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Bundesbank-Vorstand Wuermeling Bundesbank erfüllt EZB-Ziele bei Anleihekäufen problemlos

Der Bundesbank-Vorstand berichtet im Interview von den Anleihekäufen der Bundesbank. Auch ein absehbares Ende stellt er in Aussicht.

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Der Bundesbank-Vorstand hält es für möglich, dass die EZB ihre Anleihenkäufe 2018 einstellen wird. Quelle: dpa

Frankfurt Die Bundesbank findet auch mehr als drei Jahre nach dem Start des billionenschweren Wertpapier-Kaufprogramms der EZB noch ausreichend Bundesanleihen. „Es gibt genug deutsche Anleihen, um das beschlossene monatliche Kaufvolumen zu erreichen“, sagte Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling der Nachrichtenagentur Reuters in einem Interview. Es sei nicht damit zu rechnen, dass es bei den noch bis mindestens Ende September angelegten Transaktionen zu Engpässen komme. „Da machen wir uns nicht die geringsten Sorgen zum gegenwärtigen Zeitpunkt.“

Zuletzt waren immer wieder Spekulationen aufgetreten, die Bundesbank könnte an die Obergrenzen für die Käufe stoßen, die von der EZB gesetzt wurden. Mit den Limits soll erreicht werden, dass die Euro-Notenbank die Märkte nicht zu stark verzerrt.

Die EZB und die nationalen Notenbanken der Euro-Länder erwerben seit März 2015 Staatsanleihen und andere Wertpapiere, um die Konjunktur anzuschieben und um für mehr Inflation zu sorgen. Angesichts des konjunkturellen Aufschwungs wurden ab diesem Januar die monatlichen Käufe auf 30 Milliarden Euro halbiert.

Zum Grundgerüst des EZB-Programms gehört der sogenannte Kapitalschlüssel. Er sorgt dafür, dass mehr Titel von Euro-Ländern erworben werden, die der EZB mehr Eigenkapital zur Verfügung stellen. Der Anteil der auf ein Land entfallenden Käufe spiegelt auch die jeweilige Wirtschaftskraft wider. Die Bundesbank erwirbt daher besonders viele deutsche Anleihen.

Vor allem bei Staatstiteln mache sich das geringere Kaufvolumen seit Januar bemerkbar. „Das hat aber nichts mit Knappheiten zu tun“, sagte Wuermeling. Die Programme zum Kauf von Unternehmensanleihen und Pfandbriefen würden jetzt in etwa auf dem ähnlichen Niveau gefahren wie vor der Verringerung des monatlichen Ankaufvolumens. Die Bundesbank habe auch nicht den Eindruck, dass durch die Käufe die Märkte zu stark verzerrt würden. „Natürlich bezweckt es das Programm, dass die Renditen insgesamt zurückgehen. Dieser Effekt wird auch erreicht.“

Markerwartungen, wonach die EZB ihre Käufe 2018 einstellen wird, bezeichnete der Bundesbank-Vorstand als „nicht ganz unbegründet“. Das Auslaufen bis Jahresende spiegele sich bereits weitgehend in den Kursen an den Finanzmärkten wider. „Würde das wider Erwarten nicht so kommen, wäre dies im Grunde genommen eine zusätzliche Lockerung der Geldpolitik.“

Die Bundesbank stand den Käufen stets kritisch gegenüber - unter anderem weil sie aus ihrer Sicht die Grenzen zwischen Fiskal- und Geldpolitik verwischen. „Insofern begrüßen wir ein zeitnahes Ende, zumal von den noch anstehenden Ankäufen kaum noch zusätzliche Wirkungen ausgehen“, sagte Wuermeling. Er wies zudem darauf hin, das auch nach dem Ende der Käufe auslaufende Anleihen durch den Erwerb neuer Titel ersetzt werden. „Das Re-Investitionsvolumen liegt in den kommenden zwölf Monaten durchschnittlich schon bei deutlich über zehn Milliarden Euro. Das ist eine nicht zu vernachlässigende Marktpräsenz.“

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