Davos Banken-Chefs haben Angst vor einer neuen Krise

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos haben Führungskräfte der globalen Finanzwelt vor Parallelen zwischen den hochfliegenden Aktienmärkten heute und dem Überschäumen in den Vorkrisenjahren 2006 gewarnt.

Banken-Chefs, unter anderem die von Barclyas, haben in Davos ihre Sorge zum Ausdruck gebracht. Quelle: Reuters

Führungskräfte aus der Finanzwelt haben ihre Sorge zum Ausdruck gebracht, dass die starke Verfassung der Weltwirtschaft seit 2011 die Finanzmärkte selbstgefällig werden lässt. Sie sagten, die Anleger könnten auf dem falschen Fuß erwischt werden, wenn Zentralbanken die Zinsen erhöhen. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos haben die Chefs von Barclays Plc, Citigroup Inc. und der Carlyle Group allesamt vor Parallelen zu dem überschäumenden Aktienmarkt in den Vorkrisenjahren 2006 gewarnt. Dieses Jahr haben Aktien weltweit ihren Marktwert um mehr als 3 Billionen Dollar gesteigert.

„Da draußen herrscht eine Taubheit, da ist eine Ambivalenz, die besorgt macht“, sagte der CEO der Citigroup Michael Corbat auf einem Bloomberg-Panel in Davos. „Wenn die nächste Kehrtwende kommt – und sie wird kommen – wird es wahrscheinlich ärger als es wäre, wenn wir entlang des Wegs etwas Druck ablassen würden.“ Jes Staley, den CEO von Barclays, erinnert das optimistische Umfeld an den Vorabend der letzten Krise vor einem Jahrzehnt. Die Kombination von Aktienkursen auf Rekordhöhen und Volatilität in der Nähe von Allzeittiefs sei auf lange Sicht nicht nachhaltig. Auch er sagte, es könnten Probleme auftreten, wenn Zentralbanken wie die Federal Reserve in den USA die Finanzierungskosten schneller nach oben treiben als es die Anleger erwarten.

Corbat und Staley erklärten, die Finanzdienstleistungsunternehmen hätten aus der letzten Krise gelernt und seien nun widerstandsfähiger und weniger komplex. Gleichwohl riefen sie die Banker dazu auf, wachsam zu bleiben. „Ich finde, es ist ein bisschen wie 2006, als wir uns alle darüber unterhielten, ob wir das Rätsel der Wirtschaftskrisen gelöst haben“, sagte Staley. „Wir haben eine Geldpolitik, die immer noch in den Überresten der Depressionszeit steckt. Wir haben sehr wenig Raum an den Kapitalmärkten, um mit einem echten Zinsschritt umzugehen.“

Mit Zinssätzen rund um den Globus nahe an Rekordtiefs haben Unternehmen billige Finanzierungen nur so verschlungen. US-Unternehmen haben nach Angaben von Standard & Poor’s einen Rekord an Schulden und Fremdkapital angehäuft, wobei viele so anfällig für Zahlungsausfälle sind wie vor der Krise. Die Explosion der Leveraged Loans, die Banken für bereits verschuldete Unternehmen strukturieren und dann an Investoren weiterverkaufen, unterstreicht diesen Trend. Citigroup und Barclays gehören zu den Banken, die vom Boom profitiert haben. Die beiden Finanzinstitute arrangierten 2017 US-Leveraged-Loans im Volumen von insgesamt 168 Milliarden US-Dollar und 12,5 Milliarden Euro in der EMEA-Region, zeigen Daten von Bloomberg.

Anne Richards, CEO von M&G Investments, ist ebenfalls besorgt über das Potenzial für höhere Zinsen. „Wenn die Zinssätze in den nächsten zwölf Monaten signifikant steigen, wird es eine Menge Leute geben, die Geld geliehen haben, das sie nicht zurückzahlen können“, sagte sie. „Diese Leute sind da draußen, und die Märkte preisen das überhaupt nicht ein.“ Harvard-Universitätsprofessor Kenneth Rogoff, erklärte, das Potenzial für eine Erholung der inflationsbereinigten Zinssätze bestehe bereits, da die US-Inflation in diesem Jahr wahrscheinlich um zwei Prozent oder mehr steigen werde. „Wenn die Zinssätze nur halbwegs auf ihr normales Niveau steigen, werden Sie einen Einbruch am Aktienmarkt erleben“, sagte er. „Ich weiß nicht, wie alles, von Kunst und Bitcoin bis zu Aktienkursen reagieren wird, wenn die Zinsen steigen.“

Höhere Zinsen werden sich auch auf die 5 Billionen in Dollar denominierten Schulden von Unternehmen in Schwellenländern auswirken, so die Panel-Teilnehmer. Unter anderem beriefen sie sich auf steigende Staatsschulden in China und anderswo, steigenden Protektionismus und das Potenzial für geopolitische Schocks. „Die größte Sorge, die ich habe, ist, dass die meisten Leute denken, es gebe kein Problem einer wahrscheinlichen Rezession in diesem Jahr oder Anfang nächsten Jahres“, sagte David Rubenstein von Carlyle. Er hatte die Private-Equity-Gesellschaft vor mehr als 30 Jahren mitgegründet. „Wenn Menschen glücklich und zuversichtlich sind, passiert etwas Falsches.“

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