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Dax-Umfrage Anleger glauben an die Rally

Die Investoren an den Märkten sind weiterhin auf Rally gepolt, der Dax erreichte am Montag 12.000 Punkte. Eine exklusive Umfrage zeigt, dass mit der ungebremsten Euphorie auch die Gefahr einer heftigen Korrektur steigt.

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Noch nie war seit dem Start der Handelsblatt-Umfrage im September 2014 der Pessimismus so hoch wie derzeit.

Düsseldorf Die Märkte befinden sich in einer ungewöhnlichen Situation, obwohl Experten vor Überhitzung der Kurse warnen sind sie überzeugt, dass der Aufwärtstrend weiter anhält. Die aktuellen Ergebnisse der Handelsblatt-Umfrage „Dax-Sentiment“ zeigen, dass die Anleger weiterhin „bullish“ sind. In der vorherigen Auswertung waren die Erwartungen etwas moderater als zuletzt formuliert worden. Mit 47 Prozent sprach sich der Großteil der Anleger dafür aus, dass in der vergangenen Woche eine Topbildung beim deutschen Leitindex stattfindet.

In der aktuellen Auswertung liegt allerdings wieder der Aufwärtsimpuls (52 Prozent) vorne, die Anleger scheinen nach dem Beginn der Anleihekäufe der europäischen Zentralbank (EZB) in der vergangenen Woche wieder stark euphorisch. Rechnet man die 44 Prozent ein, die von einer Topbildung ausgehen, so bestätigen insgesamt „96 Prozent der Anleger die Rally“, schreibt Stephan Heibel vom Analysehaus Animusx. Das neue Allzeithoch von 12.000 Punkten am Montagmorgen dürfte den Teilnehmern recht geben.

Heibel interpretiert die Ergebnisse der wöchentlichen Handelsblatt-Umfrage zur Börsenstimmung unter mehr als 1700 Anlegern. Dabei achtet er vor allem auf Kontraindikatoren. Sind Anleger beispielsweise zu euphorisch, weil sie weiterhin steigende Kurse erwarten? Oder auch zu selbstgefällig, weil sie die Kursgewinne genau so erwartet hatten? Dies sind Kontraindikatoren, weil die Anleger beispielsweise bei sehr großer Euphorie schon investiert sind und bei Kursrückschlägen die Käufer fehlen. Aus umgekehrter Sicht, wenn Anleger zu pessimistisch sind, gilt dies genauso.

Der Optimismus der Anleger, dass die Rally am deutschen Leitindex anhält ist für den Börsenexperten keine Überraschung. „Solange es keinen überraschenden Auslöser für eine Korrektur gibt, wird die Dax-Rally weiterlaufen, sagten wir in der vergangenen Woche. Und genau wie schon in der Vorwoche gab es erneut keinen Auslöser und der Dax legte nochmals um drei Prozent zu“, kommentiert Heibel die Ergebnisse.

Der Experte bekräftige dennoch seine Meinung, dass die „nächste Korrektur heftig ausfallen wird.“ Die aktuell große Einigkeit über einen Aufwärtstrend am Markt, birgt Heibel zufolge eine Gefahr der Fehlinterpretation. „So viel Übereinstimmung in der Einschätzung der aktuellen Lage gibt es selten und gemäß der Sentimenttheorie besteht die Gefahr, dass die gegenseitige Bestätigung der richtigen Einschätzung durch eine so große harmonische Gruppe den Blick für die Realität trüben kann“, gibt er an.


Korrektur wird mittelfristig erwartet

Die Umfrageergebnisse, die zeigen dass „72 Prozent“ der Teilnehmer sich „noch immer in ihrer Erwartung“ bestätigt fühlen und diese Anleger „lehnen sich selbstgefällig zurück.“ Das sich aber auch vier Prozent mehr Teilnehmer als in der Vorwoche von der Marktentwicklung überrascht fühlen (28 Prozent), deutet dem Experten zufolge daraufhin, dass auch die letzten „Bären“ nun ins „Bullenlager“ gewechselt sind.

