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Blitzanalyse Windkraftkonzern Nordex rechnet mit einem Krisenjahr

Nordex Blitzanalyse: Windkonzern rechnet mit einem Krisenjahr Quelle: dpa

FrankfurtNach Jahren des Booms kämpft die Windbranche mit der schlimmsten Krise seit ihres Bestehens. Der Turbinenhersteller Nordex hat am Dienstag seine Bilanz für 2017 und den Ausblick für 2018 vorgelegt. Er rechnet mit einem miserablen Jahr. Die wichtigsten Fakten:

  • Der

    Gewinn

    des Konzerns sinkt um 74 Prozent auf

    43,4 Millionen Euro

    , auch der

    Umsatz

    gibt auf

    3,1 Milliarden Euro

    nach.
  • 2018 dürften die Erlöse voraussichtlich auf

    2,4 bis 2,6 Milliarden Euro sinken

    ; die Ebitda-Marge bei vier bis fünf Prozent liegen.
  • Erst 2020

    soll es nach Ansicht von Vorstandchef José Luis Blanco wieder bergauf gehen

So war 2017

Mit dem heute vorgelegten Jahresabschluss bleibt Nordex zwar im Rahmen der Erwartungen, freuen kann sich der drittgrößte Windturbinenhersteller Deutschlands darüber trotzdem nicht. Der Umsatz bricht um knapp elf Prozent von 3,4 Milliarden Euro auf 3,1 Milliarden Euro ein. Beim Gewinn muss der Konzern sogar Einbußen von 74 Prozent auf 43,4 Millionen verbuchen.

Auch die Neuaufträge sind aufgrund des neu eingeführten Ausschreibungssystems für deutsche Windbauprojekte über 30 Prozent eingebrochen, von 3,3 Milliarden Euro 2016, auf 2,2 Milliarden im vergangenen Jahr. Rund 90 Prozent der Aufträge kamen aus den internationalen. Zum Jahresende lag der Auftragsbestand des Konzerns insgesamt bei 3,7 Milliarden Euro.

Der Konzern erlegte sich außerdem angesichts der Krise ein Kostensenkungsprogramm „45 by 18“ auf, das 2017 45 Millionen Euro beanspruchte und bereits 600 Jobs kostete.

Im Jahr 2017 installierte Nordex 932 Turbinen mit einer Leistung von 2,7 Gigawatt, und bleibt damit bei gleichzeitig gesunkenem Umsatz auf Vorjahresniveau. Das ist ein Indikator für das gesunkene Preisniveau auf dem Windmarkt.

So wird 2018:

Im laufenden Geschäftsjahr rechnet der Windradbauer mit noch schlimmeren Einbußen in allen wesentlichen Bereichen. Im Jahr 2017 wurde in Deutschland ein neues Auktionssystem eingeführt, das den Preiskampf deutlich verschärft hat. Vor diesem Hintergrund erwartet Nordex für 2018 einen Umsatzrückgang bis zu weiteren 20 Prozent, auf 2,4 bis 2,6 Milliarden Euro. Die bereinigte operative Marge (Ebitda) erwartet der Konzern zwischen vier bis fünf Prozent. 2017 lag dieser Wert noch bei 7,9 Prozent.

„2017 haben wir uns konsequent auf das herausfordernde Marktumfeld vorbereitet. Unsere Turbinen erlauben es, sauberen Strom deutlich preiswerter zu produzieren. Dabei gestalten wir die Lieferkette zunehmend globaler und effizienter auf Projekte zugeschnitten", zeigte sich Nordex-Chef José Luis Blanco zuversichtlich. Bergauf gehen wird es Blancos Ansicht nach aber erst wieder 2020.

Krisenjahr für die gesamte Branche

Nach Jahren des Booms stehen die erfolgsverwöhnten Hersteller von Turbinen und Rotorblättern auf einmal ordentlich unter Druck. Der Grund: Weltweit werden die Subventionen für Windenergie gekappt. Statt gesetzlich garantierter Fördergelder müssen sich die Konzerne im Wettbewerb untereinander um die Höhe der Vergütungen streiten.

In diesem Auktionssystem bekommt derjenige den Zuschlag, der den geringsten Preis für den Bau eines Windparks bietet. Die Folge: Die Vergütungen stürzen ins Bodenlose. Und die Windkonzerne müssen sich auf ein paar magere Jahre einstellen, in denen ein harter Preiskampf den Wettbewerb bestimmt.

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