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Coin & Co. – Die Krypto-Kolumne Der typische Bitcoin-Anleger ist männlich, jung und zockt – das ist ein Problem

Wer besitzt Bitcoins: Hacker? Nerds? Steuerflüchtlinge? So langsam wissen wir mehr über den typischen Anleger. Und der ist ein Problem.

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Bitcoin und Co.: Wie die Stuttgarter Börse den Krypto-Markt angreift Quelle: picture alliance / Hans Ringhofe

Düsseldorf Wohin steuert der Bitcoin, und mit ihm die vielen anderen Kryptowährungen? Einschätzungen, Hintergründe und Anekdoten gibt es immer freitags von den Handelsblatt-Redakteuren Astrid Dörner, Felix Holtermann und Frank Wiebe in unserer neuen Krypto-Kolumne „Coin & Co.“. Heute Teil 9: Wie der typische Bitcoin-Investor aussieht.

Er war lange ein Mysterium, der Bitcoin-Nutzer. Zu Beginn als Hackerwährung verschrien, als Geld für dunkle Geschäfte, brachte die virtuelle Münze auch ihre Anleger in Verruf. Standen sie zunächst unter dem Verdacht, Kriminelle zu sein oder Nerds mit zweifelhafter Sozialkompetenz, galten sie später als Steuerflüchtlinge, die vermeintlich anonym Geld außer Landes schafften, oder gleich als manische Zocker.

Nach der Kursexplosion und dem Einstieg von Millionen von Neuinvestoren im Jahr 2017 war klar: So einfach ist es nicht. Zu den überzeugten Krypto-Investoren gehören heute auch unbescholtene Nachbarn, Kolleginnen und Familienmitglieder. Sogar die eigene Mutter fragt zuweilen, ob man „bei diesem Bitcoin nicht auch einstiegen“ sollte. Die massenhafte Verbreitung kennt scheinbar kein Halten mehr: Bitcoin und Co. sind ein Massenphänomen. Oder?

Während wir uns immer besser mit der Blockchain-Technologie, virtuellen Börsengängen und den verschiedenen Bitcoin-Ablegern auskennen, ist der zentrale Spieler der Krypto-Welt, der Anleger, noch immer ein unbekanntes Wesen. Eine Untersuchung der Börse Stuttgart erlaubt nun erste Rückschlüsse.

Eine Tochterfirma der deutschen Privatanleger-Börse hat hierfür 1018 Internetnutzer befragt. Zwar ist die Studie nicht repräsentativ, doch sind Privatanleger mit Börsenwissen überdurchschnittlich vertreten: Drei Viertel haben bereits mit Wertpapieren gehandelt, kennen sich also besser mit Finanzthemen aus, als der Durchschnittsbürger. Und ein Drittel der Teilnehmer besitzt schon einen Account bei Krypto-Plattformen.

Aufschlussreich ist auch, was die Krypto-Anleger über sich selbst verraten. Die wichtigsten Fakten:

  • Die Mehrheit ist männlich.

    Während nur gut zehn Prozent der Frauen in Kryptowährungen investiert haben, sind es über 40 Prozent der Männer.

  • Die Mehrheit ist jung.

    Von den unter 35-Jährigen hat knapp die Hälfte in Kryptowährungen investiert, von den über 35-Jährigen nur knapp ein Fünftel.

  • Die Mehrheit beschränkt sich nicht auf Bitcoin.

    Fast zwei Drittel der Krypto-Anleger handeln mit drei und mehr Währungen.

  • Die Mehrheit schichtet häufig um.

    Knapp die Hälfte der Krypto-Anleger handelt monatlich, gut ein Fünftel wöchentlich, knapp ein Zehntel täglich und zwei Prozent sogar noch häufiger. Junge männliche Krypto-Anleger sind bei den „Hochfrequenzhändlern“ überproportional vertreten.

Knapp könnte man also sagen: Der typische Bitcoin-Anleger ist männlich, jung und zockt gerne. Weibliche, ältere und besonnenere Anleger machen häufiger einen Bogen um den Markt.

Ist das ein Problem? Nun könnte man ja argumentieren, dass die „jungen Wilden“ einfach viel besser das Potential der Blockchain-Technologie und der auf sie basierenden Währungen verstanden haben und daher so enthusiastisch eingestiegen sind. Sind die zockenden Jungs also schlicht klüger? Die Stuttgarter Untersuchung legt das nicht unbedingt nahe.

  • Viele Krypto-Anleger zeigen klassisches Herdenverhalten:

    Die Eröffnung neuer Krypto-Accounts korrespondiert über die Jahre mit dem Bitcoin-Preis und explodiert 2017.

  • Viele Krypto-Anleger bewegen sich in einer Blase.

    Über 70 Prozent informieren sich in Onlineforen über den Markt, knapp 55 Prozent auf Blogs und in sozialen Medien.

  • Viele Krypto-Anleger blenden Risiken aus.

    Am enthusiastischsten bewerten ausgerechnet die Befragten die Zukunft des Krypto-Markts, die zwar Kryptowährungen handeln, aber sonst noch nie mit Finanzprodukten in Berührung gekommen sind. Auf der anderen Seite diagnostizieren erfahrene Börsenanleger, die gleichzeitig nicht am Krypto-Markt investiert sind, am häufigsten eine Preisblase.

Der typische Bitcoin-Anleger ist damit nicht nur männlich, jung und ein veritabler Zocker, sondern – sollten sich die Stuttgarter Ergebnisse in einer repräsentativen Untersuchung bestätigen – auch noch erschreckend grün hinter den Ohren, was das Wissen über den Finanzmarkt angeht.

Auch wenn sich die Rückschlüsse der Untersuchung aufgrund des kleinen Befragtenkreises nur begrenzt verallgemeinern lassen, könnten sie auf ein grundsätzliches Problem des Kryptomarktes hindeuten: Er zieht offenbar die falschen Anleger an. Zumindest für diejenigen Investoren, die nach dem Boomjahr 2017 auf eine verlässlichere Marktentwicklung gehofft hatten, sind das schlechte Nachrichten.

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