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Bundesbank Digitaler Euro würde das Risiko eines Bank Runs vergrößern

Die EZB diskutiert über die mögliche Ausgestaltung eines digitalen Euros. Die Bundesbank sieht die elektronische Form des Zentralbankgelds offenbar kritisch.

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Risiken sieht die Bundesbank dann, wenn ein digitaler Euro vornehmlich zur Wertaufbewahrung und nicht als Zahlungsmittel genutzt würde. Quelle: dpa

Die Bundesbank hält einen möglichen Ansturm auf die Bankschalter in Krisenzeiten für ein erhebliches Risiko, sollte es zur Einführung eines digitalen Euros kommen. „Die Folge könnte eine Destabilisierung des gesamten Finanzsystems sein“, warnte Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz am Dienstag in einer online gehaltenen Rede für eine Finanzveranstaltung.

In einem solchen als „digitaler Bank Run“ bezeichneten Szenario würden Bankkunden die Schalter der Geldhäuser stürmen, um rasch ihre Kontoguthaben aufzulösen und sie in digitales Zentralbankgeld umwandeln. Denn dieses würde in Krisenzeiten als sicherer gelten.

Daher muss Balz zufolge über Werkzeuge nachgedacht werden, die sicherstellen, dass ein digitaler Euro vor allem als Zahlungsmittel genutzt wird und nicht zur Wertaufbewahrung. „Eine Option, die untersucht werden sollte, wäre es, Nutzern das halten von digitalen Euros zu jeder Zeit nur bis zu einer bestimmten Obergrenze zu erlauben“, sagte Balz, der im Bundesbank-Vorstand für das Thema Zahlungsverkehr zuständig ist.

Die Nachfrage nach einem digitalen Euro könnte Balz zufolge aber auch durch Anreize kontrolliert werden, die auf einer gestaffelten Vergütung basieren. Hier ist der Bundesbank-Vorstand aber eher skeptisch. „Ich bin nicht so sicher, ob Anreize in der Realität einen digitalen Bankensturm verhindern könnten“, sagte er. Die technische Umsetzung einer digitalen Zentralbankwährung sollte daher genau durchdacht und getestet werden.

Ulrich Bindseil, EZB-Generaldirektor für Marktinfrastrukturen, hatte im Januar ein vielbeachtetes Anreizmodell für einen digitalen Euro präsentiert. Darin könnte jeder Bürger im Währungsraum ein Konto für digitales Zentralbankgeld bei den Notenbanken bekommen. Bis zu einer bestimmten Summe - etwa 3000 Euro - würden dort attraktive Zinsen gezahlt, darüber hinaus aber nicht mehr. So soll verhindert werden, dass die Bürger im Krisenfall die Bankschalter stürmen und ihre Konten abräumen.

Von der Ausgabe eines digitalen Euros ist die EZB aber noch weit entfernt. , einen digitalen Euro zur Ergänzung von Banknoten und Münzen einzuführen. Zu dem Thema startete die Europäische Zentralbank (EZB) unlängst ein öffentliches Konsultationsverfahren.

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