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BIP steigt durch Binnenwirtschaft Antriebswechsel beim Wachstum

Ausnahmsweise wird das deutsche Wachstum nicht von Exporten angetrieben. Der Staat und die Bürger sind in Kauflaune und es wird mehr investiert – eine positive Entwicklung. Doch die neuen Wachstumstreiber sind anfällig.

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Die Deutschen geben mehr Geld aus und treiben so das Wachstum an. Quelle: dpa

Frankfurt Die deutsche Volkswirtschaft ist auf einem guten Weg, die aufgestauten Ungleichgewichte abzubauen. Nachdem die lange Lohnzurückhaltung endlich wieder Lohnsteigerungen deutlich oberhalb der Inflationsrate gewichen ist, scheinen die Verbraucher genug Geld in den Taschen zu spüren, um ihren Konsum deutlich auszuweiten. Gleichzeit schwächelt die Konjunktur im außereuropäischen Ausland.

Im Ergebnis war das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal nicht von den Exporten, sondern von der Binnenwirtschaft getrieben. Darauf deuten die vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamts zum Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal hin, die die Wiesbadener Statistiker am Dienstag veröffentlichten. Um 0,6 Prozent nahm die Wirtschaftsleistung gegenüber dem ersten Quartal zu. Der Wert für das erste Quartal wurde leicht auf 0,7 Prozent nach oben revidiert. Damit erscheint ein Wachstumswert für das Gesamtjahr von zwei Prozent oder etwas mehr erreichbar. Das ist am oberen Rand dessen, was bisher erwartet wurde.

Für die einzelnen Komponenten der Gesamtnachfrage haben die Statistiker erste qualitative Aussagen gemacht. Danach sind die Importe dank kräftiger Konsumsteigerungen von Staat und privaten Haushalten deutlich stärker gestiegen als die Exporte. Der übermäßige und politisch hochsensible Außenhandelsüberschuss Deutschlands schmilzt damit weiter allmählich ab. Gleichzeitig legten die Investitionen zu, vermutlich begünstigt durch die steigenden Bevölkerungszahl, für die Wohnungen gebaut werden müssen, und die steigende Inlandsnachfrage, für deren Befriedigung es zusätzliche Produktionskapazitäten braucht.

Eine sichere Bank ist diese günstige Entwicklung allerdings noch nicht. Durch die gemessen an der Wachstumsveränderung günstige Wirtschaftsentwicklung in Europa, relativ zu anderen Weltregionen, hat der bisher unterbewertete Euro deutlich an Wert gewonnen. Das verschlechtert die Wettbewerbsposition der deutschen Produzenten gegenüber Konkurrenten außerhalb des Euroraums.

Diese Richtung ist begrüßenswert. Sie lässt den Verbrauchern dank sinkender Importpreise mehr Geld für erhöhten Konsum und dämpft gleichzeitig die Exportausweitung. Solche Wechsel von einem Wachstumstreiber zu einem anderen sind aber immer störungsanfällig. Und an möglichen geopolitischen Hindernissen herrscht momentan kein Mangel. Trump und sein Einfluss auf den Welthandel lassen grüßen.

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