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Daten der Bundesbank Bargeldbestände deutscher Banken sind so hoch wie nie

Hinter den hohen Bargeldbeständen dürften auch die Negativzinsen der EZB stehen. Quelle: dpa

Unterm Strich belief sich der Kassenbestand der Kreditinstitute im Dezember auf etwa 47,5 Milliarden Euro. Das dürfte auch eine Folge der Negativzinsen sein.

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Noch nie waren die Bargeldbestände deutscher Banken zum Ende eines Jahres so hoch wie 2020. Dahinter dürften auch die Negativzinsen der Europäischen Zentralbank stehen.

Unterm Strich belief sich der Kassenbestand der Kreditinstitute im Dezember auf etwa 47,5 Milliarden Euro, wie aus vorläufigen Daten der Bundesbank hervorgeht.

Das entspricht einer Verdreifachung gegenüber Ende Mai 2014, dem Monat vor Einführung des negativen Einlagensatzes. Diesen können die Banken umgehen, wenn sie die Gelder ihrer Kunden beispielsweise in Tresoren lagern statt diese bei der Zentralbank zu parken.

„Dass Banken ihr Geld trotz der damit verbundenen Umstände lieber im Tresor als bei der EZB halten, ist eine groteske Folge der Negativzinspolitik“, sagte Andreas Schulz, Chef der Mittelbrandenburgischen Sparkasse. Oliver Mihm, Chef der Frankfurter Bankenberatung Investors Marketing, sieht die Zinspolitik ebenfalls als „zentralen Treiber der hohen Kassenbestände“.

Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken wies darauf hin, dass im März und April 2020 wegen der Pandemie mehr Bargeld in Automaten vorgehalten wurde, das habe sich jedoch wieder beruhigt.

Derzeit müssen die deutschen Banken, die ohnehin schon unter niedriger Profitabilität leiden, insgesamt rund 4 Milliarden Euro an Negativzinsen zahlen, hochgerechnet auf ein Jahr und nach Abzug von Freibeträgen. Diese Summe hat der Bundesverband deutscher Banken errechnet, der die Interessen von Instituten wie Deutsche Bank und Commerzbank vertritt.

Hinter der Geldschwemme, um die sich die Banken kümmern müssen, steht nicht zuletzt auch die hohe Sparneigung der Bundesbürger, die einen großen Teil ihrer Einkünfte auf dem Konto liegen lassen, anstatt in Wertpapiere zu investieren. Laut DZ Bank machen Bargeld und Einlagen mit fast 41 Prozent den größten Teil ihres Vermögens aus. Nur etwa 7 Prozent sind in Aktien investiert.

Der DZ Bank zufolge ist das Geldvermögen der deutschen Privathaushalte trotz Corona im vergangenen Jahr auf rund 7,1 Billionen Euro gestiegen, ein Plus von 6 Prozent im Vergleich zu 2019. Das liege an einer historisch hohen Sparquote von 16 Prozent und daran, dass die Einkünfte auch im Jahr der Pandemie kaum gesunken seien.

„Corona hat diesen Effekt verschärft, weil Menschen bei höherer Unsicherheit zu Konsumzurückhaltung neigen und die Konsummöglichkeiten ohnehin eingeschränkt sind“, sagte Schulz.

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