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Buchmesse Leipzig Welche Wirtschaftsbücher sich lohnen – und welche nicht

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Mit freundlichen Grüßen an Donald Trump und Karl Marx

„Fire and Fury“ auf Deutsch

Es mag kein originäres Wirtschaftsbuch sein, aber das Trump-Enthüllungsbuch „Feuer und Zorn“ (Rowohlt Verlag) des US-Journalisten Michael Wolff ist so präsent in den Köpfen vieler Akteure, dass es in dieser Übersicht nicht fehlen darf. Die Veröffentlichung der englischen Ausgabe hat enormen Wirbel verursacht, worüber so mancher Washington-Korrespondent eher die Nase rümpfte. Fast alle Enthüllungen des Buches waren aus ihrer Sicht schon mal zu lesen, aber gerade für den deutschen Leser ist „Feuer und Zorn“ eine sehr geeignete Zusammenfassung der bisherigen Präsidentschaft von Donald Trump.

Das Ende einer Freundschaft

Auch Klaus Brinkbäumer hat „Fire and Fury“ gelesen und findet es trotz einiger Schwächen („Gerüchte werden zu Fakten“) gelungen. Zu dem Zeitpunkt war sein Buch „Nachruf auf Amerika“ (S. Fischer Verlag) aber schon sehr weit vorangeschritten. Der Chefredakteur des Spiegel ist ein wahrer Amerika-Kenner und bemüht sich gar nicht erst um eine leidenschaftslose Darstellung der Beziehung zwischen den USA zu Deutschland bzw. Europa, sondern bringt seine persönlichen Erfahrungen mit ein.

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    Abwechselnd schildert der ehemalige US-Korrespondent seine Sicht auf das Land und dem Trump'schen Werdegang. Dazu gehört auch eine intensive Darstellung der „Trump-Town“ New York. Das liest sich flüssig und wer noch keine der gefühlt 200 Trump-Biografien gelesen hat, kann hier allemal zugreifen. Brinkbäumer analysiert zielführend, wie die Lage jetzt ist: „Europa braucht den permanenten Schutz durch die USA nicht mehr. Die USA wiederum wissen nicht mehr, warum Europa im Zentrum ihrer Anstrengungen liegen sollte.“

    Ratschläge und Ausblicke fallen allerdings kurz aus: Wie so manches Ehepaar bräuchten auch Deutschland und die USA nun „Beziehungsarbeit“.

    Für einen besseren Schlaf

    Ende 2016 hat Arianna Huffington ein äußerst gelungenes Buch zum Thema Schlaf geschrieben. Dieses hier stammt aus demselben Jahr, kommt aber erst jetzt nach Deutschland. „Sleep“ (Knaus Verlag) stammt von Nick Littlehales, der die Regeneration von Profi-Fußballern (Manchester United, Real Madrid) revolutionierte.

    Das Buch ist eindeutig für die gedacht, die tagsüber unter enormer Beanspruchung stehen. Auf 230 Seiten beschreibt der frühere Matratzenverkäufer sehr effizient, wie Schlaf funktioniert und wie wir uns optimal regenerieren. So wird dem Leser klar, dass auch vor wichtigen Terminen vier, fünf Stunden wunderbar reichen können.

    Zum 200. Geburtstag von Karl Marx
    Am 5. Mai 1818 wurde Karl Marx in Trier geboren. Exzellente Biografien sind bereits 2017 erschienen, allen voran die von Jürgen Neffe. Wer weniger Zeit hat, dem sei von Uwe Wittstock „Karl Marx beim Barbier“ (Blessing Verlag) empfohlen.

    Der vielfach ausgezeichnete Journalist und Publizist nimmt uns mit nach Algier, wo Marx 1882 – elf Monate vor seinem Tod – zu einer Art Kur reiste. Gesundheitlich ging es ihm nicht gut und er trauerte um seine kurz zuvor verstorbene Frau Jenny. Abwechselnd erzählt Wittstock aus Marx' Leben und von dem, was in Algier passiert – unter anderem dem Barbier-Besuch, bei dem sich Marc vom langen Haupthaar und dem kultigen Bart entledigte.

    Diese Kombination aus Biografie und Erzählung ist absolut lesenswert und eine schöne Ergänzung auch für Leser, die mit dem Leben von Marx vertraut sind.

    Marx für die Sakko-Tasche: Kurz, bündig, klein und leicht – so kommt die Biografie von Wilfried Nippel daher. In „Karl Marx“ (C.H. Beck Wissen) bekommt der emeritierte Professor für Alte Geschichte an der Humboldt-Uni-Berlin so ziemlich alles unter, was man an Fakten über den Vordenker des Kommunismus wissen muss.

    Marx mal anders – nämlich als Roman: Grimme-Preisträger Klaus Gietinger hat sich dem Thema von der literarischen Seite genähert: In „Karl Marx, die Liebe und das Kapital“ (Westend Verlag) versetzt er den Leser an das Krankenbett von Friedrich Engels. Der blickt mit Marxens Tochter Jenna Julia Eleanor (genannt „Tussy“) auf das Leben des großen Denkers zurück.

    Vor dem Kauf bitte kurz reinlesen – die Sprache dürfte nicht für jeden Leser etwas sein. So mancher wird mit dem Buch aber seine helle Freude haben, auch wenn nicht alles den historischen Tatsachen entspricht.

    Wer es philosophisch mag, kann zu „Karl Marc und seine Philosophie“ (C.H. Beck Verlag) greifen. Kurt Bayertz' These lautet: Es mag sein, dass Marx versucht hat, die philosophischen Voraussetzungen seiner Theorie vor den Lesern zu verbergen. Aber sie würden sein Werk eben doch prägen.

    Vorsicht: vom Stil her keine Bettlektüre, sondern etwas für spitze Finger.

    Appell gegen das Kaputtverändern

    „Change mich am Arsch“ (Econ Verlag) kommt daher, wie die Lieblingslektüre eines Betriebsrates. Doch Autor Axel Koch ist Coaching-Professor und Personalentwickler. Seine zahlreichen Beispiele erleichtern die Lektüre, allerdings fehlt es dem Buch an Tiefe und Präzision.

    Konkrete, brauchbare Hilfestellungen dürften so manchem Leser zu kurz kommen – und die plakative Kritik fällt mitunter sehr einseitig aus.

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