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Coronakrise „Tiefpunkt durchschritten“: Deutsche Industrie mit kräftigem Auftragsplus

Die Industrie hat unter der Coronakrise sehr gelitten. Quelle: dpa

Nach dem Tiefpunkt im April hat sich die deutsche Industrie wieder etwas erholt. Das wirtschaftliche Umfeld bleibe laut Wirtschaftsministerium aber schwierig.

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Nach einem Rekordrückgang auf dem Höhepunkt der Coronakrise füllen sich die Auftragsbücher der deutschen Industrie wieder. Die Bestellungen zogen im Mai um 10,4 Prozent an, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Montag mitteilte. Von Reuters befragte Volkswirte hatten mit einem Plus von 15,0 Prozent gerechnet, nach minus 26,2 Prozent im April.

„Die jüngsten Daten zu den Auftragseingängen sprechen dafür, dass die Industrierezession ihren Tiefpunkt durchschritten hat“, erklärte das Ministerium. „Das nach wie vor niedrige Orderniveau zeigt aber auch, dass der Aufholprozess noch lange nicht abgeschlossen ist.“ Der vergleichsweise geringe Zuwachs aus dem nichteuropäischen Ausland deute zudem darauf hin, dass das weltwirtschaftliche Umfeld zunächst schwierig bleibe.

Die Aufträge aus dem Inland kletterten im Mai um gut zwölf Prozent zum Vormonat und die Bestellungen aus dem Ausland um knapp neun Prozent. Dabei legten die Aufträge aus der Euro-Zone um fast 21 Prozent zu, während die aus dem restlichen Ausland nur um zwei Prozent zulegten.

Alexander Krüger, Chefökonom beim Bankhaus Lampe, sagt: „Das Ende des Lockdowns hat die Wirtschaft belebt. Es kommt daher wenig überraschend, dass Aufträge wieder vergeben wurden. Dies ist ein Anfang, mehr nicht.“ Über die Stärke der Konjunkturerholung sage der Auftragszuwachs nichts aus.“

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei VP Bank Liechtenstein sagt, das Ende der Fahnenstange sei noch nicht erreicht. „Auch in den kommenden Monaten dürften sich die Unternehmen weiterhin über ein höheres Bestellvolumen freuen. Mehr Bestellungen heißt gleichzeitig mehr Produktion und mehr Beschäftigung. Das ist eine gute Nachricht für alle Arbeitnehmer, die von Kurzarbeit betroffen sind.“

Die guten Daten sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Krise längst noch nicht abgeschüttelt ist. Die Corona-Pandemie mache ein rasches Zurück zu den Ausgangsniveaus vorerst nicht möglich. Auch wenn nun Aufholprozesse starteten, werde eine Lücke zu den ursprünglichen Produktionsniveaus verbleiben.

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