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Coin & Co. – Die Krypto-Kolumne Wie die Blockchain die Politik besser machen kann

Politiker und Aufseher diskutieren derzeit zu wenig darüber, wie die Politik die Blockchain für sich nutzen kann. Ein Fehler.

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Die Handelsblatt-Kryptokolumne.

New York Wohin steuert der Bitcoin, und mit ihm die vielen anderen Kryptowährungen? Einschätzungen, Hintergründe und Anekdoten gibt es immer freitags von den Handelsblatt-Redakteuren Astrid Dörner, Felix Holtermann und Frank Wiebe in unserer neuen Krypto-Kolumne „Coin & Co.“. Heute Teil 13:

Keine Frage: Politiker und Aufseher sind aktiv geworden, wenn es um das Thema Blockchain geht. Egal ob in Europa, den USA oder in Asien, überall werden wichtige Fragen diskutiert: Wie muss man Kryptowährungen besteuern? Wie kann man Betrügern illegale Transaktionen nachweisen? Welche Regeln müssen für virtuelle Börsengänge, sogenannte Initial Coin Offerings, gelten? Eine Frage wird jedoch fast nie gestellt: Wie kann die Politik die Blockchain für sich nutzen?

Ein Kandidat in den USA will das ändern. Brian Forde ist ein Demokrat aus Kalifornien, der um einen Sitz im US-Repräsentantenhaus kandidiert. Der 37-Jährige wird in den Medien gern „der Kryptokandidat“ genannt. Denn als einer der wenigen akzeptiert er Wahlkampf-Spenden unter anderem in Bitcoin und Ether. Und: Er ist einer der wenigen, vielleicht der Einzige im gesamten Kongress, der die komplexe Technologie und ihr  Potenzial versteht.

Forde ist Programmierer und verantwortete den Bereich Digitalwährungen im Media Lab des renommierten Massachusetts Insitute of Technology. Zuvor hat er US-Präsident Barack Obama in Technologie-Fragen beraten. Er war es auch, der dem Präsidenten 2015 erklärte, was Kryptowährungen sind.

Kein Wunder, dass Forde einflussreiche Geldgeber hinter sich hat. Der Krypto-Hedgefonds-Manager Michael Novogratz gehört dazu, ebenso wie Brad Burnham vom Risikokapitalgeber Union Square Ventures und die Winklevoss-Zwillinge, die Facebook mitgegründet haben und heute die New Yorker Kryptobörse Gemeni betreiben.

Sicher, Forde wäre, wenn er gewählt wird, nur einer von 435 Abgeordneten. Viel zu wenig, um wirklich etwas zu bewegen. Doch es wäre ein Anfang. Ein Anfang auch in der Frage, wie Politiker die Blockchain-Technologie für sich nutzen können.

Sie könnten zum Beispiel die Wähler in ihrem Wahlkreis mit einer bestimmten Anzahl Tokens versorgen. Mit diesen Tokens könnten die Wähler über wichtige Fragen abstimmen. Der Abgeordnete wüsste dann, was jenen Menschen wichtig ist, die er vertritt.

Das heißt nicht, dass er sich immer der Mehrheitsmeinung anschließen muss. Es ist schließlich keine bindende Abstimmung. Doch es würde ihm ein besseres Gespür und seinen Wählern das Gefühl geben, ihre Meinung schnell und unkompliziert zum Ausdruck zu bringen.

Auch Geldgeber könnten mit einer separaten Art von Tokens ausgestattet werden. Je höher die Wahlkampfspende, desto mehr Tokens gibt es. Damit können sie beeinflussen, zu welchen Themen ein Kandidat Stellung beziehen muss. Es hätte den Vorteil, dass die Spenden auf der Blockchain festgehalten werden – man könnte also relativ einfach nachvollziehen, wer wie viel gespendet hat und für wen.

Dies sind freilich nur erste Ideen – wie bei allem rund um das Thema Blockchain stehen wir noch ganz am Anfang. Doch es lohnt sich, jetzt schon über die Möglichkeiten nachzudenken, während sich die Branche und deren Regulierungsvorschriften formen.

Für Forde ist es noch ein weiter Weg in den Kongress. Am 5. Juni sind die Vorwahlen, die er erste einmal gewinnen muss, um als Kandidat der Demokraten aufgestellt zu werden. Die eigentliche Wahl ist dann am 6. November.

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