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Bund Future Bundesanleihen auf Tauchfahrt

Die Anleihenpolitik der EZB macht Anlegern schwer zu schaffen. Das Tagesgeld der Profis bringt kaum noch Profit. Bald könnte die Barriere zu Negativrenditen beim Bund Future durchbrochen werden. Was Anleger tun können.

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Bei den Renditen für Bundesanleihen geht es abwärts. Quelle: Getty Images

Düsseldorf Wenn die Nachfrage größer ist als das Angebot, steigen die Preise. Das gilt für Obst, Gemüse, Autos und Smartphones genauso wie etwa für Rohstoffe, Aktien – und Staatsanleihen der Euro-Länder, die zuletzt immer teurer geworden sind. „Rund 30 Prozent der Staatsanleihen in der Euro-Zone bieten mittlerweile negative Renditen. Grund für diese Entwicklung ist die unkonventionelle Geldpolitik der internationalen Notenbanken, vor allem der Kauf von Anleihen“, erklärt Asoka Wöhrmann, Chief Investment Officer der Deutschen Asset & Wealth Management.

„Wer sein Anlagevermögen etwa mit der Anlage in einer 10-jährigen deutschen Staatsanleihe verdoppeln möchte, benötigt derzeit 386 Jahre“, rechnet Wöhrmann vor. Gerade Bundesanleihen gelten Anlegern aufgrund ihrer sehr guten Bonität weltweit als sicherer Hort. „Die Manager großer Vermögen scheuen derzeit noch größere Risiken, müssen aber ihr Geld irgendwo anlegen. Das sorgt dafür, dass deutsche Staatspapiere so beliebt sind“, sagt Rainer Guntermann, Anleihespezialist bei der Commerzbank.

Es ist schon fast ein Ausdruck von Verzweiflung und der Unsicherheit der Investoren, die kaum noch renditeträchtige Anlagealternativen finden. Was die Lage nicht besser macht: Bundesanleihen sind zum Teil auch Pflichtinvestments. Institutionelle Anleger wie beispielsweise Versicherungen oder Rentenfonds müssen ihr Geld nach bestimmten Regeln risikoarm streuen und sind deshalb mehr oder weniger gezwungen, zumindest einen Teil ihres Geldes in Bundesanleihen zu investieren. Das gilt sogar für die Europäische Zentralbank.

„Im Rahmen ihres groß angelegten Staatsanleihen-Kaufprogramms investiert die EZB nicht nur etwa in italienische, portugiesische oder spanische Papiere, sondern auch in deutsche Staatsanleihen“, so Guntermann. Denn die EZB verfolgt bei ihrem Kaufprogramm einen vergleichsweise starren Ansatz, bei dem sie den Anteil an Staatsanleihen der verschiedenen Euro-Länder berücksichtigt. Das sorgt bei Bundesanleihen, die auch ohne das EZB-Programm begehrt wären, für Knappheit und treibt die Preise zusätzlich.

Nicht nur Papiere mit kurzen Laufzeiten sind dabei gefragt. Selbst Bundesanleihen mit Laufzeiten von mehreren Jahren werfen derzeit eine negative Rendite ab. So sind mittlerweile die Renditen deutscher Staatsanleihen zum ersten Mal in der Geschichte niedriger als japanische Staatsanleihen. „In Japan fallen die Anleihen-Renditen bereits seit den 90er Jahren. Aber negative Renditen gab es selbst dort nur für eine sehr kurze Zeit“, so Guntermann.

Der Effekt der gestiegenen Anleihekurse lässt sich am Kurs des entsprechenden Bundesanleihen-Marktbarometers, des Euro Bund-Future ablesen: Dieser ist mittlerweile auf über 159 Punkte gestiegen. 159 Punkte – das ist nicht irgendein beliebiger Wert auf einer nach oben offenen Skala wie beispielsweise bei Aktienindizes. Der Anleihen-Index folgt anderen Regeln: Der Bund-Future drückt aus, wie viel eine zehnjährige Bundesanleihe mit einer Verzinsung von sechs Prozent im Durchschnitt kostet.


Bei 160 Punkten hört der Spaß auf

Im Klartext: Wenn solch eine Anleihe mehr als 160 Punkte kostet, dann liegt ihre Rendite im Minusbereich. Rein mathematisch verläuft beim Bund Future die Grenze zwischen „Geld verdienen“ und „Geld verlieren“ also bei 160 Index-Punkten. Unter normalen Umständen dürfte der Index gar nicht über 160 Punkte hinaus steigen. Denn Anleger, die dem deutschen Staat Geld leihen, zahlen schon jetzt in den meisten Fällen drauf.

Jeder weitere Anstieg des Bund-Futures über die 160er-Marke bewirkt, dass die Zinszahlungen alleine nicht mehr ausreichen, um die Kaufpreise der Anleihen zu rechtfertigen. Wer jetzt Bundesanleihen kauft, kann nur noch darauf spekulieren, dass die Kurse noch weiter über das eigentlich vernünftige Maß hinaus ansteigen, um die Papiere später dann wieder teurer zu verkaufen.

Das ist eine hoch riskante Wette, die darauf setzt, dass eine große Anzahl von Marktteilnehmern dieselbe Wette eingeht und die Kurse deshalb weiter steigen. Doch mit einem Anstieg der Kurse steigt die Gefahr des jähen Absturzes: Da alle Investoren, die jetzt noch auf Kursgewinne setzen, diese irgendwann realisieren müssen, kann der Markt sehr schnell in Schieflage geraten – nämlich dann, wenn zu viele Investoren gleichzeitig verkaufen wollen.

