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CEO-Umfrage von PwC Banken fürchten Cyberattacken mehr als andere Branchen

54 Prozent der befragten Top-Banker sind „extrem besorgt“ über Gefahren aus dem Netz. Sie fürchten Hackerangriffe sogar mehr als Regulierung.

Die Angst vor Hackern ist groß. Quelle: dpa

FrankfurtDie Top-Manager von Banken und Kapitalmarktunternehmen zählen Cyberattacken zu den größten Bedrohungen für ihr Geschäft. Das geht aus der Branchen-Auswertung „Global CEO Survey“ 2018 der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC hervor.

54 Prozent der Befragten aus der Finanzbranche gaben an, dass sie über Cyber-Gefahren „extrem besorgt“ seien. Das ist ein überdurchschnittlich hoher Wert. Branchenübergreifend hatten nur 40 Prozent der Vorstandschefs diesen Punkt als so gefährlich eingestuft.

Die PwC-Umfrage basiert auf der Befragung von knapp 1.300 Führungskräfte aus allen Branchen. Aus dem Bereich Banken und Kapitalmarkt wurden weltweit 188 Top-Manager befragt.

Die IT-Sicherheit von Banken treibt auch die Politik um. Bestimmte Banken zählen in Deutschland zu den von der Regierung identifizierten „kritischen Infrastrukturen“. Dazu zählen Einrichtungen, „die von hoher Bedeutung für das Funktionieren des Gemeinwesens sind, weil durch ihren Ausfall oder ihre Beeinträchtigung erhebliche Versorgungsengpässe oder Gefährdungen für die öffentliche Sicherheit in Deutschland einträten“, wie die Finanzaufsicht Bafin schreibt. Verbunden ist der Status der kritischen Infrastruktur mit speziellen Auflagen.

Wie sehr die Cyber-Gefahren die Bankenchefs belasten, zeigt noch ein anderer Vergleich innerhalb der PwC-Umfrage: Cyber-Sicherheit hat sich mit 54 Prozent der Nennungen mittlerweile sogar noch vor die Dauerbrenner-Sorge Regulierung geschoben. Überregulierung bezeichneten „nur“ 51 Prozent der befragten Finanzmanager als Thema, das sie „extrem besorgt“. Es ist aber noch immer ein enorm hoher Wert, der darüber hinaus weit vor dem branchenübergreifenden Wert von 42 Prozent liegt.

„Dass die Regulierung auf der Agenda der Vorstandschefs weiterhin so weit oben steht, ist ein ungutes Zeichen“, sagt Burkhard Eckes, Leiter des Bereichs Banking & Capital Markets bei PwC Deutschland: „Die große Sorge vor Über-Regulierung begleitet die Banken schon seit der Finanzkrise.“ Aus seiner Sicht ist das gefährlich. Zehn Jahre nach der Finanzkrise stehe die Bankenbranche vor völlig neuen Herausforderungen.

Aus Sicht von Eckes wäre es an der Zeit, „dass die Banken guten Gewissens ihren Fokus von drohender Über-Regulierung hin zu anderen, wichtigen Themen verlagern können“. Als Beispiel nennt er die Digitalisierung und alles, was mit ihr zusammenhängt – „von Big Data über künstliche Intelligenz bis hin zu Cyber-Security“.

Er argumentiert damit ähnlich wie der Leiter des deutschen Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank, Asoka Wöhrmann. „Wir stecken so viel Geld in Regulierung wie wir für Digitalisierung ausgeben. Das ist schon Wahnsinn, diese beiden Themen zu besetzen“, sagte er vergangene Woche auf der Handelsblatt-Tagung Privatkundengeschäft. Allerdings räumt auch Wöhrmann ein, dass die Regulierung die Banken in gewisser Weise vor neuen Wettbewerbern aus dem Technologie-Bereich schützt, da sie eine hohe Eingangshürde für neue Anbieter bildet.

Vielleicht liegt es auch daran, dass die Furcht vor der digitalen Disruption derzeit mit Cyber-Security und Regulierung nicht ganz mithalten kann. Gerade einmal 42 Prozent der Finanzmanager fürchten schwere negative Folgen durch den rasanten technologischen Wandel. Das ist im Vergleich zu anderen Branchen ein nur leicht erhöhter Wert. Das ist nicht selbstverständlich. Schließlich drängen nicht nur junge Technologiefirmen, sondern auch die großen Internet-Giganten verstärkt in traditionelle Bankgeschäfte vor.

Das bedeutet nicht, dass die Banken das Thema Digitalisierung unterschätzen würden: Immerhin halten 76 Prozent der befragten Vorstandschefs die aktuellen technologischen Veränderungen für potenziell disruptiv. Und sogar 81 Prozent verweisen auf das disruptive Potenzial, das im Zuge des digitalen Wandels von Veränderungen im Kundenverhalten ausgeht.

Der PwC-Umfrage zufolge sind drei von vier Bankchefs unzufrieden mit der digitalen Expertise innerhalb ihres eigenen Instituts. Es ist aber nicht leicht, Abhilfe zu schaffen: Etwas mehr als die Hälfte der Top-Banker bezeichnet es als schwierig oder sehr schwierig, Talente von außerhalb zu gewinnen.

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