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Christina Virzi Eine Headhunterin erklärt, welche Karriere-Fehler viele Frauen machen

Frauen machen den Fehler, Männer zu kopieren, sagt Headhunterin Christina Virzí. Sie erklärt, woran es liegt, wenn Frauen keine Karriere machen.

Die Personalberaterin hat sich mit ihrer gleichnamigen Firma auf die Vermittlung von Vorstands- und Aufsichtsratsmandaten spezialisiert. Zuletzt war sie geschäftsführende Gesellschafterin von Thorborg & Virzí. 2012 startete sie als Mitgründerin The Female Factor, eine Personalberatung für weibliche Management-Talente. Quelle: Presse

DüsseldorfIn deutschen Chefetagen sind Frauen immer noch unterrepräsentiert, wie mehrere Studien zeigen. Personalberaterin Christina Virzí hat sich mit ihrer gleichnamigen Firma auf die Vermittlung von Vorstands- und Aufsichtsratsmandaten spezialisiert. Im Interview erklärt sie, warum heutzutage nur wenige Frauen Karriere machen und was Unternehmen dagegen tun können.

Frau Virzí, warum finden immer noch so wenige Frauen den Weg in die Chefetagen? Schließlich haben Frauen bessere Schulabschlüsse und die Hälfte aller Studierenden sind weiblich.
Frauen drängen weniger offensiv in Führungspositionen, sondern wollen eher entdeckt werden. Es liegt aber auch an der Partnerwahl. Frauen ziehen sich gerne den Schuh an, Beruf und Familie alleine zu schultern.

Aber auch kinderlose qualifizierte Frauen starten nicht unbedingt im Management durch. Woran liegt das?
Ob Kinder oder nicht: Man muss es wirklich wollen. Dann ist auch Nachwuchs kein Karrierehindernis mehr.

Liegt es an den falschen Studienfächern?
Sicherlich auch an den Studienfächern. Gerade bei den Mint-Fächern gibt es noch einiges zu tun, um das Interesse von Frauen zu wecken. Der wesentliche Punkt ist aber, dass viele Frauen es schlichtweg nicht wollen. Wir brauchen mehr Frauen, die Ambition mitbringen, nach ganz oben zu kommen und die nötige Freude daran haben, Macht zu ergreifen.

Das klingt, als wären Frauen selbst schuld, wenn sie keine Karriere machen.
Frauen, die sich in einem Unternehmen erfolgreich behaupten wollen, müssen inhaltlich stark und persönlich dazu bereit sein, Führung zu übernehmen.

Stimmt der Eindruck, dass Frauen, die es nach oben schaffen, oft viel härter dafür arbeiten müssen als Männer?
Das ist ein Klischee, das in den Köpfen vieler Frauen und Männer verankert ist.

Welche Fehler begehen Frauen, die Karriere machen wollen?
Viele haben einen überzogenen Anspruch an Perfektion. Und sie versuchen, Männer zu kopieren.

Im Management sind aber doch typisch männliche Attribute wie Durchsetzungsstärke gefragt. Müssen sich Frauen letztlich nicht an männliches Gebaren anpassen, um Erfolg zu haben?
Auf keinen Fall. Gute Manager sind vor allem eines: authentisch. Jeder hat seinen eigenen Führungsstil – egal ob Frau oder Mann.

Warum sollten Unternehmen Frauen im Führungsteam haben?
Diversifikation schafft unternehmerischen Mehrwert. Vielfalt in den Entscheidungsgremien führt zu besseren Ergebnissen. Das belegen auch zahlreiche Studien.

Was müssen Unternehmen konkret tun, damit sie in fünf bis zehn Jahren mehr Frauen in der Führungsetage haben?
Hier gilt: Mut zur Courage. Wichtig ist, Frauen gezielt die Bühne zu geben, damit sie Vorstandspräsenz bekommen. Bei der Personalsuche setze ich aber auch auf internationale Talente und solche Profile, die nicht unbedingt aus der jeweiligen Branche kommen, sondern vielmehr Expertise in das Unternehmen einbringen, die im Zuge einer Transformation dringend benötigt wird.

Welche Tipps geben Sie Frauen auf dem Weg nach oben?
Wer Gipfel besteigen will, darf nicht zögern, braucht Courage und muss sich das nehmen, was nötig ist. Auch die Partnerwahl ist dabei entscheidend – also ein Partner auf Augenhöhe, der sich genauso für das Privatleben verantwortlich fühlt.

Frau Virzí, vielen Dank für das Interview.

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