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Berlin-Wahl Fanal für Angela Merkel?

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Auftrieb für Linksbündnis-Debatte?

Der Experte Probst glaubt, dass eine Linkskoalition in Berlin sicherlich all denjenigen in der SPD Auftrieb geben werde, die diese Konstellation schon seit Längerem auch für den Bund bevorzugten. „Auch Gabriel weiß, dass eine erneute Große Koalition im Bund das letzte ist, was seine Parteigenossen wollen“, sagte er. „Wenn er die Möglichkeit sieht, auf diesem Weg Kanzler zu werden, wird er im nächsten Jahr eine solche Koalition nicht nur nicht ausschließen, sondern auch zum richtigen Zeitpunkt in diese Richtung marschieren.“ Dass der frühere Linksfraktionschef Gregor Gysi erneut antreten will, mache ihm diesen Schritt möglicherweise leichter.

Der Mainzer Politikwissenschaftler Arzheimer sieht indes wenige Chancen für Linksbündnis auf der Bundesebene, zumal es vor allem im Bereich der Außen- und Verteidigungspolitik zwischen SPD, Linken und Grünen ganz andere Konflikte als im Land Berlin gebe. „Zudem sind die ostdeutschen Landesverbände der Linken deutlich pragmatischer aufgestellt als die im Westen“, sagte Arzheimer. „Deshalb war eine Zusammenarbeit in den neuen Ländern schon in der Vergangenheit möglich, während sie im Bund weiterhin nur schwer vorstellbar ist.“

Müller, der seinen bundesweit bekannten Vorgänger Klaus Wowereit (SPD) vorzeitig beerbte, stellt sich indes schon auf eine Koalition mit Grünen und Linken ein. Lieber wäre ihm Rot-Grün, doch dafür allein dürfte es kaum reichen. So könnte Berlin nach Thüringen, wo schon ein Linksbündnis unter einem linken Ministerpräsidenten regiert, zu einem nächsten Testballon für Rot-Rot-Grün im Bund werden. Laut abgelehnt haben alle größeren Hauptstadt- Parteien dagegen ein Zusammengehen mit der CDU von Spitzenkandidat Frank Henkel, der zuletzt mächtig für ein umstrittenes Burka-Verbot trommelte.

Die AfD-Spitze kann derweil fest mit den Einzug ins zehnte Landesparlament rechnen. Auch wenn das urbane Berlin anders tickt als der Nordosten, wo die Rechtspopulisten gerade aus dem Nichts 20 Prozent der Stimmen einsammelten. Bei den parallelen Wahlen in den Berliner Bezirken könnte die AfD zudem Stadtratsposten ergattern und damit über kommunale Finanzen und Personal mitentscheiden.

Im Wahlkampf-Endspurt setzte SPD-Mann Müller dann auch darauf, gegen die neuen Rechten zu mobilisieren. Eine starke AfD in der Hauptstadt, so warnte der „Regierende“ gerade, könnte international als Erstarken von Neonazis in Deutschland gedeutet werden.

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