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Blick hinter die Zahlen #14 – Kurzarbeit 10 Millionen Deutsche in Kurzarbeit: Wer betroffen ist

In der Coronakrise setzen über 750.000 Betriebe auf Kurzarbeit, ein Vielfaches im Vergleich zur Finanzkrise. Vor allem in drei Bundesländern gibt es besonders viele Anträge. Das liegt auch an den betroffenen Branchen.

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Deutschland, einig Kurzarbeiterland: Um die Corona-Pandemie und ihre Folgen möglichst abzufedern, setzen große Teile der deutschen Wirtschaft auf Kurzarbeit. Laut neuesten Daten der Bundesagentur für Arbeit vom Donnerstag haben bislang 751.000 Betriebe Kurzarbeit angemeldet, und das binnen weniger Wochen. Das sind viereinhalbmal so viele wie im kompletten Jahr 2009, als die Wirtschaft die Finanzkrise abfedern musste. Eine Woche vorher waren es noch 718.000 Anträge gewesen.

Betroffen sind laut BA bis zu 10,1 Millionen Menschen. 2009 nach der Finanzkrise waren es insgesamt nur 3,3 Millionen Menschen.

Wie viele Anträge eingereicht wurden, unterscheidet sich dabei stark nach Bundesland. Spitzenreiter ist Nordrhein-Westfalen, wo laut BA 152.000 Betriebe auf Kurzarbeit setzen. Auch in Bayern und Baden-Württemberg ist die Zahl der Anträge mit 120.000 beziehungsweise 101.000 vergleichsweise hoch. Am wenigsten Anträge gab es mit 6000 in Bremen, wo freilich auch weniger Betriebe angesiedelt sind. Stichtag dieser bis heute aktuellsten Daten ist jeweils der 26. April.

Anzahl der Betriebe, die bis zum 22. April Kurzarbeit beantragt haben

Wie vielen Anträgen stattgegeben wird, ist nach Angaben der BA noch nicht klar. Die Mitarbeiter konzentrierten derzeit all ihre Arbeitszeit darauf, eingehende Anträge zu bearbeiten, erklärt ein BA-Sprecher. 8500 Mitarbeiter seien allein mit Kurzarbeitsanträgen beschäftigt und damit 14-mal so viele wie sonst.

Auch die Kosten der Kurzarbeitswelle sind bislang nicht abschätzbar. Betriebe gehen Kurzarbeit stets nachträglich ein und haben dann drei Monate Zeit, die Abrechnungsunterlagen einzureichen. Die BA sieht sich jedoch bestens gewappnet: Ein finanzielles Polster von 9,8 Milliarden Euro steht zur Verfügung, finanziert aus Rücklagen.

Über einige Details der Kurzarbeit gibt es zumindest schon Näherungswerte. So hat die BA in einer Stichprobe erhoben, welche Betriebsgrößen vor allem auf Kurzarbeit setzen. Das Ergebnis ist eindeutig: Über 80 Prozent der Anträge stammen von Betrieben, in denen maximal 99 Menschen beschäftigt sind. Unternehmen mit über 250 Angestellten machen hingegen nur ein Prozent der Anträge aus.

Verteilung der Anträge nach Betriebsgröße

Auch über die betroffenen Branchen gibt die neue BA-Statistik erstmals verlässlich Aufschluss. Am stärksten beeinträchtigt sind demnach die Beschäftigten in der Gastronomie, wo 92 Prozent aller Angestellten von Kurzarbeit betroffen sind. In der Metall-, Elektro- und Stahlindustrie sind 44 Prozent der Beschäftigten in Kurzarbeit, bei sonstigen Dienstleistungen in privaten Haushalten sind es 43 Prozent.

Auch Handel und Kfz-Werkstätten, sonstige Dienstleitungen sowie Zeitarbeitsfirmen sind besonders stark von Kurzarbeit betroffen.

Anteil der Beschäftigten, die von Kurzarbeit betroffen sind

Während Einzelhandel und Gesundheitswesen bereits von ersten Lockerungen profitieren, bleibt die Gastronomie eines der größten Sorgenkinder der Coronakrise. Betrachtet man die Anzahl der Anträge auf Kurzarbeit sowie die Verteilung gastronomischer Betriebe nach Bundesländern, so zeigen sich auch einige Überschneidungen. In beiden Fällen sind NRW und Bayern am stärksten betroffen.

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Gastgewerbe nach Bundesländern und Betriebsgrößen

Und die Zahl der Betriebe, die auf Kurzarbeit setzen, dürfte weiter ansteigen und auch immer mehr Branchen umfassen. Darauf deuten auch Daten des Münchner Ifo-Instituts hin. Jedes zweite Unternehmen setzt laut Ifo schon jetzt auf Kurzarbeit, 18 Prozent wollen auch Jobs abbauen. Laut Umfrage sind besonders die Industrie und Dienstleister betroffen. Weniger hart trifft es hingegen bislang den Bausektor.

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Die Rubrik „Blick hinter die Zahlen“ entsteht mit Unterstützung des Statistischen Bundesamtes (Destatis). Für die Inhalte der Beiträge ist ausschließlich die WirtschaftsWoche verantwortlich.

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