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Brief zum Tode Ulrich Schröders KfW-Chef Bräunig würdigt seinen verstorbenen Vorgänger

Nachdem der ehemalige KfW-Chef Ulrich Schröder an Krebs gestorben ist, schreibt sein Nachfolger einen Brief an die Mitarbeiter – und kündigt Kondolenzbücher an.

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KfW: Chef Günther Bräunig würdigt Ulrich Schröder in einem Brief

Frankfurt Der Start des KfW-Chefs Ulrich Schröder stand unter keinem guten Stern. Er war gerade zwei Wochen im Amt, da überwies die KfW Mitte September 2008 der insolventen US-Investmentbank Lehman Brothers versehentlich 320 Millionen Euro. Die „Bild“-Zeitung erklärte das Institut zur „dümmsten Bank Deutschlands“.

Der Umgang des promovierten Juristen und Betriebswirts damit war typisch: Er brach das Eis, indem er Veranstaltungen fortan häufiger mit dem Satz eröffnete: „Herzlich Willkommen bei der dümmsten Bank Deutschlands.“ Umso offensiver konnte der Niedersachse berichten, wie er die KfW modernisieren und professionalisieren will.

Zu seinen wichtigsten Projekten zählte die Einführung der gleichen aufsichtsrechtlichen Standards, die auch normale Banken einhalten müssen. Seit 2016 wird die KfW, die dem Bund (80 Prozent) und den Ländern (20 Prozent) gehört, nun von der Bankenaufsicht kontrolliert wie jedes normale Institut. Das erschwerte eine politische Einflussnahme in die Belange der Förderbank. Seither genügt kein Parteibuch mehr, um Vorstand der KfW zu werden. Auch die fachlichen Qualifikationen müssen stimmen.

Ähnlich offensiv verhielt sich Schröder, als er an Krebs erkrankte. Ende 2015 teilte er die Diagnose dem Verwaltungsrat mit, noch bevor dieser über die Verlängerung seines Vertrages entschied. Auch den Mitarbeitern schrieb er offen von seiner Erkrankung.

Nach einem halben Jahr Therapie trat er im Mai 2016 wieder öffentlich auf, noch sichtlich gezeichnet durch eine Chemotherapie („Entschuldigen Sie, ich sehe ein bisschen anders aus.“).

Doch der Krebs kehrte zurück. Im vergangenen Jahr übernahm bereits sein Nachfolger Günther Bräunig die Geschäfte. Kommissarisch zunächst, denn damals hoffte Schröder noch auf eine Genesung und seine Rückkehr an die Spitze der Förderbank.

Schröder war bewusst, dass er wichtige Reformen in der KfW zwar angestoßen, aber noch nicht vollendet hatte. Er sehe die KfW trotz großer Erfolge bei ihrer Modernisierung weiterhin vor erheblichen Herausforderungen, schrieb er anlässlich seines Rücktritts. Sein Gesundheitszustand erlaube es ihm aber nicht, „das Amt verantwortungsvoll und meinen hohen Ansprüchen gemäß weiterzuführen“.

Am Ende war der Krebs stärker. Ende vergangenen Jahres legte Schröder sein Amt als KfW-Chef aus gesundheitlichen Gründen nieder. „Wer mich kennt, weiß, dass mir diese Entscheidung nicht leicht gefallen ist“, schrieb er in einem Brief an die Mitarbeiter. Am Sonntag starb er im Alter von 66 Jahren. Ein Sprecher bestätigte einen entsprechenden Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Sein Nachfolger Günther Bräunig würdigte in einem Brief an die Mitarbeiter „seine starke Persönlichkeit, seine Zielstrebigkeit“ und Schröders „Begeisterung für die Haltung und Projekte der KfW sowie für ihre „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“. Der Vorstand und Bräunig selbst seien sehr betroffen über die Nachricht. Bräunig kündigte Kondolenzbücher an, in die KfW-Mitarbeiter sich eintragen können.

Schröder hinterlässt eine Frau und drei Kinder.

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