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Der Medien-Kommissar Bei Sony spielt die Musik in Berlin

Die Sony-Musiktochter tauscht die Führungsspitze aus und installiert mit Daniel Lieberberg erstmals einen Kontinental-Europa-Chef. Der Ex-Manager des Konkurrenten Universal Music soll es in Zukunft richten.

Pro Sieben Sat 1: Die Telenovela im Vorstand – Medien-Kommissar

Erst einmal Skifahren heißt die Devise für Philip Ginthör. Über viele Jahre war der gebürtige Wiener einer der einflussreichsten Musikmanager in Europa. Damit ist es für den 42-Jährigen seit kurzem vorbei. Seinen Job als Vorstandschef von Sony Music in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der promovierte Jurist los. Seit 2011 saß er auf dem Chefsessel in der Münchner Sony Music-Zentrale in der Neumarkter Straße.

Gründe für die Trennung nennt Sony nicht. Eigentlich kennt sich der japanische Unterhaltungselektronikkonzern mit Kommunikation bestens aus. Doch in diesem Fall ist das große Schweigen angesagt. Nicht einmal eine Pressemitteilung oder gar Dankesworte gab es für Ginthör von höchster Stelle. Ein äußerst ungewöhnlicher Vorgang für einen börsennotierten Konzern dieser Kragenwette nach so vielen Jahren. Bereits vor Weihnachten gab es Spekulationen, dass der frühere Vertraute des Sony Music-Chefs und des ehemaligen Bertelsmann-Vorstands Rolf Schmidt-Holtz abgelöst werden könnte.

Sony Music will mit der neuen Führung unter Rob Stringer künftig mehr erreichen. Der Konzern erzielte 2016 einen Umsatz von 3,65 Milliarden Dollar. Die Tochter des japanischen Elektronikriesen ist mit einem Marktanteil von knapp 25 Prozent am deutschen Musikmarkt die Nummer zwei hinter Universal Music. Die drei Konzerne Universal, Sony und Warner machen zusammen 67 Prozent aller Umsätze.

Genau vom Marktführer Universal Music will Sony künftig besonders viel lernen. Denn Sony-Music-Boss Rob Stringer in New York installiert mit dem ehemaligen Universal-Music-Manager Daniel Lieberberg einen Kontinentaleuropa-Chef in Berlin, der alle Kniffe des Marktführers kennt.

Der gebürtige Frankfurter soll das Geschäft von Sony Music in  Kontinentaleuropa (ohne Spanien/Portugal) und Afrika schleunigst ausbauen. Das ist eine komplett neue Position, die nun von der New Yorker Konzernzentrale geschafften wurde. Der nur in der Branche bekannte Lieberberg stand schließlich bis Herbst 2017 rund 16 Jahre in den Diensten des Konkurrenten Universal Music. Künftig soll er sich für Sony Music um den Künstleraufbau unter den neuen Marktbedingungen und die strategische Unternehmensentwicklung, vor allem im Digitalbereich, kümmern. Er berichtet direkt an Sony Music-Chef Stringer. Das macht ihn intern sehr stark.

Der Name Lieberberg hat in der deutschen Musikszene einen guten Klang. Sein Vater Marek Lieberberg ist hierzulande eine Musikveranstalter-Legende. Seit vier Dekaden veranstaltet er beispielsweise die Konzerte von Bob Dylan, mittlerweile sogar Literatur-Nobelpreisträger. Über seinen Vater Marek und dessen damalige Konzertagentur kam auch Daniel Lieberberg bereits als Student der Germanistik, Politikwissenschaft und Geschichte mit dem knallharten Musikgeschäft in Berührung. Zwischen 1998 und 2011 besaß der gebürtige Frankfurter mit Tamtam Records sogar sein eigenes Label. Bei Universal Music war er zuletzt Senior Vice President Domestic.

Den Chefsessel von Ginthör übernimmt in München unterdessen Patrick Mushatsi-Kareba. Der Vertraute von Lieberberg kommt ebenfalls vom Marktführer Universal Music. Dort arbeitete er als Marketing- und Digitalmanager. Der Manager, der jahrelang für Apple im  deutschen und europäischen Musikgeschäft tätig war, wird unmittelbar an Lieberberg nach Berlin berichten. Denn künftig spielt die Musik für Sony in Berlin.

Immer montags schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.

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