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Dax-Ausblick Griechenland steuert gen Hexensabbat

Am Freitag ist Hexensabbat an den Börsen. Bis dahin dürften Anleger auf die Hellenen-Krise und die Position des IWF diesbezüglich blicken. Spannende Zahlen soll die US-Wirtschaft bieten – was außerdem wichtig wird.

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Eine Einigung im griechischen Schuldenstreit dürfte auch in dieser Woche Wunschdenken bleiben. Quelle: dpa

Frankfurt Ins Dax-Tableau dieser Woche bieten die Zahlen zur US-Industrieproduktion am Montag und die US-Frühindikatoren am Donnerstag Einblick sowie der ZEW-Index, der am Dienstag veröffentlich wird. Der Optimismus der Börsenprofis in Deutschland hatte in der vergangenen Auswertung überraschend stark abgenommen. Im laufenden Monat könnte es Analysten zufolge einen erneuten Rückgang geben.

Unter Druck kommen könnten die Notierungen am deutschen Aktienmarkt schließlich auch aus charttechnischen Gründen. Darauf weist Helaba-Analyst Christian Schmidt hin: Der Dax habe in der vergangenen Woche interessante Kursbewegungen vollzogen. „Die Wahrscheinlichkeit sei hoch, dass sich die dominierende Abwärtsbewegung per saldo zunächst fortsetzt und ausdehnt“, prognostiziert der Experte. Die nächsten „großen“ Kursziele seien bei 10.706 und 10.564 Punkten zu verorten. Am Montagmorgen taxiert der Londoner Broker IG Markets den Dax im Gegensatz zum Vortagesschluss um die 70 Punkte schwächer.

Griechenland dürfte die Anleger beschäftigen, vor allem da am Freitag großer Hexensabbat an den Börsen ist. Die Unsicherheit am deutschen Aktienmarkt dürfte also entsprechend hoch bleiben. Das Ringen um eine Lösung im griechischen Schuldendrama hat sich die Lage am Wochenende weiter zugespitzt. Am Sonntagabend ist ein Vermittlungsversuch von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker gescheitert und zwischen den Geldgebern und der Regierung in Athen besteht noch immer ein deutlicher Unterschied in der Frage, wie die Reformen für weitere finanzielle Hilfen aussgehen sollen.

Das nächste Treffen der 19 Euro-Finanzminister ist am Donnerstag in Luxemburg geplant. Hinter dieser Misere scheinen andere wichtige Wirtschaftsthemen zu verblassen. „Es ist beeindruckend, mit welcher Hartnäckigkeit Griechenland Reformen verweigert“, was letztlich zu Lasten eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums gehe, schreibt Marktexpertin Claudia Windt von der Landesbank Helaba. In letzter Konsequenz müssten sich dann aber die Gläubiger darauf einstellen, Griechenland langfristig zu alimentieren. Dass der IWF die Verhandlungen abgebrochen habe, sei die Quittung für eine solche Kalkulation. Sollte es am Donnerstag jedoch tatsächlich zu einer Einigung der Geldgeber mit Athen kommen, könnte dies den Dax durchaus kräftig anschieben. Dessen Bewertung jedenfalls ist nach Ansicht der Experten der Landesbank LBBW noch nicht ausgereizt.

Dass es trotz der hohen Unsicherheit bislang in Dax und Co. nicht steiler abwärts ging, war laut Windt vor allem den zuletzt guten Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten zu verdanken. „Es verdichten sich die Hinweise, dass die US-Wirtschaft im zweiten Quartal wieder spürbar anzieht.“ Damit rücke allerdings im Gegenzug die Zinswende in den USA näher. Mit Blick auf den anstehenden Zinsentscheid der US-Notenbank Fed am kommenden Mittwochabend wird die Diskussion um den genauen Zeitpunkt der geldpolitischen Wende erneut hochkochen – und für zusätzliche Unsicherheit und Kursausschläge sorgen.

Die meisten Marktteilnehmer erwarten aktuellen Erhebungen zufolge zwar nicht, dass die Notenbank die Zinsen bereits in diesem Monat anhebt, sondern frühestens im September. Denn die Wirtschaft verzeichnete im ersten Quartal einen Aussetzer und auch die Inflationsentwicklung drängt nicht zum Handeln, wie beispielsweise Analyst Bernd Weiden von der Commerzbank in einer Studie schreibt.


Wichtige Themen für Deutschland

In Deutschland dürfte vor allem auf die ZEW-Konjunkturerwartungen geschaut werden, die den dritten Monat in Folge fallen dürften. Unternehmensseitig könnten am Dienstag die Auto-Zulassungszahlen des Branchenverbandes ACEA für Mai bewegen. Aus der zweiten Reihe könnte Airbus Interesse auf sich ziehen, denn nahe Paris startet die Luftfahrtmesse. Nach den Rekordaufträgen in den vergangenen Jahren dürften diesmal aber insgesamt nur vergleichsweise wenige Flugzeuge bestellt werden, erwartet Citigroup-Analyst Jason Gursky.

Die Deutsche Beteiligungs AG legt am Dienstag ihren Bericht zum zweiten Geschäftsquartal vor, von dem sich das Analysehaus Warburg „gute Resultate“ verspricht. Bis Freitag, wenn an den Derivatebörsen Futures und Optionen auf Aktien und Aktien-Indizes verfallen, könnten zusätzliche Schwankungen an den Nerven der Anleger zerren. Dahinter stehen Spekulanten, deren Wetten ablaufen. Große Marktteilnehmer wie Fonds etwa versuchen im Vorfeld, die aktuellen Kurse auf jene Preise zu treiben, bei denen sie an der Terminbörse engagiert sind.

Außerdem wird das Urteil des Europäischen Gerichtshofs über das umstrittene Anleihe-Ankaufprogramm OMT der Europäischen Zentralbank erwartet. Es wird am Dienstag verkündet. Es sieht vor, dass die Notenbank unter bestimmten Bedingungen Staatsanleihen von Euro-Krisenstaaten aufkaufen darf. Das bereits vor rund drei Jahren aufgelegte OMT-Programm ist jedoch nicht zu verwechseln mit dem Anleihekaufprogramm, das die EZB im März gestartet hat („Quantitative Easing“). Diese Wertpapierkäufe im Volumen von 60 Milliarden Euro monatlich bis September kommenden Jahres werden unabhängig von dem anstehenden Urteil fortgeführt.

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