Bilanz-Eckdaten Auf diese fünf heiklen Punkte sollten Sie bei Munich Re achten

Am Dienstag präsentiert die Munich Re die vorläufigen Eckpunkte der Jahresbilanz. Auf diese fünf Punkte kommt es besonders an.

Das Hauptgebäude der Münchener Rückversicherung (Munich Re). Quelle: dpa

MünchenTraditionen werden bei Munich Re groß geschrieben. An ihrem noblen Hauptsitz, einem Stadtpalais in der Münchener Königinstraße, hätte auch die Bayerische Schlösserverwaltung ihre Freude. Und die Zugehörigkeit der Mitarbeiter wird weiterhin eher in Jahrzehnten als in Jahren gemessen. Das gilt auch für die Vorstandschefs, die in der Regel mehr als ein Jahrzehnt diese Position besetzen. Da Joachim Wenning erst im Frühjahr 2017 den Posten von Nikolaus von Bomhard übernommen hat, wird sich der Aufsichtsrat wohl erst wieder ab 2025 mit dem Thema Chefsuche befassen müssen.

Trotzdem ist diesmal vieles anders, wenn am Dienstag Finanzchef Jörg Schneider die vorläufigen Eckpunkte für das abgelaufene Jahr präsentieren wird. Die komplette Bilanz gibt es zwar erst am 15. März. Aber schon jetzt lässt sich für Anleger erkennen, ob das Jahr 2017 nur ein negativer Ausreißer nach unten war – oder ob eine dauerhafte Schwäche der Munich Re droht.

Der Gewinn

Bereits im November kündigte das Unternehmen bei der Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal nur noch einen kleinen Jahresgewinn an. Die Zeiten, in denen beinahe traditionell eine Milliardensumme an dieser Stelle stand, sind damit vorerst vorbei. Schon in den vergangenen Jahren schrumpfte der Gewinn von einst über drei Milliarden Euro. Für das abgelaufene Jahr sollten es den ursprünglichen Planungen zufolge 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro sein.

Dass es diesmal anders aussieht, liegt an den drei schweren Wirbelstürmen Harvey, Irma und Maria, die im Spätsommer über die USA und den Golf von Mexiko hinwegfegten. Von 3,2 Milliarden Euro an Großschäden, die allein im dritten Quartal zusammen kamen, entfielen 2,7 Milliarden Euro auf die Begleichung der Schäden der drei Wirbelstürme. Spannend wird deshalb sein, ob es tatsächlich noch für einen kleinen Gewinn gereicht hat. Immerhin stand nach den ersten neun Monaten noch ein Verlust von 146 Millionen Euro in den Büchern, allein im dritten Quartal lag das Minus bei 1,44 Milliarden Euro. Für die kommenden Jahre gab Vorstandschef Joachim Wenning vor kurzem das Ziel „Zwei Milliarden plus“ für das operative Ergebnis aus. Anschließend würden Sprünge im 100 Millionen-Bereich folgen, nicht mehr im 500-Millionen-Bereich wie früher. Eine erste Indikation könnte Finanzchef Jörg Schneider am Dienstag womöglich schon liefern.

Die Naturkatastrophen

Jeder Wetterdienst müsste neidisch auf die geballte Kompetenz der Munich Re bei der Beobachtung weltweiter Klima-, Meeres- und Luftphänomene sein. Meteorologen, Geologen, Meeresforscher und selbst Kapitäne zur See bringen in München ihre Expertise ein, um das Risiko von Unwettern für den Konzern versicherbar zu machen. Dass der weltweit feststellbare Klimawandel die Experten vor immer größere Herausforderungen stellt, ist offenkundig. Bestes Beispiel dafür war das abgelaufene Jahr.

Bis zum Sommer war alles gut: Weltweit gab es in der ersten Hälfte des Jahres so wenige Schäden durch Naturkatastrophen wie zuletzt im Jahr 2006. Bei nur 41 Milliarden Dollar lag die Gesamtsumme. Die Jahresendbilanz sah dagegen völlig anders aus. Mit Schäden in Höhe von insgesamt 330 Milliarden Dollar war 2017 das Jahr mit den zweithöchsten jemals registrierten Naturschäden. Nur 2011 – das Jahr des großen Bebens in Japan – war mit 354 Milliarden Dollar noch schadensreicher. Bei der Munich Re ist man sich bewusst, dass Klimakatastrophen künftig öfter, heftiger und in kürzeren Abständen auftreten können. Weil der Versicherungsschutz in vielen Ländern aber noch immer gering ist, ergeben sich umgekehrt hieraus auch große Chancen.