Die Ergebnisse der Umfrage für die mittelfristige Entwicklung der Kurse zeigt allerdings ein deutlich pessimistischeres Bild. Die Mehrheit mit 31 Prozent erwartet in den kommenden drei Monaten einen Abwärtsimpuls, obwohl zwei Prozent mehr als in der vergangenen Umfrage sich für einen Aufwärtsimpuls ausgesprochen haben (24 Prozent). Für Heibel bieten die Ergebnisse zu dieser Frage eine „bullische Unterstützung für eine eventuelle Korrektur.“

Auch andere Experten erwarten mittelfristig eine Korrektur am deutschen Leitindex und stimmen damit den Teilnehmern der Handelsblatt-Umfrage zu. Die Analysten der DZ-Bank meinen dazu: „Die Kursrally ist nicht mehr gesund“ und auch Christian Henke von IG Markets schreibt: „Der Dax ist reif für eine Korrektur.“

Die Umfrage fragt die Teilnehmer auch nach ihren Handelsabsichten, die aktuellen Ergebnisse deuten daraufhin, dass sich die Anleger „so langsam an ein höheres Dax-Niveau gewöhnen“, meint Heibel. Demnach wollen 28 Prozent der Börsianer in den kommenden zwei Wochen Aktien kaufen, das entspricht einem Plus von immerhin sechs Prozent im Vergleich zur Vorwoche. Nur noch 23 Prozent der Befragten beabsichtigen Papiere in diesem Zeitraum zu verkaufen, dass sind neun Prozent weniger als bei der vergangenen Umfrage.

Die Ergebnisse der Umfrage lassen darauf deuten, dass „die Furcht schwindet, Anleger von ihren Erwartungen überzeugt sind und eine Korrektur frühzeitig kaufen würden“, erklärt Heibel. Er selbst bleibt von der heftigen Korrektur überzeugt, der Zeitpunkt ist allerdings aus dem Sentiment nicht zu erahnen.


11.000 Punkte diese Woche denkbar

Der „Hexensabbat“, der am kommenden Freitag die Märkte trifft, dürfte in dieser Woche für viel Volatilität sorgen. Mit „Hexensabbat“ wird ein Verfallstag bezeichnet, an dem sämtliche Optionen und Future-Papiere fällig werden. „Stillhalter sowie Optionsinhaber sorgen regelmäßig in den Tagen vor dem Hexensabatt für heftige Kursschwankungen in Richtung der Dax-Stände, wo das größte Volumen an ausstehenden Optionen besteht. Und das ist dieses Mal bei den runden Marken 11.000 sowie 12.000 der Fall“, erklärt der Experte von Animusx.

Dass am Montagmorgen das neue Allzeithoch von 12.000 Punkten bereits erreicht wurde, könnte dabei eine besondere Rolle spielen. Dadurch waren viele Optionsinhaber, die auf diesen Wert spekuliert haben, schon in der Lage ihre Positionen „glatt zu stellen“, so Heibel. Denkbar sind für ihn deshalb zwei Entwicklungen, zum einen könnten die „12.000 Punkte bis zum Freitag halten“ oder aber eine „heftige Korrektur bis 11.000 Punkte“ eintreten, damit auch die Optionen die bei diesem Wert einsetzen ohne nennenswerte Verluste geschlossen werden können, erklärt er.

Auch aus den USA könnten negative Impulse für die Börsen kommen, speziell wenn die Fed eine Zinserhöhung schon für den Juni ankündigt. Das wird aufgrund der guten Arbeitsmarktdaten erwartet und die Stimmung in der größten Volkswirtschaft der Welt ist daher schon seit drei Wochen pessimistisch, schreibt Heibel. „Das Sentiment spricht eindeutig für weiter steigende Kurse im Dax. Die Nachrichtenlage birgt jedoch durchaus negatives Überraschungspotential“, so Heibels Fazit für die Woche.

Die Umfrage startet jeden Donnerstag und endet Sonntagmittag. Die Auswertung steht montagmittags auf Handelsblatt Online zur Verfügung. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung im Laufe des Montags auf Handelsblatt Online zu lesen ist. Auszüge der Auswertung können Anleger dann auch in den Marktberichten auf der Handelsblatt-Webseite lesen.

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