WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Bezahlverfahren Bargeld steht bei deutschen Kunden hoch im Kurs, zeigt eine Studie

In Deutschland wird immer noch am liebsten mit Scheinen und Münzen bezahlt. Wer doch zum Plastikgeld greift, bevorzugt die Girocard.

Mehr als die Hälfte des Umsatzes im deutschen Einzelhandel wird in bar abgewickelt. Quelle: dpa

BerlinIm ersten vollautomatischen Amazon-Supermarkt in der US-amerikanischen Stadt Seattle sucht man Kassen vergeblich. Bezahlt wird per App auf dem Smartphone: Sie registriert jedes Produkt im Einkaufswagen buchstäblich im Vorbeigehen, abgebucht wird später vom Amazon-Konto.  

Ob sich diese Art des Bezahlens in absehbarer Zukunft auch in Deutschland durchsetzen könnte, darf bezweifelt werden. Das jedenfalls legen die Ergebnisse einer Studie nahe, die das Handelsinstitut EHI durchführte.

Denn deutsche Kunden zahlen noch immer gern in bar – vor allem kleinere Beträge. Und daran wird sich voraussichtlich auch in Zukunft nicht viel ändern: Einzelhändler gehen davon aus, dass Bargeld auch in den kommenden fünf Jahren bei Beträgen unter 30 Euro die dominierende Zahlungsart bleiben wird.

Denn in diesem Segment sinkt der Anteil der Einkäufe, die in bar bezahlt werden, nur sehr langsam, zeigt die EHI-Studie: 2017 ging er um gerade einmal 0,7 Prozentpunkte auf 77,2 Prozent zurück.

Im Einzelhandel insgesamt wird immer noch gut die Hälfte des Umsatzes in bar abgewickelt.

Und greifen deutsche Kunden nicht zu Scheinen und Münzen, dann wird in der Regel mit einer herkömmlichen Bankkarte gezahlt. Der durch Karten erzielte Umsatz legte um 9,8 Milliarden Euro auf 196,8 Milliarden Euro zu, wodurch der Anteil am Gesamtumsatz der Einzelhandelsgeschäfte von 45,6 Prozent auf 46,9 Prozent stieg.

Dabei hat das EHI das Girocard-System der deutschen Kreditwirtschaft als eindeutigen Wachstumstreiber identifiziert. Es verbuchte ein Umsatzplus von 9,4 Milliarden Euro auf 110,3 Milliarden Euro und hat jetzt einen Marktanteil von 26,3 Prozent.

Das Potenzial der Girocard scheint noch nicht ausgeschöpft zu sein. Kontaktloses Bezahlen ist hier das Stichwort. Mehr als 56 Prozent der Händler akzeptieren bereits das kontaktlose Bezahlen. Mehr als 75 Prozent sollen es Ende des Jahres sein.

Die Kreditwirtschaft selbst ist dabei, das System zu erweitern – durch mobile Girocard-Zahlungen. Doch noch ist nicht sicher, ob der Weg von der kontaktlosen Karte zum kontaktlosen Bezahlen mit dem Smartphone erfolgversprechend sein wird. Bislang haben sich die Deutschen nämlich als Mobile-Payment-Muffel erwiesen.

So erklärt sich wohl auch die gesunkene Investitionsbereitschaft der Händler. Nach Erhebungen des EHI planten nur knapp 34 Prozent der großen Handelsunternehmen Investitionen ihre Payment-Infrastruktur – ein Rückgang um 13 Prozentpunkte.

Die Zurückhaltung begründet das EHI mit fehlenden Perspektiven: Händler scheinen „auf marktfähige Mobile-Payment-Lösungen zu warten“, heißt es in der Studie.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%