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Bundesbank-Vorstand 2021 wird „hartes Jahr“ für deutsche Geldhäuser

Zum Jahresende zeige sich die heimische Bankenbranche robust und für steigende Kreditausfälle gewappnet. Quelle: dpa

Insgesamt sind die Banken laut Wuermeling gut in der Lage, Ausfälle aus der Coronakrise zu verkraften. 2021 müssen sie jedoch drei Herausforderungen gleichzeitig bewältigen.

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Die Bundesbank sieht die deutschen Geldhäuser angesichts steigender Kreditausfälle in der Coronakrise vor einem Härtetest. Zwar stünden die Institute zum Jahresende kapitalseitig gut da, doch viele Folgen der Virus-Pandemie kämen bei ihnen erst mit großer zeitlicher Verzögerung an, sagte Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Montag veröffentlichten Interview.

„Alles in allem erwartet die deutschen Banken 2021 ein hartes Jahr,“ sagte er. Die Niedrigzinsphase dauere an, Erträge gingen zurück. Gerade viele kleinere und mittlere Banken könnten nicht leicht zusätzliches Kapital aufnehmen. „Daher wird die größte Herausforderung für die Institute nicht so sehr sein, den Schock zu absorbieren, sondern das neue Kapital zu bilden, um ihre alte Widerstandskraft wiederherzustellen.“

Banken müssten drei Herausforderungen gleichzeitig bewältigen, sagte Wuermeling. Erstens gelte es, kommende Kreditausfälle zu verkraften und zu verarbeiten. Wuermeling rechnet mit einem deutlichen Anstieg der Quote für notleidende Kredite (NPL-Quote) im kommenden Jahr. Zudem werde von ihnen erwartet, einen steigenden Kreditbedarf zu befriedigen und in der Krise weiter Darlehen auszureichen.

Drittens müssten sich die Banken einem verschärften Wettbewerb in einem immer digitaleren Bankengeschäft stellen. „Es ist klar, je länger die Krise dauert, desto größer werden die Verwundbarkeiten.“

Zum Jahresende zeige sich die heimische Bankenbranche robust und für steigende Kreditausfälle gewappnet. „Die deutschen Banken sind auf den Sturm, den wir zu erwarten haben, gut vorbereitet“, sagte Wuermeling. Das frei verfügbare Kapital liege bei rund 150 Milliarden Euro, hinzu kämen regulatorische Puffer in Höhe von 115 Milliarden Euro.

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    Ein Dilemma für Geldpolitik und Bankenaufsicht

    Insgesamt seien die Geldhäuser damit gut in der Lage, Ausfälle aus der Coronakrise zu verkraften. „Das gilt aber nicht für jedes einzelne Institut.“ Zudem sei es verfrüht, die Stimmungsaufhellung in der Realwirtschaft auf die Banken zu übertragen.

    Auch für die Bankenaufsicht stelle die Bewältigung der Coronakrise eine große Herausforderung dar. Sollten die Sondermaßnahmen zur Unterstützung der Institute zu früh zurückgenommen werden, können vermeidbare Schäden entstehen, warnte der Bundesbank-Vorstand.

    Andererseits werde der Strukturwandel aufgehalten und das Wachstumspotenzial für die Volkswirtschaft insgesamt verringert, wenn die Unterstützung zu lange dauere. „Das ist das Dilemma, in dem sich Geldpolitik und Bankenaufsicht gleichermaßen bewegen.“

    Sondermaßen zur Stützung der Institute

    Wuermeling, der vor seinem Wechsel zur Bundesbank Vorstand des Verbands der Sparda-Banken war, plädiert für einen maßvollen Ausstieg aus den Sondermaßnahmen zur Stützung der Institute. „Wir werden aber auch darauf achten, dass da nichts verschleppt wird.“. Je nach Maßnahme seien womöglich unterschiedliche Ausstiegszeitpunkte sinnvoll. „Für das Wiederauffüllen der Puffer wird es sicherlich mehr Zeit geben, als für das Auslaufen operationeller Erleichterungen vorgesehen ist.“

    Wie lange insgesamt die Hilfsmaßnahmen fortbestehen sollen, lasse sich wegen der anhaltenden Unsicherheiten allerdings derzeit nicht sagen.

    Auf den bevorstehenden endgültigen Brexit sieht Wuermeling Branche und Aufsicht gut vorbereitet: „Wir haben mit Blick auf den Brexit alles Erdenkliche erwogen und kommen – Stand heute – zu dem Ergebnis, dass keine weiteren Maßnahmen erforderlich sind.“

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    Vor Überraschungen sei man allerdings nie gefeit. „Das Ende der Brexit-Übergangsperiode kann aus unserer Sicht kommen, ohne dass dies zu schwerwiegenden Risiken für die Finanzstabilität führt.“ Großbritannien war Ende Januar offiziell aus der EU ausgetreten. Am 31. Dezember endet die Übergangsphase, in der das Königreich noch EU-Regeln anwenden muss.

    Mehr zum Thema: Erst Brexit, dann Corona: Der britische Sonderweg führt in die Irre

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