Chef-Gen entschlüsselt Was macht einen guten Manager aus?

Wer Führungskraft werden will, dem steht manch gefährliches Abenteuer bevor. Welche Fähigkeiten Manager brauchen, um diese Aufgabe erfolgreich zu bewältigen, hat jetzt eine Untersuchung entschlüsselt.

Zum Haare raufen: Zwei von fünf neuen Führungskräften versagen innerhalb der ersten zwei Jahre. Die Ursache dafür liegt meistens in gravierenden Fehlern während der ersten Jahre. Quelle: Getty Images

DüsseldorfWer den ersten Führungsjob übernimmt, begibt sich nicht selten auf unbekanntes Terrain zwischen Dienstvorschriften, Arbeitsrecht und Controlling. Überall lauern böse Fallen und es tauchen ständig unangenehme Überraschungen auf. Trotzdem haben viele Fachkräfte das Ziel, im Laufe ihrer Karriere eine Manager-Position zu erreichen. Doch nicht allen gelingt der Sprung in den Chefsessel: Wer nicht gut gerüstet und für den Job geeignet ist, geht schneller unter, als ihm lieb ist.

Was überall auf der Welt leider sehr häufig passiert, beschreibt der Autor Mario Naumann in seinem Management-Buch „Abenteuer Führung“ ganz passend so: „Vielleicht klingt es absurd: Ein Couch-Potato soll nach sechs Monaten Training seinen ersten Marathon laufen, ein Norddeutscher zur kommenden Saison den Mont Blanc besteigen oder ein Landbewohner beim nächsten Urlaub in der Tiefsee tauchen. Doch mit genau solchen Situationen ist es vergleichbar, wenn ein Mitarbeiter seine erste Führungsaufgabe übernimmt", so der Experte. „Meist erhält er das Angebot überraschend und es fehlt die Zeit, sich darauf vorzubereiten.“

Wird der exzellente Ingenieur dann plötzlich Produktionsleiter und der Projektleiter unvermittelt zum Leiter einer ganzen Geschäftseinheit, ist die Gefahr sehr groß, den Überblick zu verlieren und schon nach wenigen Monaten zu scheitern.

Doch keine Angst, das Überleben in diesem Führungsdschungel kann durchaus auch gelingen, denn es gibt Fähigkeiten, die das erleichtern. Niemand wird von Ihnen verlangen, wie Indiana Jones oder Luke Skywalker den großen Helden zu spielen. Was erfolgreiche Manager in Deutschland von anderen Mitarbeitern unterscheidet, hat gerade das kalifornische Technologie-Start-up Good&Co, eine Tochter der Jobplattform Stepstone, herausgefunden. Für die Studie wurden 20.000 psychometrische Profile deutscher Fach- und Führungskräfte ausgewertet. Das Ergebnis: Im Vergleich zu ihren Kollegen haben Chefs und erfolgreiche Manager hierzulande einfach mehr Durchsetzungsvermögen (plus 16 Prozent) und setzen sich lieber dem Wettbewerb aus (plus 21 Prozent).

Das alleine schon hilft ihnen, überhaupt erst eine Führungsposition zu erreichen und ein Team auch in schwierigen Situationen motivieren zu können. Ein größeres Selbstbewusstsein (plus 27 Prozent) sorgt zudem dafür, dass Führungskräfte auch mit Rückschlägen gut umgehen können. Mit der Fähigkeit, andere zu überzeugen (plus 16 Prozent), schaffen sie es, ihren Verantwortungsbereich erfolgreich zu leiten und Steine aus dem eigenen Karrierepfad zu räumen.


Ein Manager muss Kreativität zulassen

Bei den meisten Persönlichkeitsmerkmalen punkten Manager gegenüber Fachkräften ohne Führungsverantwortung besser. Mit Blick auf Kreativität zeigt sich jedoch ein anderes Bild – die Mitarbeiter sind deutlich kreativer als ihre Manager (plus 40 Prozent). Das spricht dafür, dass ideenreiche Menschen es schwerer haben, eine Führungsposition einzunehmen – oder diese gar nicht anstreben. Bei weniger kreativen Menschen scheint der Drang an die Spitze ausgeprägter zu sein.

„Ein Manager muss daher in der Lage sein, die Kreativität der Mitarbeiter zuzulassen und in konkrete Maßnahmen umzusetzen. Nur dann arbeiten Teams effizient zusammen“, erklärt Samar Birwadker, Gründer und CEO von Good&Co. „Das Manager-Gen liegt vor allem darin, Aufgaben zielstrebig anzugehen und das Ziel auch in schwierigen Lagen nicht aus den Augen zu verlieren.“

Britische Manager scheuen keine Herausforderungen

Allerdings haben deutsche Manager im Vergleich zu Managern aus anderen Ländern weniger Mut, neue Wege zu gehen. Ihre Kollegen aus Großbritannien und den USA liegen hier mit einem Plus von 34 beziehungsweise 32 Prozent deutlich vorn. Bei der Bereitschaft, Herausforderungen anzunehmen, stehen Manager des vereinigten Königreichs klar an der Spitze (18 Prozent vor deutschen Führungskräften).

Der derzeitige Erfolg der deutschen Wirtschaft und des Managements scheint in anderen Bereichen begründet zu sein: Während Führungskräfte aus den USA und Großbritannien nur wenig taktisch agieren, erzielen deutsche Manager in dieser Disziplin einen Spitzenwert (plus 34 Prozent).

Zudem zeigt die Analyse, dass alle Manager und Fachkräfte in Deutschland die Arbeit im Team höher bewerten. „Die Kombination aus Zielstrebigkeit und Teamorientierung spricht dafür, dass deutsche Manager den Erfolg ihrer Mitarbeiter in den Mittelpunkt stellen. Sie nutzen ihre Weitsicht, um ihren Mitarbeitern den Weg zu ebnen“, sagt Birwadker.

Über die Studie

Auf Basis von unterschiedlichen Quiz rund um die Themen Karriere und Persönlichkeit erstellt die Good&Co-App Stärkenprofile, die zum Beispiel mit den Ergebnissen von Kollegen verglichen werden können. Das Start-up hat im Juni 2017 mehr als 20.000 Datensätze von Fach- und Führungskräften in Deutschland ausgewertet und mit Profilen aus Großbritannien und den USA verglichen. Die Ergebnisse sind Werte auf einer offenen Skala, deren Verhältnisse zueinander in Prozentwerten angegeben sind.

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