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David Swensen An der Spitze der Ivy League

Der Chef der Yale-Stiftung hängt die Konkurrenz der anderen Eliteuniversitäten durch ausgefeilte Anlagestrategien ab. Das hat Swensen auch Kritik eingebracht. Sogar der bekannte Milliardär Warren Buffett äußerte sich.

„Nachdem ich 15 Jahre bei der Stiftung war, haben die Menschen begonnen, meinen Anlagestil als ,Yale-Modell' zu zitieren.“ Quelle: DRIELY SCHWARTZ VIEIRA/The New Y/Redux/laif

FrankfurtEr sieht nicht aus wie ein Alphamann. Schlank, graues, leicht schütteres Haar und eine Lesebrille auf der Nasenspitze, um seine Notizen zu entziffern – so präsentiert David Swensen sich auf einer Konferenz in Frankfurt. Und doch steht der Chef der legendären Yale-Stiftung für „alpha“: So nennen Fachleute den Anteil der Rendite, der durch aktives Management entsteht.

Während rundherum das passive Investment gefeiert wird, bei dem Anleger ihr Geld einfach in einen vorgegebenen Index stecken, hält Swensen daran fest, dass sich mit System und Intelligenz überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen lassen. Wenn man es richtig macht.

Swensen ist ein zurückhaltender Mensch. Er spielt Softball, eine weiche Variante des Baseball. Aber er schaut gerne zu, wenn die harten Jungs des Football-Teams von Yale gegen die Mannschaften anderer US-Universitäten aus der elitären Ivy League antreten, zu der auch Namen wie Harvard, Princeton und Columbia zählen. Wenn es aber um den Erfolg der Geldanlage geht, weiß er, die illustren Konkurrenten sind ohne Chance.

Vergangenes Jahr, als andere Stiftungen negative Renditen verbuchten, schaffte er immerhin 3,4 Prozent plus. In den letzten zehn Jahren erreichte Yale nach eigenen Angaben im Durchschnitt 8,1 Prozent und lag dabei in der Vergleichsliste der Firma Cambridge Associates achtmal auf Platz eins. Cambridge Associates gibt keine Zahlen zu einzelnen Investoren heraus, aber vergleicht nach eigenen Angaben rund 400 Adressen, wobei der Durchschnitt für den Zehnjahreszeitraum bis Mitte 2017 bei 4,5 Prozent lag - gedrückt durch den Kurseinbruch der Finanzkrise 2008.


Langweiliges Portfolio

Swensen wurde 1954 in der kleinen Stadt River Falls im US-Bundesstaat Wisconsin geboren. Dort ging er auch zur Schule und studierte, bis er nach Yale wechselte, um seinen Doktor zu machen. Im Jahr 1985 wurde er Chef der Yale-Stiftung, nachdem er zuvor sechs Jahre bei der Investmentbank Lehman Brothers gearbeitet hatte, deren Zusammenbruch später den Höhepunkt der letzten Finanzkrise markierte.

Was er in Yale vorfand, gefiel ihm nicht, wie er in Frankfurt erzählt. Es war ein langweiliges 08/15-Portfolio mit 50 Prozent Aktien. Der Rest steckte vor allem in Zinspapieren und Bargeld. Swensen begann sofort, das Geld umzuschichten, und bezog dabei ganz neue Anlageklassen ein. Darauf folgte ein jahrzehntelanger Prozess, in dem das System immer mehr verfeinert wurde.

Swensen nutzte die Chance, dass er in der Stiftung Geld sehr langfristig anlegen kann - er muss keine Quartalsberichte abliefern. Er setzt darauf, dass illiquide Anlagen, die also nicht jederzeit verkäuflich sind, im Schnitt höhere Renditen abwerfen, wie sich gerade in den letzten Jahren bestätigt hat. Und er verteilt das Geld großteils an sehr gute externe Manager, achtet dabei aber darauf, dass deren Kosten im Griff bleiben.

Nach dem Jahresbericht für 2016 bildete der Bereich „Absolute Return“ mit gut 22 Prozent den Schwerpunkt der Anlage von insgesamt 25 Milliarden Dollar. Swensen hat diese Anlageklasse 1990 zum ersten Mal definiert. Dabei geht es um Erträge, die weitgehend unabhängig von der breiten Entwicklung der Kapitalmärkte entstehen. Ein Beispiel sind Kursgewinne durch einmalige Ereignisse wie Fusionen oder Sanierungen von Unternehmen.

Ein anderes ist das Ausnützen von Kursunterschieden bei Wertpapieren verschiedener Klassen, wenn etwa eine Wandelschuld-Verschreibung und die zugehörige Aktie auseinandergelaufen sind, so dass man auf eine spätere Annäherung der Bewertung setzen kann. Swensen agiert ähnlich wie bekannte Hedgefondsmanager, etwa wie Paul Singer, der seit Jahrzehnten solche Situationen systematisch ausnützt und damit ebenfalls recht stabile Erträge erzielt.

Weitere Anlageklassen sind Wagniskapital für junge Unternehmen mit 16 Prozent, sogenannte Leveraged Buy-outs, also schuldenfinanzierte Unternehmenskäufe, mit knapp 15 Prozent, ausländische Aktien mit 15 Prozent, Immobilien mit über zwölf Prozent, Rohstoffe mit acht Prozent und Zinspapiere mit fünf Prozent sowie US-Aktien mit vier Prozent.


Kritik von Warren Buffett

Solche ausgefuchsten Strategien lassen sich nur mit guten Experten realisieren, und die kosten eine Menge Geld. Das hat Swensen auch Kritik eingebracht. So schrieb Malcolm Gladwell in einer Kolumne der „New York Times“, Yale zahle so hohe Gebühren an Hedgefonds, dass sie ihnen auch gleich ihre Spenden überweisen könnte, statt sie der Stiftung zur Verfügung zu stellen.

Der bekannte Milliardär Warren Buffett äußerte sich ebenfalls kritisch zu den Anlagestrategien der Uni-Stiftungen in den USA. Aber Swensen ist der festen Überzeugung, dass der finanzielle Aufwand sich lohnt, weil unterm Strich dann doch höhere Erträge hängen bleiben als bei einer rein passiven Anlage. Die Stiftung hat ausgerechnet, dass sie mit passiver Anlage in den letzten 30 Jahren gut 28 Milliarden Dollar weniger hätte ausschütten können als mit der gewählten, ausgefeilten Aktivstrategie.

Damit nach Kosten genug übrig bleibt, ist es freilich auch wichtig, die Kosten unter Kontrolle zu halten. Lange Zeit haben Hedgefonds als Standardgebühren zwei Prozent vom Volumen und 20 Prozent vom Gewinn verlangt. Yale hat für 95 Prozent seiner vergebenen Mittel nach eigenen Angaben bessere Konditionen vereinbart. Mehr noch: Die Stiftung legt Wert darauf, dass die beauftragten Manager eigenes Geld in dieselbe Strategie stecken, also nicht nur bei Gewinnen absahnen, sondern auch bei Verlusten bluten.

Trotzdem musste auch Swensen Durststrecken hinnehmen, daraus macht er keinen Hehl. „Nachdem ich etwa 15 Jahre bei der Stiftung war, haben die Menschen begonnen, meinen Anlagestil als ‚Yale-Modell’ zu zitieren“, erzählt er. „Als es im Zuge der Finanzkrise 2008 zu Rückschlägen kam, nannten sie es plötzlich das ‚Swensen-Modell’. Seit 2010 läuft es wieder besser, so dass es nun wieder Yale-Modell genannt wird.“

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