Noch ist es nicht so weit, noch ist die 160er-Marke nicht erreicht und ein wenig Spielraum vorhanden. „Betrachtet man die Entwicklung allein auf charttechnischer Basis, könnte die Anleihen-Rally noch eine Weile weiter gehen. Der Aufwärtstrend ist intakt. Auch ein Bund-Future-Kurs von über 160 Punkten wäre dabei denkbar“, sagt Jörg Scherer von HSBC Trinkaus.

Doch der Chartanalyst macht eine Einschränkung: „Wie die jüngere Vergangenheit gezeigt hat, sind negative Renditen zwar grundsätzlich kein Ausschlusskriterium für den Kauf von Anleihen. Aber ist eine Null- oder Negativrendite erreicht, ist nicht mehr viel Luft nach oben“, so Scherer. Schließlich befinden sich auch Bundesanleihen im internationalen Wettbewerb ums Anlegergeld.

Ausländische Investoren, die Zinsverluste einfahren und darüber hinaus auch noch hinnehmen müssen, dass der Euro immer mehr zur Weichwährung mutiert, dürften früher oder später die Geduld verlieren und ihr Geld aus Bundespapieren wieder abziehen. Im schlechtesten Fall kommen Alle zur selben Zeit auf dieselbe Idee.

Wie geht es weiter?

Die Entwicklung des Bund-Futures befindet sich also derzeit in einer sehr prekären Phase. Einerseits sorgt die EZB für Überdruck auf der Käuferseite. Das stützt die Kurse. Andererseits können die Kurse für Bundesanleihen – und damit auch der Bund-Future – nicht endlos weiter im Wert steigen. Siehe oben. Ein wahrscheinliches Szenario könnte deshalb sein, dass sich der Bund-Future über einen gewissen Zeitraum bei dem jetzt erreichten Kursniveau leicht oberhalb und leicht unterhalb von 160 Punkten stabilisiert. Doch eine Korrektur nach unten ist dabei nur eine Frage der Zeit.

„Es gibt politische und wirtschaftliche Faktoren, die großen Einfluss auf die Entwicklung der Anleiherenditen haben können“, sagt Rainer Guntermann von der Commerzbank. „Ein drittes Hilfspaket für Griechenland, ein Konjunkturaufschwung in Europa, Zinserhöhungen in den USA und ein schwächerer Euro können dafür sorgen, dass Bundesanleihen weniger stark nachgefragt werden“, so Guntermann.


Turbos für fallende Kurse bei Euro-Bund-Future

Für risikobewusste Investoren ist dies ein interessantes Szenario: Anleger, die auf eine Korrektur beim Bund-Future hoffen, können sich mit Hebelpapieren auf die Lauer legen und dann profitieren, wenn ihre Rechnung aufgeht. Sie sollten die Entwicklung allerdings genau beobachten. Denn es ist ein Spiel auf Zeit, und die kostet Geld: Mini Futures und andere Knock-Out-Papiere verlieren durch eine kontinuierliche Verschiebung ihres Basispreises im Laufe der Zeit sukzessive an Wert.

Wer zu früh und mit zu hohem Hebel spekuliert, läuft Gefahr, bis zur erwarteten Trendwende beim Bund-Future Verluste einzufahren oder sogar frühzeitig ausgeknockt zu werden. Deshalb ist es ratsam, vorsichtiger zu agieren und niedrigere – und damit weniger riskante –  Hebel zu wählen.

Entsprechende Hebelprodukte, die an Wert gewinnen, wenn der Kurs des Bund Future fällt, finden Anleger bei HSBC Trinkaus, Commerzbank, Deutsche Bank und Société Générale. Diese bieten Turbos mit unbegrenzter Laufzeit an. Dabei sollten Anleger allerdings auf einen komfortablen Risikopuffer achten und den Hebel nicht zu hoch ansetzen.

Beispiele: Mit einem BEST Turbo Bear Zertifikat von der Commerzbank (WKN: CK2QYV) setzen Anleger auf fallende Notierungen des Bund Future. Der Basispreis liegt hier bei komfortablen 213,387 Punkten – ein Wert, den der Bund Future niemals erreichen wird. Ein Totalverlust ist somit nahezu ausgeschlossen. Die Verlustwahrscheinlichkeit beschränkt sich auf das Emittenten-Risiko. Das Papier bietet aktuell einen Hebel von 2,9.

Anleger, die etwas mehr Spannung vertragen können, bietet sich ein Turbo Short auf den Bund-Future von HSBC Trinkaus (WKN: TD27S4) an. Der Basispreis und die Stopp-Loss-Barriere von 178,3798 Prozent liegen in der Komfortzone oberhalb des theoretischen Höchstwerts des Bund Futures von 160 Punkten. Eine 8,2-fache Hebelwirkung sorgt allerdings dafür, dass das Papier deutlich sensibler auf Kursveränderungen des Bund Futures reagiert als das oben genannte Commerzbank-Produkt.

Für Turbo Zertifikate mit Basispreisen unterhalb von 170 Punkten sollten Anleger stählerne Nerven mitbringen. Denn irgendwann wird der Bund Future zwar wieder fallen. Garantiert. Doch wann das passiert, lässt sich nur schwer prognostizieren.

Fazit: Mit Turbo-Zertifikaten können Anleger auf fallende Euro Bund Future Notierungen spekulieren. Die enge Trading-Spanne, in der sich die Kurse des Zinsbarometers für deutsche Staatsanleihen bewegen, birgt derzeit hohe Chancen und Risiken. Deshalb sind diese Produkte nur für Investoren geeignet, die den Zinsmarkt täglich im Blick behalten, sich der hohen möglichen Kursschwankungen von Hebelzertifikaten bewusst sind und auch damit umgehen können. Für Börsenneulinge sind diese Papiere und diese Art der Spekulation nicht geeignet.

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