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Blick hinter die Zahlen #10 – Maut-Index Was der Lkw-Verkehr über die Konjunktur aussagt

Die Corona-Pandemie verschärft die Angst vor einer Rezession. Leider sind die meisten Konjunktur-Indikatoren zu träge, um die Entwicklung zeitnah abzubilden. Doch es gibt eine Ausnahme: den neuen Maut-Fahrleistungsindex.

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Die Maut in Deutschland war von Anfang an ein Sorgenkind. Nicht nur die Pkw-Maut, die krachend gescheitert ist und europaweit vor allem für eins gesorgt hat: Häme. Auch die Lkw-Maut sorgt für viel Zwist. Eine italienische Bietergemeinschaft will das Verkehrsministerium verklagen, eine polnische Spedition zieht gerade gegen die Maut vor den Europäischen Gerichtshof (EuGH).

Doch aus der Maut lässt sich etwas ableiten, das sie weit über diese Konfliktlinien hinaus interessant macht: Sie gibt Auskunft über Wohl und Wehe der deutschen Wirtschaft. Genauer: Der bislang weitgehend unbekannte Lkw-Maut-Fahrleistungsindex tut das. Er wurde voriges Jahr vom Bundesamt für Güterverkehr (BAG) und dem Statistischen Bundesamt (Destatis) aus der Taufe gehoben und ist seitdem Teil der offiziellen Konjunkturindikatoren bei Destatis.

Der Lkw-Maut-Fahrleistungsindex bildet ab, welche Strecken große Lkw mit mindestens vier Achsen auf Deutschlands Autobahnen zurücklegen. Der Vorteil: Da die Fahrten per automatischer Einbuchung erfasst werden, steht der Index schon neun Tage nach Ablauf eines Monats zur Verfügung. Ganz anders die deutlich schwerfälligeren etablierten Indikatoren, wie etwa Industrieproduktion oder Bruttoinlandsprodukt, die mit mehreren Wochen Verzug veröffentlicht werden.

Der Maut-Index ist damit gewissermaßen der Frühindikator für die deutsche Konjunktur. Das ist gerade in Zeiten des Coronavirus interessant, in denen überall vor Konjunkturproblemen oder gar einer Rezession gewarnt wird, ohne indes bislang auf harte statistische Daten zurückgreifen zu können.

Der neueste Wert für den Fahrleistungsindex ist kürzlich erschienen und beschäftigt sich mit dem Monat Februar. Er ist damit der erste amtliche Konjunkturindikator, der einen Zeitraum seit Aufkommen des Coronavirus in Europa abdeckt. Stimmungsindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima sind zwar noch früher verfügbar, beruhen aber nicht auf harten Daten, sondern auf Meinungsabfragen.

Und die Entwicklung des Lkw-Maut-Fahrleistungsindex stimmt nachdenklich: Seit einigen Monaten schon entwickelt er sich unterhalb langfristigen Wachstumstrends, was auf einen konjunkturellen Abschwung hinweist. Im Februar ist er nun noch weiter gesunken.

Abweichung des mittelfrsitigen vom langfristigen Trend des Lkw-Maut-Fahrleistungsindex nach Monaten in Prozent

Daten aus der Vergangenheit lassen erwarten, dass andere Indikatoren dem Maut-Fahrleistungsindex folgen werden. So haben Destatis- und BAG-Experten untersucht, inwieweit sich der Maut-Index und andere Indizes in der Vergangenheit ähnlich entwickelt haben.

Das Ergebnis: Gerade zwischen Maut-Fahrleistungsindex und dem Produktionsindex für das verarbeitende Gewerbe gibt es große Übereinstimmungen – mit einem Unterschied: Der Maut-Index ist früher verfügbar als sein Konterpart.

Abweichung des mittelfristigen vom langfristigen Trend des Lkw-Maut-Fahrleistungsindex und des Produktionsindex nach Monaten in Prozent

Die jetzige Abkühlung könnte sich also schon bald auch in anderen Konjunkturindikatoren zeigen.

Und es dürfte noch weit tiefer hinabgehen, als es der derzeit aktuellste Maut-Index andeutet. Im Februar gab es zwar erste Corona-Fälle in Deutschland und vor allem in Italien, aber noch keine weitreichenden Einschränkungen für den Warenverkehr in Europa. Nun im März sieht die Situation ganz anders aus, mit immer mehr geschlossenen Grenzen und Firmen, deren Produktion bestenfalls auf Sparflamme läuft.

Die weichen Indikatoren wie Umfragen unter Firmen deuten schon jetzt auf eine Krise ähnlichen Ausmaßes wie vor zwölf Jahren die bislang letzte Finanzkrise. Auch der Absturz des Dax um knapp 40 Prozent binnen weniger Tage deutet in diese Richtung.

Ob es mit der Konjunktur ähnlich drastisch bergab geht, wird sich schon bald zeigen: Am 9. April erscheint der Lkw-Maut-Fahrleistungsindex für den Monat März.

Die Rubrik „Blick hinter die Zahlen“ entsteht mit Unterstützung des Statistischen Bundesamtes (Destatis). Für die Inhalte der Beiträge ist ausschließlich die WirtschaftsWoche verantwortlich.

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