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Börsenturbulenzen Aktien deutscher Banken stehen massiv unter Druck

Am Donnerstag erwischte es die Commerzbank, am Freitag die Deutsche Bank: Investoren wenden sich ab. Daran ist nicht nur der Zollstreit mit den USA schuld.

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Aktien Deutscher Bank und Commerzbank stehen massiv unter Druck Quelle: dpa

Frankfurt Es sind keine guten Tage für die beiden größten deutschen Banken: Trotz des Börsengangs ihrer Fondstochter DWS ist die Aktie der Deutschen Bank am Freitag um bis zu fünf Prozent abgerutscht. Zwischenzeitlich kostete sie nur noch 11,04 Euro. Es ist der tiefste Stand seit der Vertrauenskrise im Herbst 2016.

In den Abwärtssog gerieten auch Titel der Commerzbank. Sie verloren zwischenzeitlich mehr als zwei Prozent und notierten zuletzt bei ebenfalls gut elf Euro, nachdem sie am Donnerstag sogar sechs Prozent eingebüßt hatten.

Die Aktien der Deutschen Bank waren Schlusslicht im Dax, der zwischenzeitlich gut zwei Prozent nachgab und unter die Marke von 12.000 Punkten rutschte.

Dabei steht das Geschäftsmodell der Deutschen Bank zusehends in der Kritik. Finanzvorstand James von Moltke hatte am Mittwoch vor Belastungen im Investmentbanking im ersten Quartal gewarnt.

Die Zweifel der Investoren über die Strategie der Deutschen Bank sind groß, was sich auch darin zeigte, dass der Aktienkurs am Freitag den dritten Tag in Folge deutlich sinkt. Seit Jahresbeginn ist er um rund 30 Prozent gefallen.

Vorstandschef John Cryan will die Bank zwar verschlanken, hält aber wie seine Vorgänger an der Konzentration auf das Investmentbanking fest. In dieser Sparte brechen allerdings die Einnahmen immer stärker weg. In der Paradedisziplin der Bank, dem Handel mit Anleihen, Devisen und Derivaten, haben sich die Erträge seit dem Jahr 2011 auf 4,4 Milliarden Euro quasi halbiert.

Einige Analysten befürchten angesichts der strategischen Herausforderung, in der das größte deutsche Geldhaus steckt, weitere deutliche Kursverluste. So sagt Andrew Coombs, Analyst des US-Finanzriesen Citi, einen Einbruch auf 8,60 Euro voraus – das wäre noch deutlich unter dem Rekordtief von September 2016. Damals war die Aktie bis auf etwa 9,40 Euro gefallen.

„Man muss sich Sorgen machen. Das Geschäft läuft nicht so, wie die Bank es vor einem Jahr bei der Kapitalerhöhung angekündigt hat“, sagte ein Großinvestor, der bei Deutscher Bank und Commerzbank investiert ist.

Der Börsengang der DWS sei zwar ein Erfolg, aber auch er verwies auf Zweifel, ob das Geschäftsmodell der Deutschen Bank funktioniere. „Das Management steht massiv unter Druck. Es muss zeigen, dass die Strategie aufgeht. Man hat nicht unendlich Zeit.“

Die Lage sei indes nicht so brenzlig wie im Herbst 2016, findet der Investor. „Da sind wir definitiv nicht.“ Damals fürchteten einige Aktionäre wegen einer drohenden 14-Milliarden-Dollar-Strafe der US-Behörden eine Schieflage der Bank - und die Aktie sank erstmals unter zehn Euro.

Am Ende fiel die Strafe in den USA dann deutlich geringer aus und die Deutsche Bank stärkte mit einer Kapitalerhöhung ihren Sicherheitspuffer. „Aber die Aktionäre wollen jetzt einen Return sehen“, betont der Investor.

Um die Commerzbank, deren Aktien am Donnerstag auch kräftig eingebrochen waren, macht er sich dagegen keine Sorgen. Das Papier sei im Sog der Deutschen Bank und wegen einer Analystenstudie von Kepler Cheuvreux abgestürzt.

„Zudem ist die Commerzbank-Aktie zuletzt gut gelaufen - und bei der Bewertung ist die Lage jetzt etwas angespannter. Aber die Commerzbank macht ein solides Geschäft.“ Das Institut sei mir seiner Strategie auf dem richtigen Weg.

Die Börsen gerieten am Freitag europaweit unter Druck, etliche Bankaktien gaben nach. Angesichts der Strafzölle, die US-Präsident Donald Trump plant, fürchten Investoren die Folgen eines Handelskrieges für die Weltwirtschaft.

Zwar befreit Trump die EU vorerst von Strafzöllen auf Stahl und Aluminium. Doch auch ein Handelsstreit zwischen den USA und China dürfte große Auswirkungen haben.

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