Kerngeschäft, Dividende und Tochter

Das Kerngeschäft

Mit den steigenden Schadensfällen hatte sich die Branche wieder steigende Preise in der Rückversicherung erhofft. Seit Jahren stehen dort die Prämien unter Druck. Passiert ist dies jedoch nur, wo tatsächlich erst jüngst auch hohe Schäden aufgetreten sind. Der Makler Willis Re hatte Anfang des Jahres gemessen, dass in der jüngsten Erneuerungsrunde die weltweiten Prämien um bis zu 7,5 Prozent gestiegen sind. Viele in der Branche hatten dagegen mit zweistelligen Erhöhungen gerechnet.

Schuld daran, dass es nicht weiter nach oben ging, ist das noch immer reichlich vorhandene Kapital in der Branche. Hedgefonds und andere Großinvestoren drängten in den vergangenen Jahren auf der Suche nach Rendite in den Markt, sodass mehrere Jahre lang die Preise bröckelten, da es nur wenige Großschäden gab. Und auch die Hurrikans vom Herbst brachten nur in den betroffenen Regionen in der Karibik Preissteigerungen von 20 bis 40 Prozent, in den USA und Lateinamerika erhöhten sich die Preise nur um fünf bis zehn Prozent. Für etablierte Rückversicherer wie die Munich Re wird das Kerngeschäft damit auch in den kommenden Jahren nicht leicht

Die Dividende

Bei den Ausschüttungen gehört die Munich Re traditionell zu den für Anleger erfreulichsten Werten im Dax. Mit einer Dividende von 8,85 Euro je Aktie rechnen Analysten im Schnitt diesmal, nach 8,60 Euro ein Jahr zuvor. Eine Dividendenrendite von mehr als 4,5 Prozent in Relation zum aktuellen Kurs wäre das erneut. „Aktionärsattraktivität ist wichtig“, betont Konzernchef Joachim Wenning erst kürzlich wieder. Für das vergangene Jahr wurden 1,3 Mrd. Euro ausgezahlt, für dieses Jahr soll es wieder in diese Größenordnung gehen.

Sinkende Ausschüttungen gab es bei der Munich Re bislang traditionell auch in schwierigen Jahren nicht. Ähnlich verhält es sich mit dem Aktienrückkaufprogramm, das es bei der Munich Re schon viele Jahre gibt und das nur einmal in Zeiten der Finanzkrise ausfiel. Ein Aktienrückkauf sei zwar kein Versprechen auf Dauer, aber auch in der aktuellen Situation zu 100 Prozent vertretbar, betonte Finanzvorstand Jörg Schneider vor wenigen Wochen. „Wo wir wachsen, da können wir das auch finanzieren“.

Die Tochter

Der Düsseldorfer Erstversicherer Ergo befindet sich seit dem vergangenen Jahr auf dem Weg der Besserung. Es fließen wieder Gewinne, auch wenn es im dritten Quartal nur 29 Millionen Euro waren. Das Ergo-Strategieprogramm soll dafür pro Jahr eine Verbesserung von 100 Millionen Euro bringen. „Die Kostenseite verbessert sich dort schon jetzt“, so Wenning kürzlich. Bis es allerdings soweit ist, steht noch ein gutes Stück Weg bevor. Zumal immer wieder Dinge nicht nach Plan laufen.

Im November beispielsweise musste die Ergo den Verkauf von gut sechs Millionen alter Lebensversicherungs-Policen für gescheitert erklären. Künftig will man sie mithilfe moderner Technologie selbst verwalten. Beim Preis waren die Vorstellungen von Ergo und möglichen Käufern wohl weit auseinandergelegen, wie es aus Konzernkreisen hieß. Im Umfeld war zu hören, dass wohl auch der politische Druck sehr groß war, die Bestände im eigenen Haus zu belassen. Erfreulich ist dagegen, dass seit dem Herbst unter dem Namen Nexible der erste reine Online-Versicherer des Hauses am Start ist. Erste Zahlen dazu dürfte es aber erst mit der Vorstellung der Bilanz Mitte März geben.

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