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Coin & Co. - Die Krypto-Kolumne Die Blockchain Revolution fällt anders aus gedacht

Die „Blockchain Week“ hat bewiesen: Die Blockchain ist schneller erwachsen geworden als es vielen in der Krypto-Szene lieb gewesen wäre.

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Trotz regelmäßiger Kursverluste ist der Bitcoin bei Anlegern nach wie vor gefragt. Quelle: dpa

New York Wohin steuert der Bitcoin, und mit ihm die vielen anderen Kryptowährungen? Einschätzungen, Hintergründe und Anekdoten gibt es jede Woche von den Handelsblatt-Redakteuren Astrid Dörner, Felix Holtermann und Frank Wiebe in unserer neuen Krypto-Kolumne „Coin & Co.“. Heute Teil 17: Die andere Revolution.

Eine Woche lang hat sich die Krypto-Welt in New York gefeiert. Die „Blockchain Week“, die am Samstag zu Ende geht, lockte knapp 10.000 Unternehmer, Investoren und Visionäre an, um die neusten Innovationen vorzustellen, Kooperationen zu verkünden und neue Start-ups bekannt zu geben. Es war ein rauschendes Fest, dem anhaltenden Bärenmarkt bei den Kryptowährungen zum Trotz.

Die Botschaft ist klar: Die Blockchain-Revolution, sie ist in vollem Gang. Doch wer sich die Reden und die Sponsoren der Blockchain-Konferenz anschaut, dem wird ebenso klar: Die Revolution fällt anders aus als ursprünglich gedacht. Bitcoin, die nach Marktwert größte Kryptowährung, entstand 2008 als Reaktion auf die Finanzkrise und den Vertrauensverlust in große Banken und Notenbanken.

Die virtuelle Währung, mit der Nutzer ohne den Einsatz von Banken als Mittler Geld hin und her schicken können, sollte die klassischen Finanzinstitute überflüssig machen. Das Vertrauen für solche Transaktionen ist – dank Blockchain-Technologie, bereits einprogrammiert. Doch diese ursprüngliche Version vom immer noch unbekannten Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto ist in weite Ferne gerückt.

Banken, Unternehmensberater und Großkonzerne, alle sind sie aufgesprungen auf den Blockchain-Trend, investieren Milliarden, um ihre alten Systeme umzurüsten auf dezentrale Datenbanken, um mit der Blockchain alle möglichen Transaktionen schneller, einfacher und sicherer zu machen.

Amerikas größte Bank, JP Morgan Chase, hat sich ein „Blockchain Center of Excellence“ geschaffen. Die australische Börse stellt ein Teil ihrer Systeme gerade auf die Blockchain-Technologie um. Goldman Sachs hat den ersten Krypto-Händler eingestellt, der Geschäftsmöglichkeiten rund um die virtuellen Währungen ausloten soll.

Selbst Amazon Web Services, die Cloud-Computing Sparte des Online-Kaufhauses, ist ins Geschäft mit Blockchains eingestiegen. Gemeinsam mit dem Beratungshaus Consensys werden künftig Blockchain-Plattformen für Unternehmenskunden angeboten. Und selbst Facebook experimentiert mit der Blockchain-Technologie.

Das hat nichts mehr mit der ursprünglichen revolutionären Idee zu tun. Die Blockchain ist schneller erwachsen geworden als es vielen in der Krypto-Szene lieb gewesen wäre. Das heißt nicht, dass nicht eines Tages eine neue, auf Blockchains basierte Finanz-App auftauchen und der Wall Street ernsthaft Konkurrenz machen könnte. Es gibt immerhin schon ein kleines, aber schnell wachsendes Krypto-Finanzsystem, das im Schatten der Wall Street entstanden ist.

Krypto-Börsen, Wallets (das Pendant zu Konten) und Kreditanbieter haben sich etabliert, über die Nutzer ihre Coins beleihen können. Es gibt Futures, Optionen und Fonds, auf die Kryptowelt spezialisierte Hedgefonds und virtuelle Börsengänge, sogenannte Initial Coin Offerings. Bislang macht das jedoch nur einen Bruchteil der klassischen Finanzwelt aus. Bis Satoshis ursprüngliche Revolution stattfindet – falls das überhaupt geschieht – ist es noch ein langer Weg.

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