Bundestagswahlkampf 2017 Merkel will Löhne in Pflegeberufen zur Chefsache machen

Kanzlerin Merkel warnt vor einer Abwanderung des Pflegepersonals – und will die Löhne auf Industrieniveau anheben. SPD-Kanzlerkandidat Schulz wirft der CDU-Chefin nun vor, zu lange mit einer Reform gewartet zu haben.

„Arbeit mit Menschen ist genauso gut zu bezahlen wie Arbeit an den Maschinen.“ Quelle: Reuters

Berlin/GießenBundeskanzlerin Angela Merkel will die Löhne für Arbeit in den Pflegeberufen denen von Industrieeinkommen anpassen. „Arbeit mit Menschen ist genauso gut zu bezahlen wie Arbeit an den Maschinen“, sagte die CDU-Chefin am Donnerstag auf einer Wahlveranstaltung in Gießen. Daran müsse man schrittweise arbeiten. Zugleich kritisierte sie den Lohnunterschied in Pflegeberufen in Ost- und Westdeutschland. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz kritisierte, dass Merkel zwölf Jahre lang Zeit gehabt habe, die Pflege zur Chefsache zu machen.

In den vergangenen Tagen waren Defizite in der Pflege zeitweise zum Schwerpunkt im Wahlkampf geworden. Sowohl Merkel als auch Schulz hatten Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen und Löhnen für die Mitarbeiter in Pflegeberufen versprochen. Die große Koalition hatte bereits eine Neuberechnung des Patientenschlüssels, die Anhebung des Pflegebeitrages und eine Neuordnung der Pflegeausbildung beschlossen.

Merkel warnte im MDR während einer Fragerunde mit Radiohörern vor einer Ost-West-Kluft. „Das geht inzwischen zwischen den neuen Ländern und den südlichen alten Ländern wahnsinnig auseinander“, sagte sie. „Das wird gravierende Folgen haben, weil dann die jungen Menschen natürlich dort hingehen, wo besser bezahlt wird. Und das wird wiederum in den Regionen in den neuen Ländern, wo gerade so viele Ältere wohnen, dramatische Konsequenzen haben.“

Sie kündigte an, mit den Ministerpräsidenten und den Gesundheitsministern über das Problem zu reden.

„Dass Frau Merkel nach zwölfjähriger Kanzlerschaft - also sozusagen mit einer Schrecksekunde von zwölf Jahren - festgestellt hat, dass sie die Pflege zur Chefsache machen muss, das ist schon ein dreistes Stück“, kritisierte Schulz. Sie habe das Thema lange ignoriert. Die SPD wolle einen „Neustart“ in der Pflege und strebe mehr Pflegeplätze, ein besser ausgebildetes Personal und eine bessere Bezahlung an.

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