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Coin & Co. – Die Krypto-Kolumne Die Zeit des Bitcoin ist abgelaufen

Der Bitcoin hat einst das gesamte Kryptowesen nach vorne gebracht. Jetzt ist er nur noch eine Belastung und zu nichts nütze.

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Die Handelsblatt-Kryptokolumne.

Frankfurt Wohin steuert der Bitcoin, und mit ihm die vielen anderen Kryptowährungen? Einschätzungen, Hintergründe und Anekdoten gibt es jede Woche von den Handelsblatt-Redakteuren Astrid Dörner, Felix Holtermann und Frank Wiebe in unserer neuen Krypto-Kolumne „Coin & Co.“. Heute Teil 10: Das Ende der Bitcoin-Ära.

Wir sollten es uns endlich eingestehen: Bitcoins sind ein gescheitertes Projekt. Der immense Energieverbrauch ist einfach nicht mehr zu verantworten. Die Hälfte des gesamten isländischen Energieverbrauchs geht für ein Bezahlsystem drauf, mit dem kaum jemand bezahlt, das auch nicht wirklich gut funktioniert. Das ist schon nicht mehr lustig. Und Island ist nur einer von vielen Standorten.

Es kann doch nicht sein, dass wir aus Klimaschutzgründen sparsame Autos entwickeln, unsere Häuser dämmen, vielleicht sogar auf den Genuss von Rindfleisch und auf Fernreisen mit dem Flugzeug verzichten, während auf der anderen Seite für das Mining von Bitcoins stromfressende Großanlagen betrieben werden, die eigentlich niemand braucht.

Die Chinesen wollen die Miner loswerden – das ist auch gut so. Wir sollten den Hashtag #forgetbitcoin einführen, um zu verhindern, dass die Branche jetzt einfach woanders weitermacht wie bisher.

Das Argument, in Island gebe es genügend erneuerbare Energie, zählt nicht. Diese Energie könnte zum Beispiel für andere Rechenzentren genutzt werden, die einen echten Nutzen stiften. Auf lange Sicht gibt es für Energie immer sinnvolle Verwendung. Daher sollte man auf sinnlose Anwendungen wie den Bitcoin verzichten.

Dennoch: Auch wenn es das Energieproblem nicht gäbe, wären Bitcoins immer noch ein schlecht funktionierendes System. Dann wäre es allerdings egal, weil es ja auch keinen Schaden anrichtet.

Wie manch andere gescheiterten Projekte haben Bitcoins auch eine Menge Nutzen gestiftet. Nur durch sie ist die zugrundeliegende Technik, die Blockchain, bekannt geworden, für die zurzeit zahlreiche Anwendungen im Gespräch sind.

Außerdem hat der vorübergehende Höhenflug der Bitcoins die Entwicklung vieler anderer Kryptowährungen und Systeme wie etwa Ethereum beflügelt. Diese haben möglicherweise mehr Chancen auf Erfolg. Dieser Nutzen ist nun jedoch ein Stück weit dahin. Die Unsinnigkeit der Bitcoins schadet dem gesamten Blockchain- und Kryptowesen eher als ihm zu nützen.

Ein zentrales Problem bei Bitcoins ist, dass sie kaum weiterentwickelt werden können. Ihre Dezentralität sollte der große Vorteil sein, führt aber de facto dazu, dass Innovation kaum möglich ist. Bei Ethereum ist die Chance größer. Die Entwickler haben daher auch versprochen, noch in diesem Jahr eine Version ohne wahnsinnigen Energieverbrauch zu präsentieren. Wir werden sehen, ob sie es schaffen.

Es wird Zeit, dass die Kryptobranche erwachsen wird. Doch Bitcoins werden nie aus der Pubertät herauskommen.

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