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Daimler-Chef Zetsche beim Handelsblatt Auto-Gipfel 2017 Trump als Risiko für deutsche Autobauer

Daimler-Chef Dieter Zetsche sieht die Wirtschaftspolitik des US-Präsidenten Donald Trump als Risiko für die deutsche Autoindustrie. Knapp ein Jahr nach Trumps Wahl sei die „Beklommenheit“ nicht so ganz gewichen.

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Daimler-Chef Dieter Zetsche im Gespräch mit Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Stuttgart Die Wirtschafts- und Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump ist nach Einschätzung von Daimler-Chef Dieter Zetsche ein Risiko für die deutsche Autoindustrie. „Bisher hat sich das nicht negativ auf unser Geschäft ausgewirkt“, sagte Zetsche am Dienstagabend beim Auto-Gipfel des Handelsblatts. „Aber selbstverständlich ist das auch ein Risiko.“

Trump kritisiert die Autoimporte vor allem der deutschen Hersteller als unfairen Handel. Ziel seiner Wirtschaftspolitik ist, die heimische Industrie zu bevorzugen. So stellt er auch das Freihandelsabkommen mit Mexiko in Frage – das Land ist ein wichtiger Produktionsstandort auch der deutschen Autobauer für Fahrzeuge, die in den USA verkauft werden. Knapp ein Jahr nach Trumps Wahl sei die „Beklommenheit“ in der deutschen Autoindustrie nicht so ganz gewichen, sagte Zetsche.

Zetsche sprach auch über die Kartellvorwürfe in der deutschen Autoindustrie: Ein großer Teil der kartellverdächtigen Absprachen in der Autoindustrie haben nach Worten von Daimler-Chef Dieter Zetsche den Kunden genützt und nicht geschadet. „Am Ende des Tages ist das nicht von mir zu befinden, ich bin ein Ingenieur und kein Kartellamtsspezialist. Ich weiß aber, dass es in erster Linie um Standards und ähnliche Fragen ging, die am Ende dem Kunden nutzen, weil es um Effizienzen geht“, sagte Zetsche am Dienstag auf dem Auto-Gipfel des Handelsblatts in Stuttgart. Dass Daimler die Vorgänge als Kronzeuge bei den Wettbewerbshütern gemeldet habe, sage nichts darüber aus, wie der Konzern die Rechtslage sehe. Namhafte Kartellspezialisten seien jedenfalls der Meinung, es habe sich nicht um ein Kartell gehandelt, ergänzte Zetsche.

Daimler hatte vergangene Woche erstmals bestätigt, als Kronzeuge über die Absprache-Praxis mit BMW, Volkswagen, Audi und Porsche die Kartellbehörden informiert zu haben. Beamte der EU-Kommission sichteten bei „Nachprüfungen“ nach Angaben der Unternehmen in den vergangenen Tagen Unterlagen bei BMW, Daimler und VW. Die EU-Kommission bestätigte lediglich Durchsuchungen bei mehreren Autobauern, nannte aber keine Namen. Sie verwies erneut darauf, dass Inspektionen ein erster Schritt in den Ermittlungen seien und nicht bedeuteten, dass sich ein Unternehmen etwas zu Schulden habe kommen lassen.

Die Kartellvorwürfe waren im Sommer publik geworden. Damals berichtete der „Spiegel“, dass sich die fünf führenden Automarken seit den 90er-Jahren rechtswidrig in geheimen Arbeitskreisen über Fahrzeugtechnik, Kosten, Zulieferer, Märkte und Strategien abgestimmt hätten. Absprachen über technische Standards sind in der Automobilindustrie durchaus üblich. Die Frage ist, inwieweit dabei womöglich gegen Wettbewerbsrecht verstoßen wurde. Zetsche wies darauf hin, dass sich die Behörden etwa zwei Jahre, nachdem sie von den Vorgängen Kenntnis erhielten, noch keine Meinung gebildet hätten. Es sei deshalb eine „Diskrepanz“, wenn in den Medien vom größten Autokartellskandal seit dem Zweiten Weltkrieg die Rede wäre.

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