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Coronakrise Kurzarbeitsmodell 'Made in Germany' bewährt sich in Europa

35 Millionen Menschen waren in den fünf größten Volkswirtschaften der Euro-Zone wegen der Coronakrise in Kurarbeit. Das Instrument hat sich bewährt.

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Das Modell ist nicht nur in Deutschland erfolgreich. Quelle: imago images/osnapix

Das als Kriseninstrument bewährte deutsche Modell der Kurzarbeit hat in der Corona-Pandemie in Europa Schule gemacht und die trudelnde Wirtschaft stabilisiert. Dies geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der Europäischen Zentralbank (EZB) hervor.

Schätzungsweise mehr als 35 Millionen Arbeitnehmer seien in den fünf größten Volkswirtschaften der Euro-Zone auf dem Höhepunkt der Krise in Kurzarbeit gewesen. Dies sei einer der Gründe, warum die Arbeitslosenquote im April in den Staaten der Währungsunion mit 7,3 Prozent nur halb so hoch wie in den USA gewesen sei.

Die deutsche Kurzarbeit hatte sich bereits in der Finanzkrise als Mittel bewährt, die Rezession abzufedern. Denn viele Unternehmen konnten so mit staatlicher Hilfe einen Großteil ihrer Belegschaft auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten halten. Deutschland kam damals schneller aus der Rezession als viele andere Staaten.

Nun kommt die EZB zu dem Schluss, dass dieses Modell auch in der Coronakrise die Wirtschaft stabilisiert hat. So hätten die Haushalte in der Euro-Zone ohne solche Programme auf dem Höhepunkt der Corona-Eindämmungsmaßnahmen 22 Prozent ihrer Arbeitseinkommen verloren. Tatsächlich seien jedoch nur rund 7,0 Prozent verloren gegangen.

Die Coronakrise trieb in Deutschland die Arbeitskosten so stark in die Höhe wie noch nie. Je geleisteter Arbeitsstunde zogen sie im ersten Quartal um 4,3 Prozent zum Vorjahreszeitraum an. Dies ist die größte Anstieg sei Beginn der Datenerhebung 1996. „Wir sehen gute Voraussetzungen dafür, dass der Effekt auf Arbeits- und Lohnstückkosten auch in der Coronakrise nur kurzfristig sein wird“, sagte Sebastian Dullien, Direktor des Instituts IMK der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. „Der lange, binnenwirtschaftlich fundierte Aufschwung hat die öffentlichen Kassen gut gefüllt.“ Der Staat nutze nun seinen Spielraum, indem er Unternehmen von Sozialabgaben in der Kurzarbeit entlaste.

Doch die Allianz-Volkswirte warnen, dass sich Millionen durch Kurzarbeit vorübergehend geschützte Arbeitsstellen als „Zombie-Jobs“ und somit als nicht dauerhaft erweisen könnten. Sie zählen dazu beispielsweise Jobs in der Industrie, in der Hotellerie, im Einzelhandel oder auch in der Unterhaltungsbranche. Dort sei nicht zu erwarten, dass das Vorkrisenniveau vor Ende 2021 erreicht werde. „Wir gehen davon aus, dass in den fünf größten europäischen Volkswirtschaften neun Millionen Arbeitnehmer oder 20 Prozent der derzeitigen Kurzarbeiter einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, ihren Arbeitsplatz 2021 zu verlieren“, prognostizieren die Allianz-Experten. Es müsse rasch gehandelt werden, um eine verzögerte Welle der Massenarbeitslosigkeit abzuwenden.

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