Brexit-Folgen Bundesbank-Vorstand fordert globales Finanzzentrum in der EU

Der Brexit schwächt den Finanzplatz London. Um davon zu profitieren sollen die übrigen EU-Finanzstandorte ihre Kräfte bündeln.

Der Bundesbank-Vorstand plädiert für eine engere Zusammenarbeit der Finanzstandorte in der EU. Quelle: Stefanie Hergenröder/Euroforum

FrankfurtGroßbritannien will aus der EU austreten, doch die Modalitäten sind nach wie vor unklar. Eine der wichtigsten Fragen ist, welchen Zugang Banken aus London auf den EU-Markt bekommen. Viele rechnen damit, dass die Rolle Londons als globaler Finanzplatz leidet und vor allem Standorte außerhalb Europas davon profitieren.

Wenn es nach Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Wuermeling geht, sollten daher die großen Finanzstandorte in der EU wie Frankfurt, Paris oder Luxemburg ihre Kräfte bündeln, um gemeinsam eine Alternative zu London zu bieten. Durch die Digitalisierung würden sich neue Möglichkeiten dafür ergeben. „Die Informationstechnologie eröffnet den Finanzplätzen in der verbleibenden EU die Perspektive einer vernetzten ‚Digital City of Europe‘“, sagte er in einer Rede an der Frankfurter Goethe-Universität.

Wuermeling geht davon aus, dass der Brexit eine „Zäsur“ für Londons Rolle als Finanzzentrum Kontinentaleuropas bedeutet. Eine wahrscheinliche Folge sei etwa, dass Banken aus London nicht mehr den Europäischen Pass nutzen könnten und damit ihr Zugang zum europäischen Binnenmarkt wegfalle. In Großbritannien zugelassene Finanzprodukte könnten dann nicht mehr ohne weiteres in der EU vertrieben werden.

Es sei aber längst nicht ausgemacht, dass Geschäft aus London auf den Kontinent wandere. „Nicht wenige mutmaßen, dass die wahren Gewinner des Brexit im Finanzbereich außerhalb der EU liegen könnten“, sagt Wuermeling. Entscheidende Faktoren für den Aufstieg Londons und anderer Finanzzentren seien Größeneffekte gewesen. Von der Ansammlung verschiedener, sich ergänzender Akteure hätten letztlich alle Seiten profitiert. Dies wiederrum habe weitere Akteure angelockt.

Das Problem der anderen Finanzstandorte in der EU wie Frankfurt, Paris oder Amsterdam sei, dass sie alleine zu klein sind. „Unter den aktuellen Bedingungen ist es wenig wahrscheinlich, dass ein Finanzplatz auf dem Kontinent allein die Rolle von London übernehmen könnte.“ Für das globale Geschäft fehlten jedem dieser Plätze allein die Größe und das Umfeld an Dienstleistern, Beratern und Infrastruktur.

„Auf dem Kontinent gibt es für den Finanzplatz London keinen vollwertigen Ersatz“, ist Wuermeling überzeugt. Daher müssten sie zusammenarbeiten. Durch die Digitalisierung würden sich hierfür neue Möglichkeiten ergeben. „Mit der Digitalisierung könnte die geographische Entfernung immer mehr an Bedeutung verlieren.“

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