstständige zu schaffen, die keinem eigenen Versorgungswerk angehören, habe man erreicht.

Dass seine Rente im elften Jahr nach der Einführung nicht gerade als „Verkaufsschlager“ gewertet wird, stört ihn daher wenig. Obwohl faktisch jeder eine Basisrente abschließen könnte, stieg die Anzahl der Policen 2014 lediglich um 100.000 auf nun 1,9 Millionen.

Die besten klassischen Rürup-Renten

Rürup kennt die Klagen der Versicherungswirtschaft und Sparer. Die Basisrenten seien zu starr konzipiert, heißt es da oft. In der Tat können Vorsorger zwar recht flexibel in einen Basisrentenvertrag einbezahlen – und jährlich bis zu 22.172 Euro von der Steuer absetzen. Allerdings bleibt die Möglichkeit verwehrt, sich das angesparte Kapital später auf einen Schlag auszahlen zu lassen. Anspruch besteht nur auf eine lebenslange Rente. „Makler berichten davon, dass diese Tatsache potenzielle Basissparer regelrecht abschreckt. Die Versicherungswirtschaft dürfte sich mehr versprochen haben“, sagt Joachim Geiberger, Geschäftsführer des Analysehauses Morgen & Morgen.

„Wenn man die Basisrente flexibler gestalten und zum Beispiel ein Kapitalwahlrecht zulassen würde, würde sich das Produkt sicher besser verkaufen“, räumt auch Rürup ein. Trotzdem lehnt es der Erfinder der Rente ab, nachträglich etwas zu ändern – weder an der Ausgestaltung, noch an der Höhe der steuerlichen Förderung. „Mit der Basisrente sollte eine Gleichstellung erfolgen und keine Privilegierung der nicht in obligatorischen Systemen Abgesicherten. Insofern ist die Basisrente, so wie sie konzipiert ist, richtig konzipiert.“

Was sich Vorsorge-Sparer erhoffen können, wenn sie heute eine Basisrentenvertrag abschließen, hat Morgen & Morgen für Handelsblatt Online analysiert. Die Auswertung bezieht sich in erster Linie auf die Effektivkosten der Basisrenten. Es sind die Kosten, um die sich die Rendite des Produkts jährlich mindert. Im Vergleich von Morgen & Morgen sind aber keine Gesamtrenditen ausgewiesen, weil bei Basisrenten keine Ausschüttung des Gesamtkapitals aus der Ablaufleistung möglich ist. Sparer können nur Renten vereinbaren. Die kürzeste vom Analysehaus betrachtete Laufzeit für die Policen sind zwölf Jahre, die längste 30 Jahre.

Aktuell haben die allermeisten Versicherer verschiedene Policen im Angebot – trotz des eher schleppenden Absatzes. „Versicherer wollen Lücken im Portfolio vermeiden und dem Kunden möglichst alles anbieten können, wonach er verlangt“, erklärt Joachim Geiberger von Morgen & Morgen. Ob die Basisrente einen späten Schub bekommt, kann er nicht sagen.

Die wichtigsten Begriffe zur Rente
ZeitrenteAls Zeitrente wird ein Vorsorgebetrag bezeichnet, der nur über einen bestimmten, endlichen Zeitraum gezahlt wird. Ein klassisches Beispiel dafür sind Einnahmen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie werden gezahlt, bis die Zahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung gewährt werden. Quelle: Fotolia
Witwen-/WitwerrenteStirbt ein Ehepartner, hat der andere Anspruch auf Witwenrente. Voraussetzung dafür ist, dass das Paar noch verheiratet war, allerdings ist es egal, ob zusammen oder getrennt gelebt wurde. Außerdem müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein: Unter anderem muss der verstorbene Partner mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben. Heiratet der Hinterbliebene erneut, endet die Witwenrente. Quelle: Fotolia
RentensplittingDas Rentensplitting ist vergleichbar mit dem Ehegattensplitting. Die Ansprüche beider Ehepartner werden in einen Topf geworfen und zu gleichen Teilen unter beiden gesplittet. Davon Gebrauch machen dürfen Eheleute, die 2002 oder später geheiratet haben. Aber auch eingetragene Lebenspartner dürfen ihre Altersbezüge entsprechend teilen. Quelle: DAPD
Wer profitiert vom Rentensplitting?Nicht nur Ehepartner mit einer sehr kleinen Rente können vom Splitting profitieren. Lohnen kann sich ein Splitting auch für jemanden, der keine Witwerrente bekommen würde, da seine Einnahmen zu hoch sind. Außerdem darf dank Splitting in der Regel auch mehr hinzuverdient werden. Quelle: Fotolia
MütterrenteDie Mütterrente gibt es erst seit diesem Jahr. Profitieren sollen vor allem Mütter, die bisher keinen Anspruch auf Rente hatten, weil sie aufgrund der Kindererziehung nicht lange genug gearbeitet haben. Anspruch haben Frauen, die vor 1992 geborene Kinder erzogen haben. Bisher wurde ihnen lediglich ein Jahr Erziehungszeit auf ihrem Rentenkonto angerechnet, jetzt sind es zwei. Pro Monat bedeutet das ein Plus von knapp 30 Euro. Quelle: Fotolia
Wie viel dürfen Rentner dazuverdienen?Viele suchen auch im Ruhestand nach ein wenig Zeitvertreib und wollen noch etwas hinzuverdienen. Doch gerade für Rentner sind die Regeln da streng. Sogenannte Vollrentner, die das gesetzliche Renteneintrittsalter erreicht haben, dürfen prinzipiell unbegrenzt dazuverdienen. Allerdings muss der Betrag komplett zusammen mit der Rente versteuert werden.      Quelle: Fotolia
Was passiert bei Frührentnern?Wer vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter in Rente geht, erhält eine gekürzte Rente, die sogenannte Frührente. Für jeden Monat, den man früher zu arbeiten aufhört, werden 0,3 Prozent von der eigentlichen Rente abgezogen. Zwar dürfen auch Frührentner Geld hinzuverdienen. Allerdings wird dieses am Ende mit der gekürzten Rente verrechnet. Der Frührentner muss die Rentenversicherung darüber informieren, dass er einen Nebenjob hat, diese wird dann die entsprechende Kürzung ausrechnen. Je nach Wohnort gelten bestimmte Hinzuverdienstgrenzen. Quelle: Fotolia

Auszuschließen sei es aber nicht. Denn das Zinstief macht andere Sparformen – allen voran die Lebensversicherung – so unattraktiv wie nie. Der Rürup-Rente könnte es zugutekommen, dass ihr großer Vorteil weniger die Rendite des angesparten Kapitals ist, sondern eher die Steuervorteile sind, die Sparer zusätzlich mitnehmen können. „Ein großer Vorteil der Basisrente ist ihr Steuerturbo“, sagt Geiberger.



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